Offener Brief an alle Bürgerinnen und Bürger: Verantwortung übernimmt, wer Abstand hält!

Liebe Raesfelder, Erler, Homeraner,

heute ist der 19. März 2020. Seit einer Woche gibt es hier im Rathaus einen Krisenstab. Es wird immer deutlicher: Die Lage spitzt sich zu! Täglich! Merklich!

Krisenstab Gemeinde Raesfeld Coronakrise
Abstand halten! Übernehmt Verantwortung! Krisenstab der Gemeinde appeliert an alle Bürger. Fotov. l.: Bürgermeister Andreas Grotendorst, Michael Melis und Markus Büsken

Ich wende mich deshalb mit einer sehr eindringlichen Botschaft an Euch. Denn leider haben wir hier im Krisenstab den Eindruck, dass noch längst nicht bei ALLEN angekommen ist, dass es sich nicht um eine Grippewelle handelt.

Nein, es handelt sich um eine sehr ernst zu nehmende Krankheit. Diese kann schon in wenigen Tagen unser ganzes Gesundheits-/ Wirtschaftssystem und gesellschaftliches Leben gefährden oder noch schlimmer: lahmlegen.

Spielplätze und Pättkestour

Und das ist keine Übertreibung oder Panikmache. Gestern sah man noch Kinder im Dorf auf Spielplätzen, Jugendliche auf dem Kunstrasenplatz oder Menschen, die ihre wöchentliche Pättkestour veranstalteten.

Deshalb meine dringende Bitte an Euch: Verzichtet auf soziale Kontakte und wenn nötig haltet einen Mindestabstand zu anderen Menschen von 2 Metern ein!

Warum?
Ein Rechenbeispiel für Raesfeld zeigt, was passieren kann, wenn wir unsere täglichen Gewohnheiten nicht drastisch einschränken:

In Raesfeld haben wir 20 Corona-Fälle (Stand: 19.03.2020, 15:00 Uhr).

  • Ohne Quarantäne,
  • ohne Schutzmaßnahmen
  • und ohne soziale Isolation

würde es ein exponentielles, sprunghaftes Wachstum geben: Bei der folgenden Berechnung gehen wir einmal von einer Verdopplungsrate von drei Tagen aus, d.h. innerhalb von drei Tagen verdoppelt sich die Zahl der erkrankten Menschen. Die Verdopplungsrate gibt also an, wie schnell sich die Pandemie ausbreitet. Aufgrund der Neuheit des Virus ist diese nicht wirklich bekannt – sie kann höher sein, sie kann aber auch geringer sein*).

Für Raesfeld ergibt sich danach folgende Hochrechnung:

Tag 1: 20 Fälle
Tag 3: 40 Fälle
Tag 6: 80 Fälle
Tag 9: 160 Fälle
Tag 12: 320 Fälle
Tag 15: 640 Fälle
Tag 18: 1.280 Fälle
Tag 21: 2.560 Fälle
Tag 24: 5.120 Fälle
Tag 27: 10.240 Fälle

*) Bei der Berechnung sollten wir berücksichtigen: Derzeit liegt in Deutschland die Verdopplungsrate, Stand 18.03.2020, 17:30 Uhr, sogar bei dem Faktor 2,6!

Dunkelziffer von Erkrankten

Und es wird eine Dunkelziffer von Erkrankten geben, die den Erreger in sich tragen und dies gar nicht wissen oder krank und nicht getestet sind.

Aktuell hat Raesfeld rd. 11.300 Einwohner: Nach den bisherigen Erkenntnissen werden sich etwa 60-70 Prozent der Bevölkerung anstecken. Davon werden etwa 20 Prozent der Infizierten eine stationäre Behandlung benötigen, rd. 5 Prozent eine Behandlung auf einer Intensivstation eines Krankenhauses.

Daraus ergibt sich für Raesfeld folgende Hochrechnung:

  1. über 7.000 Mitbürgerinnen und Mitbürger werden sich infizieren
  2. davon müssten 1.400 Mitbürgerinnen und Mitbürger in ein Krankenhaus
  3. davon kämen über 70 Mitbürgerinnen und Mitbürger auf eine Intensivstation eines Krankenhauses.

