Kreis Borken übernimmt Vorreiter-Rolle beim Einsatz des Telenotarzt – Systems

Rettungswache in Vreden erster Standort in Westfalen.  Weiterer Ausbau des Dienstes geplant: im Frühjahr bereits bei der Rettungswache Borken

Kreis Borken (pd). Der Kreis Borken übernimmt eine Vorreiter-Rolle beim Einsatz des Telenotarzt-Systems im Rettungsdienst: Als erster Standort in Westfalen und einer der ersten in ganz NRW setzt die im Auftrag der Kreisverwaltung betriebene DRK-Rettungswache in Vreden ab sofort den Telenotarzt-Dienst ein.

Telenotarzt-Dienstes
Bei der Vorstellung des neuen Telenotarzt-Dienstes an der Rettungswache Vreden: v. li.: Dr. Tom Tenostendarp (Bürgermeister von Vreden), Heribert Volmering (Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung der Kreisverwaltung Borken), Rebecca de Faber und Bernd Valentin ( „Umlaut healthcare“), Dr. Elisabeth Schwenzow (Kreisordnungsdezernentin), Jürgen Rave (Leiter Rettungsdienst des DRK im Kreis Borken), Landrat Dr. Kai Zwicker, Carsten Thien (Fachabteilungsleiter Rettungsdienst im Fachbereich Sicherheit und Ordnung des Kreises Borken), Rüdiger Neck (Rettungsdienst DRK Vreden), Hanjo Groetschel (Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes des Kreises Borken) und Christoph Gottszky (Leiter der Rettungswache Vreden). Foto: Kreis Borken

Wichtige Weiterentwicklung für den Rettungsdienst

Dies ist ein innovatives Konzept, das ein neues Tätigkeitsfeld der Notfallmedizin eröffnet. „Eine ganz wichtige Weiterentwicklung für unseren Rettungsdienst und damit für die Bevölkerung“, freute sich Landrat Dr. Kai Zwicker bei der Vorstellung des Systems am Freitag (15.01.2021) in Vreden.

Wichtig ist: Der Telenotarzt arbeitet ergänzend zum „realen“ Notarzt und ermöglicht den vor Ort im Rettungseinsatz tätigen Kräften eine unmittelbare, sichere und zuverlässige Konsultation mit einem in einer Telenotarzt-Zentrale befindlichen Notfallmediziner.

Der Kreis Borken schaltet sich dazu bei der Telenotarzt-Zentrale des auf digitalen Lösungen im Rettungsdienst spezialisierten Unternehmens „umlaut telehealthcare“ in Aachen auf. Die entsprechenden Verträge wurden im Herbst 2020 unterzeichnet.

24 Stunden an sieben Tagen

24 Stunden an sieben Tagen in der Woche steht damit ein Notfallmediziner in der Telenotarzt-Zentrale in Aachen zur Verfügung. Dieser wird im Notfalleinsatz online per Ton und Bild mit dem Rettungswagen und somit mit den Notfallsanitätern verbunden.

Zum Einsatz kommen dabei moderne Telekommunikationsmöglichkeiten, damit die ärztliche Unterstützung so schnell und effizient wie möglich zur Verfügung gestellt werden kann. Aufgrund stetig steigender Einsatzzahlen und eines in Zukunft absehbaren Mangels an Notärzten, vor allem in ländlichen Gegenden (aus diesem Grund musste der bisherige Notarztstandort am Krankenhaus in Vreden aufgegeben werden), bietet der Telenotarzt-Dienst folglich eine hocheffektive Ergänzung und Entlastungsoption in der notfallmedizinischen Versorgung. „Ein weiterer Vorteil ist, dass der Telenotarzt in der Zentrale gleichzeitig mehrere Fälle betreuen kann“, erläuterte Bernd Valentin von „umlaut healthcare“. Dessen Firma betreute auf diese Weise seit 2014 insgesamt bereits über 25.000 Rettungseinsätze.

Live-Übertragung

Die Live-Übertragung von Audiokommunikation, Vitalparametern in Echtzeit, Fotos und Videos von der Einsatzstelle gestatten es dem Telenotarzt, sich sofort ein exaktes Bild des Patienten zu machen. „Genutzt werden dafür alle verfügbaren in- und ausländischen Mobilfunknetze, die gebündelt zum Einsatz kommen“, betonte Kreisordnungsdezernentin Dr. Elisabeth Schwenzow.

Für den Standort Vreden bedeute dies, dass auch das niederländische Netz mitgenutzt wird. „Auf diese Weise kann der Telenotarzt die Einsatzkräfte durch medizinische Beratung, gemeinsame Findung einer Diagnose und durch die Delegation therapeutischer Maßnahmen unterstützen“, machte Hanjo Groetschel, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes des Kreises Borken, deutlich. Somit kann in bestimmten Situationen auf den Einsatz eines vor Ort tätigen Notarztes verzichtet bzw. der Zeitraum bis zu dessen Eintreffen vor Ort überbrückt werden.

Investitionskosten für den Kreis Borken

Die Investitionskosten für den Kreis Borken beliefen sich auf rund 20.000 Euro. Dazu kommen Ausbildungskosten der zuständigen Notfallsanitäter und die laufenden Kosten für den Vertrag mit der Firma „umlaut telehealthcare“. „Wir haben den Telenotarzt-Dienst als einer von wenigen Kreisen in NRW im Rettungsdienstbedarfsplan verankert und deshalb wird er von den Krankenkassen vollständig refinanziert“, erklärte Heribert Volmering, Leiter des zuständigen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung der Kreisverwaltung, dazu.

Der Rettungswagen Vreden ist bereits mit der entsprechenden Kommunikationstechnik ausgestattet und die Mitarbeiter der Rettungswache Vreden wurden Ende 2020 entsprechend geschult, ergänzten DRK-Rettungsdienst-Chef Jürgen Rave und Wachleiter Christoph Gottszky.

Sehr erfreut über den Start des Telenotarzt-Dienstes zeigte sich Vredens Bürgermeister Dr. Tom Tenostendarp. Angesichts des großflächigen Gebiets seiner Stadt – dazu gehören auch fünf Kirchdörfer – verbessere sich die Situation nun deutlich. Dafür sprach er allen Beteiligten Dank und Anerkennung aus.

Zweiter Rettungstransportwagen

Voraussichtlich wird noch im Frühjahr 2021 ein zweiter Rettungstransportwagen im Kreis Borken mit dem Telenotarztsystem ausgestattet. Dieser wird dann an der Rettungswache in Borken stationiert.

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