„Bevor man anfängt, müssen die finanziellen, materiellen und personellen Ressourcen geklärt werden. Erst dann bekommt man grünes Licht“, sagte Pastor Dr. Fabian Tilling in seiner Predigt.
Mit diesen Worten blickte er am Sonntag auf die Planungsphase des neuen Gemeinschaftshauses Martinus zurück. Mit einem feierlichen Gottesdienst und der offiziellen Eröffnung wurde das moderne Gebäude nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Pastor Dr. Fabian Tilling über Planung, Haltung und Dankbarkeit
In der voll besetzten St.-Martin-Kirche ging Tilling auf die Herausforderungen und den langen Weg bis zur Fertigstellung des Martinushauses ein. „Auch im Vorfeld unseres Bauprojekts wurde viel hin und her gerechnet, geplant, umgeplant und eingespart, bis wir schließlich ein genehmigungsfähiges Gebäude entwerfen konnten, das den vielfältigen Aufgaben und Anforderungen gerecht wird“, erklärte er.

Präzise Planung und unerwartete Verzögerungen
Weiter betonte Tilling, wie wichtig eine gründliche Vorbereitung gewesen sei. „Auch der Bauzeitenplan musste erstellt werden und es ist erstaunlich, dass wir heute tatsächlich, wie vor Monaten erhofft, die Einweihung feiern können“, sagte Tilling. Gleichzeitig räumte er ein, dass noch nicht alles vollständig abgeschlossen sei. „Wer Anlass zum Spott sucht, wird ihn sicher finden“, fügte er mit einem Lächeln hinzu. „Aber im Großen und Ganzen sind unsere Pläne und Ideen wirklich zu einem guten Ende gekommen.“

Realistische Selbsteinschätzung und Dankbarkeit
Tilling zog in seiner Predigt auch Parallelen zum Glauben. „Die Nachfolge Jesu soll kein kopfloses Abenteuer sein. Jesus hatte bestimmt Jünger im Blick, die mit großer Begeisterung gestartet sind und dann gemerkt haben, dass sie ihre persönlichen Ressourcen überschätzt hatten. Er fordert seine Jüngerinnen und Jünger heraus, aber er überfordert sie nicht. Er ermutigt sie vielmehr zu einer realistischen Selbsteinschätzung.“
Zum Abschluss schlug Tilling den Bogen zurück zum neuen Gebäude: „Vielleicht gibt es Projekte, für die es sich lohnt, an seine Grenzen zu gehen. Eines davon steht nun nebenan. Und ich freue mich darauf, dass wir demnächst nach der Messe mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse des Gemeinschaftshauses Martinus sitzen, uns umblicken und sagen können: Mein Gott, ist das schön geworden.“

Bürgermeister Martin Tesing würdigt das neue Martinushaus
In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Martin Tesing die besondere Bedeutung der Eröffnung des neuen Martinushauses für die Gemeinde Raesfeld: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, verehrte Gäste, für mich ist es eine große Freude und Ehre, heute an diesem besonderen Ort sprechen zu dürfen. Wir haben uns hier versammelt, um gemeinsam zu zeigen, dass ein solches Projekt nicht selbstverständlich ist. Die Einweihung unseres neuen Gemeinschaftshauses ist ein besonderer Moment für Raesfeld.“
Tesing blickte auf die Anfänge des Projekts zurück. „Die Geschichte dieses Hauses begann eigentlich mit einer ganz anderen Idee. Ursprünglich war ein neues Pfarrheim geplant, doch schnell wurde deutlich, dass die Gemeinde mehr braucht: einen offenen Ort, der Begegnung, Austausch und gemeinsames Handeln ermöglicht.“

Ein Ort der Gemeinschaft
Der Bürgermeister hob hervor, dass der Bau des Martinushauses ein Gemeinschaftswerk sei. „Dieses Haus ist ein Symbol für das Miteinander in unserer Gemeinde. Es zeigt, was möglich ist, wenn Kirchen, Kommune und Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiten. Wir haben über institutionelle Grenzen hinweg gedacht und gemeinsam eine Vision entwickelt, die nun Wirklichkeit geworden ist.“

