Mit Christian Lipfert hat das HUB Erle einen Pächter gefunden, der Gastronomie, Dorfleben und Tourismus zusammendenkt. Im Gespräch erklärt er, warum die klassische Dorfkneipe an ihre Grenzen gestoßen ist, wie sein Konzept eines modernen Treffpunkts entstanden ist und weshalb er bewusst den sicheren Weg verlassen hat, um in Erle etwas Neues aufzubauen.
Oliver Borgwardt, Heimatmedien:
Wir haben heute den 14. Januar. Ich sitze hier mit Christian Lippert im HUB Erle. Ich freue mich, dass wir einen Termin gefunden haben. Ich bin jetzt zum ersten Mal hier und bin quasi noch so ganz „jungfräulich“. Ich weiß nur, dass es die Kneipe Brömmel-Wilms gibt, auf die ich jetzt aus dem Fenster schaue. Aber die ganze Geschichte des HUBs kenne ich noch nicht.
Das heißt, ich würde dich bitten, mir einfach mal einen Überblick zu geben, wie es dazu kam, dass wir heute hier sitzen können und du deinen Kaffee trinken kannst und ich mein Wasser.
Christian Lipfert:
Ja, machen wir das doch mal. Ich glaube, das Projekt ist entstanden, weil man bemerkt hatte, dass Arno Brömmel – der Wirt von Brömmel-Wilms – irgendwann gesagt hatte, er wird mal in Rente gehen wollen und findet keinen Nachfolger. Und dann hat Erle keine Kneipe mehr, weil das ist die letzte Kneipe, die Erle quasi hat – die letzte richtige Kneipe. Früher gab es hier, glaube ich, ganz viele, auch mal nebeneinander direkt.
Und da sind ein paar Leute wach geworden und sagten: „Oh, Taufe ohne Kneipe – hm, wo feiert man dann? Wo gehen die Leute abends hin? Wo geht man Bier trinken? Wo gehen die Stammtische hin? Wo kann ich meine Taufe später mit meinem Kind machen? Wo kann ich meine Hochzeitsfeier machen?“
Wir haben ja so viele Sachen hier – das sind ja nur Ausschnitte gerade. Auch Beerdigungen, die machen wir hier regelmäßig mit, mit den Beerdigungsinstituten vor Ort. Es kamen viele Sachen zusammen, wo man dann wirklich dachte: Das geht gar nicht ohne.
Wenn man keine Kneipe mehr hat, wenn man keine Apotheke mehr hat, wenn man keinen Einkaufsladen mehr hat – dann stirbt ein Dorf einfach. Dann ist es tot, dann ist es brach. Und da gab es eine kleine Gruppe, die sagte: Nee, da müssen wir was tun. Was machen wir?
„Gastronomen stehen auf einer Blacklist“
Borgwardt:
Und wie ging es dann weiter?
Lipfert:
Unter anderem gab es da Andreas Grotendorst – das war früher der Bürgermeister vor einiger Zeit hier im Dorf. Der ist immer total super drauf und macht sich schnell Gedanken. Der ist dann auf dieses Konzept gekommen mit der Bürgergenossenschaft Erle eG: Dass man eine Bürgergenossenschaft aufmacht, dass man Geld einsammelt.
Eine Gastronomie kann man heute so ohne Geld ja gar nicht mehr bauen. Es gibt keine Banken mehr, die das finanzieren. Wenn man als Gastronom in eine Bank reingeht, sagt die Bank: „Oh nee, schönes Leben noch, du kannst wieder gehen.“ Ein Gastronom kriegt absolut kein Geld mehr von der Bank. Die stehen quasi auf einer Blacklist. Und das ist genau das Problem in der Gastronomie.
Das wurde sofort erkannt. Und deswegen hat man gesagt: Wenn man das Konzept der Bürgergenossenschaft macht – wo man ja jetzt 2.100 Bürger hat – dann ist es für die Bank leichter, Geld abzugeben.
Und dieses Konzept wurde dann hier eingereicht. Eine Bürgergenossenschaft kann man nicht mal eben so gründen. Man muss sie richtig einreichen, da gibt es Regeln und Vorgaben. Dann wurde ein Vorstand gegründet – da braucht man auch schon viele Leute für. Und dann wurde angefangen.
