Der Hahn ist weg! Aber wo ist er abgeblieben?

Donnerwetter! Da steht ein schöner Wetterhahn jahrelang auf der Turmspitze  der St. Martin Kirche und hat regelmäßigen Blickkontakt mit seinem Kollegen auf der St. Silvesterkirche. Und plötzlich ist er ausgeflogen. Und ausgerechnet auch noch dann, wo sein Zuhause so schön restauriert wurde. Jetzt stellt sich jeder Raesfelder und Erler die Frage, wo ist das eiserne Federvieh abgeblieben? Vermutet, oder auch gemunkelt wird, Erler Lokalpatrioten hätten ihn entwendet. Dies kann ich mir nicht vorstellen, denn wer ist schon so bescheuert und klettert in einer Nacht- und Nebelaktion auf einen Kirchturm und klaut den Hahn? Außerdem sind die Erler sehr tierlieb und nehmen ihrem Hahn doch nicht einfach den vertrauten Kollegen und Gesprächspartner weg, so dass der Erler Hahn jetzt einsam und alleinsam die Nächte auf seiner Turmspitze verbringen muss. Was ich mir eher vorstellen kann  ist, dass ein Gartenlauben-Koloniebesitzer für seinen Schrebergarten einen neuen Wetterboten brauchte und das nun das arme Tier neben bunten Wimpeln, Gartenzwergen und sorgsam angelegten Gemüsereihen sein Dasein fristen muss. Das wäre ein echtes Dilemma  für das Tier, wo er doch vorher einen freien Blick über das schöne Münsterland hatte, nicht so weiter sein Kollege aus Erle, aber immerhin.
Hinzu kommt, dass jetzt im Sommer dem armen Tier fast täglich Duftstoffe von gegrilltem Fleisch und was noch schlimmer ist, von Hähnchenschenkel in die empfindliche Nase steigen wird.
Jetzt können wir nur hoffen, dass sein Kollege die Hilferufe hört und den Bestimmungsort ausmachen kann. Hoch genug sitzt er ja, der Erler Hahn von St. Silvester. Und das sollte auch ein kleiner Trost vorerst für die Raesfelder sein!  Die Erler haben bestimmt nichts dagegen, wenn die Raesfelder  ab und an verträumte Blicke Richtung Erler Kirchturm werfen, so lange noch  ihr Hahn verschwunden ist.

Foto: Reinhard G. Nießing

3 Kommentare

  1. Lieber Peter, der Hahn kehrt aber nur dann zurück, wenn die Aschewolken im Himmel verzogen sind und der Flugverkehr wieder aufgenommen werden kann. Und das kann dauern!

  2. Also was den Hahn auf der Kirchturmspitze angeht, hätte ich als Ruhrgebietler, der das Borkener Land und dessen Umgebung und dessen Menschen lieben gelernt hat, noch eine Vorstellung: So bei Wind und Wetter, an exponierter Stelle sitzen, vor allem nach so einem langen Winter, das ruft nach Urlaub, Meer und Sonne. Vielleicht ist der namenlose Hahn zu den Kanaren ausgeflogen und schäkert jetzt, nach so langer Karenz mit den linkslaufenden gomerianischen Hanghühnern, liegt am Strand und sitzt Probe auf einer kleinen Kapelle mit Meeresblick. Irgendetwas gibt mir jedoch die Gewissheit, dass er wiederkehren wird.

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