Bäuerliche Solidarität zieht Kreise – Landwirte grubbern für den Frieden

Bäuerliche Solidarität – Weithin sichtbare Zeichen für den Frieden setzen in diesen Tagen Bauernfamilien im gesamten Kreis Borken

Auf mittlerweile mindestens 20 Feldern im Westmünsterland haben Landwirtinnen und Landwirte riesige Peace-Zeichen in Ackerflächen gegrubbert, die derzeit vor der Frühjahrsbestellung noch mit Zwischenfrüchten bedeckt sind.

Kreis Borken (pd). Initiator der Aktion ist Thomas Föing aus Borken-Grütlohn: „Wir Landwirte sind jetzt weniger die Menschen, die in Großstädten auf Friedensdemos gehen. Aber uns beschäftigt die Lage in der Ukraine sehr und über diese Aktion wollen wir unsere Verbundenheit zum Ausdruck bringen.“

Solidarität-Bauern-Ukraine
Peace-Zeichen- Sichtbares Zeichen für den Frieden.

Der ausschließlich über soziale Medien mit den Hashtags #peacefarming und #grubbernfürdenfrieden verbreitete Aufruf hat ein großes Echo nach sich gezogen. Unter anderem die zahlreichen Medienanfragen und persönlichen Rückmeldungen bei ihm in den letzten Tagen zeigen dem WLV Kreisvorstandsmitglied, dass dieses Signal viele Menschen berührt hat. Für die kommende Ackerbausaison gebe es schon Ideen für weitere sichtbare Friedenszeichen.

WLV startet Aufruf

Angesichts des Leids der Menschen, die ihre Heimat plötzlich verlassen müssen, hat der WLV auf Landesverbandsebene vor einer Woche einen Aufruf an seine Mitglieder gestartet, freien Wohnraum auf den Höfen zu melden. Allein aus dem Kreis Borken haben sich hierüber 20 Bauernfamilien bereit erklärt. Viele weitere haben freie Betten direkt an die Kommunen gemeldet, so wie Rainer Overkämping. Beim Gemüsebauern aus Rhede kommt an diesem Wochenende die erste vierköpfige Flüchtlingsfamilie an: „Wir können die Flüchtlinge derzeit unkompliziert aufnehmen, weil unsere Saisonarbeitskräfte aktuell noch nicht bei uns sind. Die Flüchtlinge wohnen jetzt erst mal bei uns auf dem Hof und alles weitere wird sich zeigen.“
Ähnliches hört Markus Weiß von vielen Berufskollegen: „Viele wollen unkompliziert helfen und damit auch ein Stück weit aus dem Gefühl der eigenen Hilflosigkeit herauskommen im Angesicht eines Angriffskrieges in Europa.“

Zum Thema „Versorgungssicherheit in Kriegszeiten“

Nachdenklich macht den WLV-Kreisverbandsvorsitzenden, Markus Weiß, angesichts der Krisensituation auch das Thema Versorgungssicherheit. Die Ukraine und Russland gehören international zu den wichtigsten Exportländern für Getreide und Ölsaaten. Durch die zu erwartenden Engpässe bei der Rohstoff- und Energieversorgung werde Mineraldünger aktuell noch knapper als ohnehin schon: „Angesichts dieser Situation müssen wir mit unseren Agrarpolitikern noch einmal darüber sprechen, ob die EU in Kriegszeiten noch die ab 2023 geplanten Stilllegungen von vier Prozent der Ackerflächen weiter verantworten kann. Als Bauer kann ich angesichts von Hungersnöten in der Welt schwer damit leben, fruchtbaren Acker liegen zu lassen.“

Dies will der Landwirt aus Borken nicht als Abkehr von seiner Verantwortung für Biodiversität und Wasserschutz verstanden wissen: „Aus unserer Sicht als Verband müssen wir weiterhin ideologiefrei an Lösungen arbeiten, wie wir bestmögliche Produktivität und umweltbewusste, nachhaltige Landnutzung in Einklang bringen.“

Zum Thema: Wohnraum für Flüchtlinge

Bauernfamilien, die bereit sind, auf Ihren Höfen zeitweise Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, können dies weiterhin unkompliziert anmelden unter: www.wlv.de/ukraine-hilfe

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