Wirtschafts- und Gesundheitssystem

Wir wissen alle, dass die vorhandenen Krankenhauskapazitäten dafür in keiner Weise ausreichen! Ohne Schutzmaßnahmen würde unser Wirtschafts- und Gesundheitssystem also nach in kürzester Zeit kollabieren. Das Virus könnte sich dann völlig unkontrolliert ausbreiten.

Bei den beiden Beispielrechnungen handelt es sich um Modellrechnungen, wie es kommen könnte.

Danke für vorausschauendes Handeln

Dass sich vorausschauendes Handeln positiv auswirkt und eine echte Chance für uns alle ist, können wir derzeit in Raesfeld belegen. Dem besonnenen Verhalten der Urlaubsrückkehrer haben wir es zu verdanken, dass die Fallzahlen hier seit fünf Tagen nicht angestiegen sind.

Dafür danke ich allen nochmal ausdrücklich. Wären diese unkontrolliert in ihr soziales Umfeld zurückgekehrt, hätten wir bei weitem mehr als 20 Infektionsfälle und damit ein deutlich erhöhtes Risiko der Verbreitung.

Darum ist es jetzt wichtig, die sprunghafte Ausbreitung zu verlangsamen – für eine weiterhin gute medizinische Versorgung.

Eindringlicher Appell

Deshalb bitte ich Euch und fordere Euch alle eindringlich auf: Haltet unbedingt den Mindestabstand von zwei Metern ein. Informiert Euch regelmäßig auf unserer Internetseite www.raesfeld.de und haltet Euch an die Anweisungen … auch bei schönem Wetter.

Es kommt dabei auf jeden einzelnen von Euch an: Bevor Ihr das nun in den sozialen Medien kommentiert:

  1. Überlegt bitte jeder für sich selbst, was er dafür tun kann, damit sich das Virus nicht so schnell ausbreitet.
  2. Teilt den Beitrag, damit möglichst viele das Wissen für die Einschränkung der sozialen Kontakte bekommen.

Macht es für Euch und Euer soziales Gewissen und aus Solidarität zu Euren Mitmenschen:  Übernehmt Verantwortung!

Ich danke ganz herzlichen allen, die uns in dieser Krise unterstützen, besonders den Menschen im medizinischen Bereich und in der Pflege, in der Lebensmittelversorgung, in Lebensmitteleinzelhandel und –verarbeitung, in der Landwirtschaft, in den zahlreichen Krisenstäben, in den Medien, …einfach bei allen, die nun Verantwortung übernehmen, sich freiwillig engagieren, …und so auch Dr. med. Sarah Gößling für die fachliche Unterstützung bei diesem Brief!

Mit den besten Wünschen vom gesamten Krisenstab aus dem Rathaus, bleibt gesund!

Euer
Andreas Grotendorst
Bürgermeister

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2 KOMMENTARE

  1. Entscheider treffen, wie der Name schon sagt, Entscheidungen.
    Das ist Angesichts dieser Lage notwendig und es ist gut für Deutschland und Raesfeld, dass wir keine „Schaumschläger“ als Entscheider haben.
    Wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat und mit unqualifizierte Äußerungen versucht, unsern sozialen Frieden, unser Miteinander und unsere Gesundheit aufs Spiel zu setzen, dem ist nicht mehr zu helfen.
    Wo polemische Sprüche und öffentliches anprangern von Personen hinführt, sehen wir in England und in den USA. Wir brauchen keine Egoisten!
    Raesfeld und Deutschland halten hoffentlich zusammen. Nur gemeinschaftlich sind wir jetzt stark.

  2. Wie soll das in Zukunft funktionieren ? Irgendwo bricht eine Seuche aus, und wir haben dann immer Stubenarrest? Fragen Sie sich selbst das einmal. Krank sind genau diese Reaktionen. Sollen wir das jetzt 4 mal im Jahr umsetzen ? Denken Sie nach, das geht nicht, diese Panik ist dumm und sinnlos. Es wird auch nicht jeder daran sterben, und ich bin selbst risikobelastet.Hören sie mit dieser Panikmache auf, nur weil eine alte Frau die Realität nicht mehr sieht, und ein Herr Spahn gerade versucht sich einen Orden zu verdienen. Das ist nicht die erste und nicht die letzte Grippewelle, Deutschland lässt sich nicht einsperren, versprochen

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