Besonders bedankte sich Tesing bei allen, die das Projekt ermöglicht haben. „Mein Dank gilt dem Kirchenvorstand, dem Pfarrgemeinderat und den vielen engagierten Ehrenamtlichen. Sie haben unermüdlich daran gearbeitet, dieses Projekt vorzubereiten und umzusetzen. Sie haben Verantwortung übernommen und viel Energie und Herzblut investiert.“
Einladung an die Gemeinde
Tesing betonte, dass das Martinushaus ein lebendiger Treffpunkt für alle Generationen sein solle. „Dieses Haus soll kein Ort für wenige sein, sondern ein Ort für alle Menschen in unserer Gemeinde. Es soll ein Platz sein, an dem Ideen entstehen, Gespräche geführt, Gemeinschaft erlebt und Feste gefeiert werden.“

Der Bürgermeister schloss seine Ansprache mit einer Einladung: „Ich wünsche mir, dass dieses Haus ein Ort der Begegnung, der Kreativität, des Austauschs und des gemeinsamen Handelns wird. Es ist mehr als nur ein Gebäude. Es ist ein Zeichen für Vertrauen, Mut und Veränderung. Ich lade Sie alle ein, diesen Ort mit Leben zu füllen und gemeinsam Geschichte zu schreiben.“

Nachhaltig geplant und wirtschaftlich umgesetzt
Ein Schwerpunkt des Projekts lag auf einer nachhaltigen Bauweise. Durch den Einsatz von Geothermie und Photovoltaik wird eine moderne Energieversorgung gewährleistet. Die Verwendung von Klinkersteinen sorgt nicht nur für Langlebigkeit, sondern lässt das Gebäude auch optisch mit der benachbarten St.-Martin-Kirche harmonieren.

Georg Badurczyk, Vorsitzender des Kirchenvorstands, erklärte, dass die Planungen während der Coronapandemie vor besondere Herausforderungen gestellt wurden. „Nicht nur das“, sagte er. „Auch der im Februar 2022 beginnende Ukraine-Krieg hat unsere Bemühungen, mit dem Bau zu starten, zusätzlich verzögert.“
Insgesamt waren 28 Gewerke am Bau beteiligt, darunter fünf Unternehmen direkt aus Raesfeld.

Harmonische Integration ins Ortsbild
Der Entwurf für das neue Gebäude stammt vom Architekturbüro Hartig-Wömper aus Münster, das sich in einem Wettbewerb durchsetzen konnte. Ziel sei gewesen, ein Haus zu schaffen, das sich harmonisch in das städtebauliche Umfeld neben der St.-Martin-Kirche einfügt. „Der Entwurf reagiert sensibel auf die Rahmenbedingungen und schafft eine Architektur, die sich gut in die Umgebung einpasst“, so Ralf Wömper. Durch gezielte und sparsame Gestaltungselemente sei ein Gebäude entstanden, das sowohl funktional nutzbar als auch ästhetisch ansprechend sei.
Raum für Begegnungen und Gemeindeleben
Das neue Martinushaus ersetzt das alte Pfarrheim und bietet deutlich mehr Platz für Veranstaltungen. Neben einem großen Saal mit rund 200 Sitzplätzen verfügt das Gebäude über flexible Gruppenräume, Besprechungsbereiche, Büros und moderne technische Ausstattung. Bei der Einweihung wurde betont, dass das Haus ein lebendiger Ort für Austausch, Kreativität und gemeinschaftliches Handeln sein solle.

Nach dem symbolischen Durchschneiden des roten Bandes an der Kirchentür und der damit wieder freigegebenen Verbindung zum Gemeinschaftshaus konnten die Besucher die neuen Räumlichkeiten direkt vor Ort besichtigen. Auf der Terrasse des Gebäudes wurden sie von den Raesfelder Fanfaren mit festlichen Klängen empfangen.

Dieses Haus ist ein Symbol für das Miteinander in unserer Gemeinde. Es zeigt, was möglich ist, wenn Kirchen, Kommune und Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiten
Bürgermeister Martin Tesing






