Borgwardt:
Du sagst „angefangen“ – du warst aber am Anfang noch gar nicht dabei, oder?
Lippert:
Genau. Das war vor ungefähr vier Jahren. Damals gab es mich nicht. Damals gab es einen anderen Wirt, der dafür vorgesehen war. Der hat das mit angefangen zu planen. Und ungefähr nach zwei Jahren hat er das auf einmal aufgegeben. Corona kam dazwischen. Dieser vorgesehene Pächter hat ein anderes Objekt angenommen und hier in der Nähe eröffnet.
Und dann stand man da mit einem Projekt, mit einem geplanten Gebäude, und hatte keinen Pächter mehr. Und man hat gesagt: Wir bauen das erst, wenn wir einen Pächter haben. Weil was nützt es, wenn wir ein Haus bauen und dann gibt es keinen dafür?
„Christian, die suchen dich“
Borgwardt:
Wie bist du dann ins Spiel gekommen?
Lipfert:
Dann gab es eine Generalversammlung der Bürgergenossenschaft. Da hat man aufgerufen, dass alle mal rechts und links schauen – Familie, Freundeskreis – ob es da jemanden geben könnte, der das als Wirt machen könnte.
Und wenn man sich das Exposé durchliest, ist es ganz witzig: Man suchte quasi einen Gastronomen und gleichzeitig einen Tourismusbeauftragten. Also ganz viel mit Werbemaßnahmen und Umsetzung. Als Gastronom ist man eher im Service oder als Koch unterwegs und macht sich dann vielleicht als Wirt selbstständig. Was hier gesucht wurde, waren mehrere Berufe in einem.
Und meine Freundin Lara – die war einen Tag vorher auf der Generalversammlung – sagte zu mir: „Christian, die suchen dich.“ Ich so: „Wie, die suchen mich? Wer sucht überhaupt mich?“ Dann hat sie mir von dem Projekt erzählt.
Ich habe mir das Exposé durchgelesen und dachte: Das kann man ja gar nicht so machen, diese Person gibt es eigentlich gar nicht. Ich bin zufälligerweise gelernter Koch und gelernter Mediengestalter und habe Marketing dazugelernt. Ich habe diese Berufe, um das umzusetzen.
Ich war aber in einem super Job in Wesel – super Verdienst, man hätte mich bis zur Rente behalten können. Aber ich liebe die Herausforderung. Ich habe mir eine Woche Gedanken gemacht: wie man das umsetzen könnte, was man dazu machen müsste, was es kostet. Ich hatte immer mehr Lust darauf und war irgendwann selber überzeugt, dass das klappen kann.
Und dann bin ich spontan zu Arno Brömmel gegangen und habe gesagt: „Ihr sucht einen Wirt?“ Und er so: „Ja, suchen wir. Wer bist du denn?“ Ich stellte mich vor. Er sagte: „Ich dachte, ich kenne alle in Erle.“ Mich kannte man aber tatsächlich gar nicht.
„Dieser Dorfcharakter ist toll“
Borgwardt:
Du kommst aber ursprünglich aus Erle?
Lipfert:
Nein, ich komme nicht aus Erle. Ich wohne jetzt seit 13 Jahren hier in Erle. Ich komme eigentlich aus Oberhausen, hab zuletzt in Bochum gewohnt und bin dann durch eine Beziehung hier gelandet.
Ich komme aus dem Ruhrgebiet, bin aber nicht nur da aufgewachsen. Am Wochenende waren wir immer im Westerwald, zwischen den Bergen – da kommt meine Familie her. Da bin ich auf dem Dorf zwischen den Bergen aufgewachsen. Dieses Dorfleben kenne ich haargenau – nur wir hatten Berge dazwischen.
Als wir dann sagten, wir ziehen zusammen, war für mich klar: Ich ziehe nach Erle. Dieser Dorfcharakter ist toll. Ich habe den Flair hier direkt bemerkt. Das ist so ein Urlaubsort – das merkt man als Fremder: Mühle, alter Baum, Kornbrennerei. Die Leute grüßen einen. Man wird nicht schräg angeguckt. Alles ist noch so gesund hier im Dorf. Das hat mich fasziniert.
