Das etwas andere Weihnachtsfest am Heiligabend

Raesfeld. Heiligabend. Eine Krippe ist aufgebaut. Still wandern die Figuren zum Christuskind. Um sie herum herrscht eine stille Nacht in einem sonst belebten Raum: Im Gemeinschaftsraum des Betreuten Wohnen und Ambulanten Wohnen der Caritas in Raesfeld sind nur vereinzelt Menschen zu sehen.

Ab und zu begegnen sich Nachbarn auf dem Flur, kommen kurz ins Gespräch, gehen weiter. Der Flur ist weihnachtlich geschmückt. Schließlich soll zumindest die weihnachtliche Kulisse erhalten bleiben.

Schwierig ist das Weihnachtsfest vor allem für Menschen, die keine Angehörigen haben und erst in diesem Jahr ins Betreute Wohnen umgezogen sind. Gemeinschaftsaktionen fielen aus. Sie konnten keine neuen Bekannten kennenlernen, keine Freundschaften schließen.

Sicherheit geht auch am Heiligabend vor

Wo sonst der Duft von Kaffee und frischem Kuchen die Luft erfüllte, riecht es nun nach Desinfektionsmittel in der eigenen Hand. Alles ist steril und sauber – und das ist zur Sicherheit aller gut so. Das Verständnis ist vorhanden – und das Team ist den Mietern und Angehörigen sehr dankbar.

Die Mieter der Alternativen Wohnformen in Raesfeld haben großes Verständnis für die Situation. Davon sind Lucia Deiters, pädagogische Fachkraft Betreutes Wohnen, und Margit Kasparek, pädagogische Fachkraft der Wohngemeinschaft, einig. „Was sich verändert hat, ist die Lebhaftigkeit“, erklärt Deiters.

Kreative Ideen für Überraschungen am Heiligabend

„Unsere Veranstaltungen sind entfallen“, meint sie weiter. Gar nicht so einfach für 37 Einzelhaushalte, die hier leben. „Nur weil es Weihnachten heißt, ist es kein anderer Tag als sonst“, betont sie. Viele Mieter haben schon von sich aus Kontakte reduziert. Sie bleiben größtenteils in ihrer Wohnung. Selbst über Weihnachten. „Manche sagen schon von sich aus: Bitte lasst mich zuhause.“

Zwei Stühle laden dazu ein, Platz zu nehmen und besinnliche Momente an der Krippe zu genießen. Lucia Deiters und Margit Kasparek (von links) machen es vor.
Foto: Marie-Therese Gewert

Angehörige überraschen ihre Liebsten anders als sonst. Mit kreativen Ideen: Päckchen und Briefe erreichen sie, wie sonst selten: „Immer wieder kommen Mieter auf mich zu und teilen mir ihre Freude mit. Sie sagen: Frau Deiters, Sie können sich gar nicht vorstellen wie schön das ist“, sagt sie. „Mit Kreativität und Distanz bleiben unsere Mieter gesund“.

Anschluss finden ohne direkten Kontakt

Selbst Neulinge, die sich noch nicht in der Gemeinschaft bekannt machen konnten, haben Anschluss gefunden: „Mieter schenken sich gegenseitig kleine Blumen mit ihren Namen und der Wohnungsnummer daran, um sich wenigstens so bekannt zu machen“, freut sich Lucia Deiters. „Manche hängen ihren Nachbarn kleine Aufmerksamkeiten an die Tür“. So bleibe keiner allein.

Einzelkontakte intensiviert

Sicher vermissen alle das Miteinander, das wöchentliche Kaffeetrinken im Gemeinschaftsraum, gemeinsame Aktionen. Um das wenigstens etwas zu kompensieren, setzt Lucia Deiters mehr auf Einzelkontakte und zeigt dabei viel Engagement.

Sie erzählt von einer Mieterin aus der Wohngemeinschaft, die durch das Alleinsein mit weit über 90 Jahren noch ein neues Hobby für sich entdeckt hat: die Malerei. Auch andere beschäftigen sich mehr mit Handarbeiten.

Etwas anders sieht das Leben in der selbstverantworteten Wohngemeinschaft an der Gartenstraße aus: „Die WG bleibt zusammen. Hier leben 12 Mieter wie in einer Familie. Sie können sich in ihrem eigenen Zimmer zurückziehen oder mit den anderen Mensch ärger dich nicht spielen“, freut sich Margit Kasparek.

Miteinander ist gewachsen

Sie spürt, wie das Miteinander bei allen, ob Mitarbeiter, Mieter oder Angehörige gewachsen und gestärkt wurde. Wie sich alle mehr auf den Nächsten besinnen. „Wir hoffen, dass die Lockerungen bald wieder möglichsind und irgendwann ein guter Status erreicht wird“, betont Kasparek.

So werden mittlerweile kleine Gesten bewusst wahrgenommen. Jetzt kommt die Lebenserfahrung der Mieter in der Gartenstraße bei der Caritas besonders zum Tragen. Sicher seien die Zeiten nicht einfach, aber viele erinnern sich noch an die Zeit nach dem Krieg, die auch voller Entbehrungen war. Im Vergleich dazu gehe es jetzt allen gut. Und am Ende bleibt nicht einmal der Gemeinschaftsraum des Betreuten Wohnen ganz verlassen.

Krippe für besinnliche Momente am Heiligabend

Hier hat eine Familie die Krippe aufgebaut, die den Besuchern und Mietern seit vielen Jahren Momente der Besinnlichkeit schenkt. Zwei Stühle stehen davor, auf denen jeder Platz nehmen darf. Sie stehen weit genug voneinander entfernt und doch nah genug beisammen, um im Gespräch zu bleiben.

Bei den Mietern zeigt sich die Wahrheit in einem Spruch: „Mit großer Herausforderung friedlich und ruhig im eigenen Herzen zu bleiben“ sei jetzt entscheidend. Und mit oder gerade durch diese andere Zeit gelingt das am Ende vielleicht sogar jedem von uns.

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