Ein Blick zurück – in eine Zeit, die war

Im aktuellen Heimatkalender 2016 wird unser Dorf in den Fokus genommen und auf sehr anschauliche Weise gezeigt, wie es damals einmal war. Urheber der historischen Fotoaufnahmen ist – wieder einmal – der Raesfelder Fotograf Ignaz Böckenhoff (1911-1994), der ein Leben lang als „stiller Chronist im Hintergrund“ sein Heimatdorf sowie Land und Leute portraitiert hat.

Zeit seines Lebens war Böckenhoff weiß Gott nicht überall im Dorf so anerkannt, wie es heute der Fall zu sein scheint. Einige nannten ihn einen „frommen Sektierer“, andere sagten ihm nach, dass er ja eigentlich nicht arbeiten ging, sondern „nur Fotos machte“. Eine Äußerung ist mir in Erinnerung geblieben, weil sie bewusst als Geringschätzung gemeint war, dass ich mich damit nachhaltig beschäftigen musste:
„Wenn wir frühmorgens an der Bushaltestelle standen und nach Marl-Hüls fuhren, um zu arbeiten, hat sich Ignaz Böckenhoff auf sein Fahrrad gesetzt und ist in den Tiergarten gefahren, um dort den Eisvogel zu fotografieren.“

Ignaz Böckenhoff in Aktion ©1989 RGN-Foto (441x640)

Heute zeigt sich eindrucksvoll und auf vielfältige Weise, was wir Böckenhoff zu verdanken haben. Sein großartiges Lebenswerk in Form eines umfangreichen Fotoarchivs, das sich übrigens in guter Obhut befindet, wird heute einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und in vielfältiger Weise genutzt, wie z. B. seit vielen Jahren für den Heimatkalender der Chorgemeinschaft Raesfeld.

Leinenweberstraße gestern

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat in seinem elektronischen Bildarchiv ca. 1.400 Fotografien von Böckenhoff aufgenommen und präsentiert diese als „Nutznießer“ in beeindruckender Weise und für unterschiedliche Verwendungs- zwecke, inklusiv „Entgeltordnung und Nutzungsbedingungen“. Veröffentlichungs- und Nutzungshonorare, über die Böckenhoff zu Lebzeiten bestimmt gestaunt hätte.

Leinenweberstraße heute Foto: Reinhard G. Nießing

Dass seine Fotografien im Nachhinein so sehr geschätzt und auch kommerziell genutzt werden (sei es entgeltlich oder honorarfrei), dass sein Lebenswerk als Vermächtnis für die Nachwelt anerkannt wird, sich spätere Generationen daran erfreuen und sich mit seinen Fotografien schmücken, dass dank sorgfältiger
und zeitintensiver Aufarbeitung seines Archiv-Fundus durch Idealisten innerhalb des Raesfelder Heimatvereins die Früchte seiner Arbeit in zunehmendem Maße auch vor Ort gewürdigt werden: Darüber hätte sich Ignaz Böckenhoff – den ich als Nachbarn, väterlichen Freund und bescheidenen Kollegen erlebt habe – ganz gewiss gefreut.

Reinhard G. Nießing
Fotograf

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