Borgwardt:
Und dann ging es weiter Richtung Genossenschaft?
Lipfert:
Ja. Arno Brömmel war total begeistert – wahrscheinlich auch, weil es hieß: Wir könnten eventuell einen Wirt haben. Er ist dann zum Vorstand gegangen und sagte: Da wäre jemand mit Interesse.
Wir haben uns zwei Wochen später getroffen, und ich hatte in den zwei Wochen schon ein fertiges Konzept gemacht. Dann habe ich das dem Vorstand vorgestellt – Andreas Grotendorst und Oliver Göttlich waren damals dabei, und Arno Brömmel auch. Wir saßen im alten Jagdzimmer bei Brömmel-Wilms.
Erst haben sie ihr Konzept vorgestellt. Das war so gedacht, dass man quasi Brömmel-Wilms neu haben wollte. Ich fand aber: Das kann man in einer neuen Welt gar nicht so integrieren. Ich hatte mein Konzept schon in der Tasche, mit einer Präsentation, Videos und allem.
Ich mache den Laptop auf – schwarzer Bildschirm – und als erstes kam: „Zeit für Neues.“ Dann war erstmal Funkstille. Drei bis fünf Sekunden. Zeit, das sacken zu lassen. Und dann fing meine Präsentation an. Ich habe gezeigt, was ich machen möchte, wie wir das aufdigitalisieren können, wie wir das umsetzen müssen, damit es in Zukunft funktioniert. Das waren so 20 Minuten.
„Ich dachte, alle waren schockiert“
Borgwardt:
Wie war die Reaktion?
Lipfert:
Sehr erstaunlich: Nach 20 Minuten haben alle eingepackt und sind ohne einen Ton nach Hause gegangen. Ich dachte: Okay, waren alle schockiert.
Zwei Wochen später meldeten sie sich wieder: Wir müssen uns treffen. Dann haben wir uns im Proberaum der Erler Jäger getroffen – im Keller, kalt. Wir saßen auf Bänken, haben eine Flasche Bier getrunken. Ich fragte irgendwann vorsichtig: Was ist denn jetzt mit dem Konzept? Und alle direkt: „Ja ne, machen wir!“ Das waren die Worte. Und dann ging es nach und nach weiter.
Ich habe dann erstmal Angebote eingeholt, Kostenaufstellungen gemacht: Was kostet das, ist das umsetzbar? Es stellte sich heraus: Es geht. Irgendwann kam in den Generalversammlungen die Entscheidung, dass das Haus gebaut werden kann.
Zwischendurch fehlte noch Geld – das war ein großes Problem. Das wurde dann in einem Jahr eingesammelt. Während der Schützenfestzeit haben wir eine riesige Werbetrommel gemacht, und das fehlende Geld kam wieder zusammen. Das war eine sehr schöne Aktion.
Dann wurde ich als Wirt vorgestellt – das war auch ein Überraschungspunkt. Und die große Frage war: Wer ist der denn? Die kannten mich nicht. Da steht auf einmal einer auf der Bühne, mit Videoshow, erzählt, was man jetzt machen müsste – und alle denken: Wer ist der?
Ich wusste: Das funktioniert so nicht. Also habe ich mir ein Jahr Zeit genommen und bin auf jede Veranstaltung gegangen. Überall. In Erle und Umgebung. Ich habe versucht, die Leute kennenzulernen, mich vorzustellen, damit sie mich sehen und Fragen stellen können. Nach einem halben Jahr haben mich alle mit Namen angesprochen. Das war viel Arbeit – ich habe ja nebenbei gearbeitet und musste mir Termine freinehmen. Aber mir war wichtig: Wenn ich das hier mache, dann müssen die Leute mich kennen wie Arno Brömmel.
„Das klassische Konzept funktioniert so nicht mehr“
Borgwardt:
Geh mit mir mal gedanklich durch dein Konzept. Warum funktioniert die klassische Dorfkneipe in der alten Form nicht mehr?
