140360VKreis Borken (pd). Ein neues Angebot für historisch Interessierte präsentiert jetzt der Kreis Borken auf seinen Internetseiten: Über 150 Jahre alte preußische Kartenwerke aus dem Gebiet des heutigen Kreises Borken stehen nun im digitalen „Geodatenatlas“ der Kreisverwaltung unter www.kreis-borken.de/geodatenatlas zur Verfügung. Sie finden sich dort unter der Rubrik „Historische Karten“. Die Verhältnisse des Westmünsterlandes lassen sich dabei anhand der Karten der Preußischen Uraufnahme von 1836-1850 und der Neuaufnahme von 1891-1912 erkunden. Zudem schafft der „Geodatenatlas“ mit seinen multimedialen Funktionalitäten den Sprung von der Vergangenheit in die Gegenwart: „Der Nutzer kann zwischen beiden Kartenwerken und der aktuellen Basiskarte wechseln“, erläutert Thomas Westhoff vom Fachbereich Geoinformation und Liegenschaftskataster der Kreisverwaltung.

Mithilfe der Überblendtechnik sei gleichsam eine „Zeitreise“ möglich, bei der über die Jahrzehnte in der Landschaft entstandenen Veränderungen optisch direkt gegenüberstellt werden. Thomas Westhoff: „Es besteht sogar die Möglichkeit, eine aktuelle Adresse einzugeben und sich diese auch in den historischen Karten anzeigen zu lassen.“ So könne beispielsweise der Standort des heutigen Borkener Kreishauses direkt in Urkarte übertragen werden.

Die ursprünglich für militärische Zwecke erstellten Karten der Preußischen Uraufnahme zeigen das Gebiet des heutigen Kreises Borken vor der Industrialisierung – eine Zeit, als Gronau nicht an Niedersachen, sondern an das Königreich Hannover angrenzte und die industrielle Revolution noch in den Kinderschuhen steckte. Zu dieser Zeit erkannte schon Otto von Bismarck: „Man muss die Geschichte kennen, um die Gegenwart zu verstehen.“ Die Uraufnahmen liefern interessante Informationen über das Erscheinungsbild unserer Heimat, noch bevor die Landschaft nachhaltig verändert wurde. Erstellt wurden die sogenannten „Messtischblätter“ im Maßstab 1:25.000 von jungen Offizieren, die bis zu drei Jahre dafür abkommandiert wurden. Unter ihnen befanden sich bekannte Namen wie von Moltke, von Clausewitz, von Schlieffen oder von Witzleben. Im Sommerhalbjahr wurde gemessen und skizziert, während im Winterhalbjahr die Ergebnisse mit großer Präzision „ins Reine“ gezeichnet und mit farbiger Tusche koloriert werden mussten. Die Karten unterlagen damals wegen ihrer großen militärischen Bedeutung einer strikten Geheimhaltung.

Der Karteninhalt ist laut Thomas Westhoff weitgehend selbsterklärend. Dargestellt wurden die Landschafts-und Siedlungsstrukturen der damaligen Zeit. Neben Wegen, Gewässern und der Topographie ist nahezu jedes Gehöft und Gebäude abgebildet.

Die Karten eignen sich auch als Geschenk und sind als Druck zum Preis von 15 € beim Fachbereich Geoinformation und Liegenschaftskataster erhältlich.

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