„Wir müssen über unseren Glauben sprechen“

„Wir müssen über unseren Glauben sprechen“

von -
0
Weihbischof Dr. Hegge zu Gast bei „Regnum Christi“ in Erle

Erle (pbm/gun). Mit anderen über Gott sprechen. Erzählen, was der Glaube im Leben bedeuten kann: Dazu ermutigte Weihbischof Dr. Christoph Hegge am 12. März die Erler Katholiken: „Christsein ist ein Abenteuer, eine Entdeckungsreise, die sich lohnt“, sagte Hegge, der auf Einladung der katholischen Laienbewegung „Regnum Christi“ ins Westmünsterland gekommen war. Dort referierte er über „Neue Strukturen brauchen neue Menschen oder: Kirchenreform beginnt bei Bekehrung und Glaubenserneuerung“.Ein komplexes Thema

Ein komplexes Thema, wie der Weihbischof mit Blick auf die pastorale Wirklichkeit in den Pfarreien zugab: „Diese Wirklichkeit führt mich zu Erkenntnissen über eine kirchliche Strukturreform, die eine persönliche Bekehrung und Glaubenserneuerung der Christen voraussetzt.“ Es sei ein Nebeneinander verschiedener Glaubenstraditionen zu erkennen, verbunden mit einer Abnahme der Glaubenssubstanz.
Selbst bei den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern beobachtet Hegge mit Sorge, dass sie aufgrund mangelnden Glaubenswissens und geistlicher Glaubenspraxis empfänglich für Ideologien seien: „Konfessionelle und religiöse Grenzen werden verwischt, Grundeinsichten über Ehe, Zölibat, Priestertum und die Feier der Sakramente sind kaum mehr vorhanden.“

Nicht mehr christlich sozialisiert

Bei seiner Bestandsaufnahme schaute der Weihbischof auch auf die „kirchensteuertreuen Kirchenfernen“, die sich fast ausschließlich zu ausgewählten kirchlichen Dienstleistungen einfinden, wie Erstkommunion, Firmung, seltener zu Eheschließungen, zu Beerdigungen und zum Weihnachtsgottesdienst: „Ein Großteil ist nicht mehr christlich sozialisiert, kennt weder die Gebete noch die liturgischen Abläufe.“ Viele von ihnen spielten mit dem Gedanken, früher oder später aus der Kirche auszutreten. Für Hegge ist das Motivation, gerade dieser Gruppe als einladende Kirche gegenüberzutreten.

Die Katechese kein verlängerter Religionsunterricht 

Doch er ist Realist genug, um zu wissen, dass sich der Trend damit alleine nicht aufhalten lässt. Der Glaube lasse sich nicht kognitiv, also verstandesmäßig, lernen. „Diese Form der Vermittlung bleibt erfolglos, solange im Lebensalltag das Erlernte keine Bedeutung hat“, sagte Hegge. Glaube habe „etwas mit Händen und Füßen zu tun“. Als Beispiel nannte er die Vorbereitung auf die Firmung. Die Katechese dürfe kein verlängerter Religionsunterricht sein. Vielmehr sei es wichtig, den Jugendlichen konkrete Erfahrungen der Nächstenliebe in sozialen und karitativen Einrichtungen zu ermöglichen.
Glauben, betonte der Weihbischof weiter, gehe nicht alleine. Glauben bedeute Gemeinschaft, die immer wieder neue Menschen anziehe und begeistere: „Wir müssen lernen, darüber zu re-den, was uns bewegt.“ Auf die ihm häufig gestellte Frage, was sich in der Kirche künftig ändern müsse, gab Weihbischof Hegge den Erlern am Sonntag eine kurze Antwort: „Sie und ich, wir müssen uns ändern.“
Bildunterschrift: Über Bekehrung und Glaubenserneuerung sprach Weihbischof Dr. Christoph Hegge am Sonntag in Erle.Fotos: Petra Bosse

KEINE KOMMENTARE

Hinterlasse eine Antwort