Lipfert:
Die alte Dorfkneipe ist eine klassische Theke, wo Menschen an der Theke hängen und Bier trinken. Das Leben hat sich gewandelt. Eltern wollen ihren Kindern sowas nicht mehr zeigen. Das ist ein großes Problem, weswegen Gäste ausbleiben. Viele wollen dieses Bild nicht sehen und wollen nicht in eine „alte Kneipe“ rein – obwohl das hier bei Brömmel-Wilms sehr gemütlich war, das muss man sagen.
Eine Kneipe kann man neu erfinden, das ist möglich, das ist sogar wieder im Kommen – aber nicht mit dem alten Konzept. Eine Dorfkneipe ist heute eigentlich eine Bar. Beides hat eine Theke, aber der Anspruch ist höher geworden: mehr Getränke, mehr Auswahl. Whisky, Tastings, Cocktails, Aperol Spritz – das muss laufen.
Das Wort „Kneipe“ bringt für viele mit: alt, kaputt, nicht mehr viele Gäste, verraucht. Die Erler haben das vielleicht nicht so im Kopf, weil es ihr Treffpunkt war. Aber wir können ja nicht nur die Erler als Gäste haben. Wir brauchen auch Gäste von außen, damit der Laden läuft – und die haben diese Bilder im Kopf. Deshalb haben wir gesagt: Dieses klassische Konzept funktioniert so nicht mehr.
Das HUB Erle will mehr als eine Dorfkneipe sein
Borgwardt:
Und was ist das neue Konzept?
Lipfert:
Nicht einfach „neue Dorfkneipe“, sondern: Wie machen wir einen Treffpunkt, einen Knotenpunkt, einen Mittelpunkt für Erle, wo alle hinwollen – aus der Umgebung: Schermbeck, Dorsten, Heiden, Marienthal, Raesfeld und natürlich Erle.
Wir haben ein Konzept für bis zu 50 Kilometer Umkreis. Es beinhaltet Tourismus: Fahrradtourismus, Reittourismus, Wandertourismus. Und Leute aus dem Ruhrgebiet, die eine kurze Auszeit wollen: Samstag eine halbe Stunde fahren und plötzlich in einer anderen Welt sein. Freundliche Leute, Dorf, Natur. Das können wir geben.
Erle hat so viele Punkte: die Mühle, den alten Baum – 1.500 Jahre –, Kornbrennerei-Führungen, Heimatmuseum. Dazu Essen: Kaffee und Kuchen, Schnitzel – wenn Leute ins Münsterland fahren, wollen die ein Schnitzel essen. Spargelhof, Spargel von Böckenhoff. Das sind Argumente, wo wir uns keine Sorgen machen, dass es nicht funktionieren kann.
Der Knotenpunkt als neues Leitmotiv
Borgwardt:
Der Name „HUB“ war für viele erst mal neu. Was steckt dahinter?
Lipfert:
HUB ist ein englisches Wort und heißt auf Deutsch Knotenpunkt. Knotenpunkt wollen wir sein: Treffpunkt, wo Leute zusammenkommen. Wir wollen ein Netzwerk bilden. Aus allen Orten kann man „die Straße runterfahren“ und landet in Erle – das ist ein fantastischer Ort dafür.
Und das ist auch unser Netz unter der Decke: Die Strukturen gehen zu allen Orten und treffen sich hier unter unserem Dach als Knotenpunkt wieder. Knotenpunkt war uns als Wort zu lang und zu deutsch, deshalb HUB. In der IT braucht man auch einen Hub, sonst kann man keine Netzwerke bilden – und genau so fühlen wir uns hier.
Und uns ist wichtig: Die Leute sollen hier nicht nur essen, sondern auch einfach sitzen, quatschen, Kaffee trinken, Kuchen essen, Wasser trinken – oder abends mit einer Clique Kartenspiele oder Gesellschaftsspiele spielen. Alles in einem modernen Gebäude.
„Man kommt herein in eine Wärme, in eine Gemütlichkeit“
Borgwardt:
Symbolisiert wird diese Netzwerkfunktion ja auch durch Lichtleisten im Gastraum. Beschreib doch mal für alle, die noch nicht hier waren: Wie sieht es aus, was erwartet einen?
