Bettfixierung

Zur Eröffnung der Betreuungsrechtstage ermunterte Professor Dr. Doris Bredthauer, auf Fixierungen so weit wie möglich zu verzichten

Kreis Borken (pd). Ein Bauchgurt oder ein Bettgitter können Stürze vermeiden. Gleichzeitig schränken sie aber auch die Bewegungsfreiheit und die Selbstbestimmung von Menschen, die Pflege benötigen, deutlich ein. Wie sich Fixierung reduzieren lässt, darüber haben sich am Mittwoch (23.9.) im Borkener Kreishaus rund 80 rechtliche Betreuerinnen und Betreuer, pflegende Angehörige, Kranken- und Altenpfleger informiert. Zum Auftakt der Betreuungsrechtstage referierte Professor Dr. Doris Bredthauer von der Fachhochschule Frankfurt am Main über ihre Studie „ReduFix“, in der sie festgestellt hat, dass sich Fixierungsmaßnahmen in vielen Fällen vermeiden lassen. Dazu gab sie wichtige Tipps und ermunterte ihre Zuhörerinnen und Zuhörer, sich selbst einmal in einem Pflegebett fixieren zu lassen. Nur so könnten sie nachempfinden, was das für ihre Betreuten bedeute.
Professor Dr. Doris Bredthauer wies auch auf die negativen Folgen von Fixierungen hin. So steigerten sie in vielen Fällen die Pflegebedürftigkeit, weil die Patienten ihre Muskeln weniger trainierten und zum Beispiel Inkontinenz zunehme. Die rechtlichen Rahmenbedingungen von Fixierungen skizzierte Maria Leveling, Juristin beim Betreuungsverein Borken. Am Nachmittag setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Arbeitsgruppen mit den Themen „Medikamentöse Sedierung (Beruhigung) einer betreuten Person“, „Demenz und Fixierung“ sowie „Haftung des/der rechtlichen Betreuers/in“ auseinander.
Ausrichterin der Betreuungsrechtstage 2009 ist die Arbeitsgemeinschaft für das Betreuungswesen im Kreis Borken, der die Betreuungsstellen der Stadt Bocholt und des Kreises Borken sowie die Betreuungsvereine SkF Ahaus-Vreden und SkF Bocholt sowie der Betreuungsverein Gronau, der AWO-Betreuungsverein Bocholt und der Betreuungs- und Förderverein im Kreis Borken angehören.
Im Kreis Borken werden etwa 6.000 Menschen rechtlich betreut, weil sie ihre persönlichen Angelegenheiten nicht mehr in vollem Umfang selbst bewältigen können. „Die Zahl wird aufgrund des demographischen Wandels in den kommenden Jahren deutlich zunehmen“, ist Kreisdirektor Werner Haßenkamp überzeugt. Bei der Eröffnung der Betreuungsrechtstage dankte er besonders den ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern für ihren Einsatz. „Sie stellen sich einer schwierigen Aufgabe, die immer wieder neue Anforderungen bringt.“ Unterstützung, wie sie auch die Betreuungsrechtstage böten, sei dabei wichtig.
Drei weitere Veranstaltungen stehen bei den Betreuungsrechtstagen noch auf dem Programm. Am kommenden Dienstag, 29. September, informieren Timo Kuhlmann und Dr. Christian Nienhaus, beide Richter am Amtsgericht Bocholt, über das neue Gesetz zur Patientenverfügung. Beginn ist um 19 Uhr im Rathaus der Stadt Bocholt (Ratssaal). Um das Thema Elternunterhalt geht es am kommenden Mittwoch, 30. September, um 19 Uhr in den Räumen des Betreuungsvereins Gronau und Umgebung e.V. an der Fabrikstraße 3 in Gronau (Wirtschaftszentrum). Zu Gast ist dann Dr. Dietmar Breer, Fachanwalt für Sozialrecht aus Gronau. Zum Abschluss der Reihe skizziert Mustafa Çetinkaya von der WohnBund-Beratung NRW am Donnerstag, 1. Oktober, in Ahaus neue Wohnformen für Menschen im Alter. Er hält um 19 Uhr im Saal des Karl-Leisner-Hauses an der Schloßstraße 23 den Festvortrag zum 15-jährigen Bestehen des Betreuungsvereins des Sozialdienstes katholischer Frauen Ahaus-Vreden e.V..
Eine Anmeldung zu den Veranstaltungen, die allesamt kostenfrei sind, ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es in der Betreuungsstelle des Kreises Borken, Tel.: 02861/82-1207, bei allen Betreuungsvereinen sowie in der Betreuungsstelle bei der Stadt Bocholt.

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