Lipfert:
Man kommt rein in einen Raum, der lichtdurchflutet ist, wo man durch die Fenster Erle sehen kann – Natur und Ortskern. Und man kommt rein in eine Wärme, in eine Gemütlichkeit.
Wir haben am Eingang ein Foyer mit zwei Türen, damit es nicht zieht. Es gibt eine automatisierte Lüftungsanlage: kein Fenster aufmachen, Luft wird konstant ausgetauscht. Immer 22 Grad, immer frische Luft – man wird nicht müde.
Wir empfangen die Leute mit einem Willkommensmonitor, wir haben Beschilderung im ganzen Gebäude – schon die Frage „Wo sind die Toiletten?“ wird dadurch einfacher.
Im Restaurantbereich haben wir Naturtöne: Grüntöne aus der Natur, Kupfertöne auf den Tischen als Bezug zur Kornbrennerei (Kupferkessel). Naturholzboden-Optik – heute als versiegelter Vinylboden, weil echtes Holz zu teuer wäre.
Ganz wichtig ist die Theke: nicht normal, sondern groß – die längste Theke in Erle, und eine der längsten in der Umgebung. Rustikal, standhaft, mit Dorfcharakter. Auch die Fehmeiche soll sich darin wiederfinden: Baumstruktur, Rollen über der Couch als Anspielung auf Baumstämme.
Wir haben eine gemütliche Couch, Blumen, Natur – man soll die Zeit vergessen, so gemütlich ist es. Das merken wir schon bei Testgästen: „Boah, ist das gemütlich hier.“
Hinter der Theke präsentieren wir Produkte aus der Kornbrennerei und von Höfen aus Erle. Natürlich haben wir auch Klassiker, die Gäste erwarten – Baileys, Jack Daniels und so weiter – als Wiedererkennungswert. Aber wir führen Leute an unsere Produkte ran. Beispiel: Viele fragen nach Ouzo. Wir haben Kornanis von Böckenhoff – viel besser. Wenn die den probiert haben, wollen die keinen Ouzo mehr. Und dann kommen die wegen Kornanis – und der kommt aus Erle. Besser geht’s doch nicht.
Platz für große Gruppen
Borgwardt:
Ihr habt auch Säle und weitere Räume. Erzähl mal, was man hier mit größeren Gruppen machen kann.
Lipfert:
Wir haben insgesamt – zusätzlich zum Restaurant – drei weitere Räume.
Oben ist die Peterstube, benannt nach Peter Stöbel. Kurzer Einschub: Ich habe am Anfang vieles selbst geplant, aber bei der Umsetzung musste klar getrennt werden: Ich bin Pächter, die Genossenschaft ist Verpächter. Der Aufgabenbereich war so groß, dass wir jemanden brauchten – und Peter Stöbel ist genau die richtige Person gewesen. Er kann professionell umsetzen und auch klar sagen: „Christian, das geht so nicht.“ Der Vorstand hat ihn gefragt, und er hat zugesagt. Er war frisch in Rente – und hat das Projekt komplett durchgezogen.
Die Peterstube ist eine Restaurant-Erweiterung. Oben können nochmal 74 Personen sitzen, gleiche Atmosphäre wie unten. Es gibt eine große Panoramascheibe. Vor der Scheibe steht die Erler Tafel: fünf Tische für 20 Personen, die bleibt so stehen. Für Gruppen, Stammtische, Taufen, kleine Geburtstage, kleine Hochzeiten. Der Raum kann auch flexibel angepasst werden – mit Stellwänden, Nischen, alles mobil.
Unten haben wir einen großen Saal: über 10 Meter hoch, Decke frei, Akustikplatten, schöne Beleuchtung, geschwungene Theke. Die ist digitalisiert: Man kann über die Kasse buchen, man kann’s auch so freigeben, dass Gäste sich ein Bier zapfen und es automatisch in der Kasse landet.
Der Saal hat eine große Fensterfront, ist abtrennbar. Daneben ist der Meetingraum Andreas. Wenn wir beides öffnen, können wir an runden Tischen bis zu 130 Personen setzen, an eckigen bis zu 150. Stehend bis zu 199 Personen. Klimaanlage, Soundsystem integriert, DJ kann sich anschließen, Mikrofone, Headsets – da ist viel drin. Bestuhlung ist individuell, wir bauen es wie der Gast es braucht.
Der Meetingraum Andreas ist bei geschlossener Trennwand für etwa 30 Personen, mit großem Bildschirm, eigenem Surround-System, Mikrofonen und Headsets – auch für Unternehmen. Beispiel Volksbank gegenüber: Die haben nicht solche Räume, können hier rüberkommen und haben einen schalldichten Raum.
„Die Leute sollen sagen: Das ist lecker“
Borgwardt:
Und die Küche – was kann man hier essen?
Lipfert:
Die Küche ist nagelneu, auf dem neuesten Stand, auch digital. Ich nenne ein Gerät immer den „Thermomix für Große“ – ein iVario, das kann alles. Digitale Kombidämpfer, Kücheninsel, Fenster, lichtdurchflutet. Küchenmonitore, das System ist komplett integriert.
Die Köche dürfen die Karte verändern: pro Quartal eine neue Karte, leicht abgewandelt. Schnitzel bleibt – das lieben die Leute im Münsterland.
Mittags haben wir ab 12 Uhr geöffnet, mit Mittagstisch (immer ein Gericht) plus kleiner Karte. Abends dann à la carte, etwas gehobener.
Vom kleinen bis zum großen Portemonnaie, vom kleinen bis zum großen Hunger – alles dabei. Burger, Schnitzel, Steak, regionale Produkte. Kartoffeln von Hof Breil, Champignons aus Raesfeld, Eier von Hof Kruse – 200 Meter von hier, Erler Hühner. Dazu eine regionale Fleischerei aus dem Nachbarort. Lieber einen Euro weniger verdienen, aber die Leute sollen sagen: „Das ist lecker.“
Und wir machen Dinge selbst, die viele nicht mehr machen, zum Beispiel eine Hausmutter-Rinderroulade. Die kommt super an – auch bei Gästen aus dem Ruhrgebiet, die sagen: „Jahre nicht mehr gesehen.“
Die Testphase – ein gewolltes Durcheinander
Borgwardt:
Ihr seid ja jetzt in der Testphase vor der Eröffnung Anfang Februar. Wie läuft das bisher, und wo merkt ihr: Da müssen wir nacharbeiten?
Lipfert:
Viele würden sagen: Fang klein an. Ich fand das den falschen Weg. Deswegen haben wir Testspiele gemacht: eine fixe Karte, einen Monat lang gleich, damit wir üben und verbessern können. Und dann: Lass uns das Haus voll machen von Anfang an.
Am ersten Tag geht alles schief – längere Wartezeiten, Teller nicht perfekt – aber die Leute wissen: Testspiele. Es darf durcheinander sein. Und dann werden wir täglich besser und arbeiten die 1000 Punkte ab.
Am ersten Tag war es ein heilloses Durcheinander: neues Kassensystem, alle mit Ordermans, Speiseaufzug (nagelneu), alles muss da durch – ein Nadelöhr. Und wir haben festgestellt: Wenn oben 50 Leute sitzen, ist die Akustik noch zu schlecht, da müssen wir nachjustieren. Das hätten wir nicht gemerkt, wenn nur 10 Leute da wären.
Wir sind total dankbar für alle Testgäste. Die haben das mitgemacht und dafür sogar bezahlt. Am zweiten Tag hat schon vieles 50 Prozent besser geklappt.
Borgwardt:
Das heißt, du bist optimistisch, dass bei der Eröffnung am 7.2. alles funktioniert?
Lipfert:
Am 7.2. machen wir nicht à la carte. Da ist das Haus voll, alle wollen gucken. Es gibt eine kleine Karte, jeder kann was essen. Am 8.2. – ab da muss alles laufen. Dafür trainieren wir jetzt.
Borgwardt:
Gut, dann bedanke ich mich, wünsche viel Erfolg. Und wir sind alle gespannt auf das HUB Erle, das dann ab dem 7.2. für alle eröffnet sein wird.
Lipfert:
Ja, vielen Dank. Vielen Dank, dass ich mit dir reden durfte.
Borgwardt:
Gerne.