Wirtschaftskrise traf den Arbeitsmarkt weniger heftig als erwartet

Landrat Dr. Kai Zwicker legt Ergebnisse des „Service-Punkt ARBEIT“ für das Jahr 2009 vor

Kreis  Borken (pd). Die Wirtschaftskrise hat sich im vergangenen Jahr auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Borken nicht so deutlich bemerkbar gemacht, wie zunächst befürchtet. Diese Bilanz zieht der „Service-Punkt ARBEIT für den Kreis Borken“.

Zwar sei die Zahl der Menschen im Kreis Borken, die auf Hilfeleistungen nach dem SGB II angewiesen sind, nach jahrelang rückläufigen Zahlen wieder deutlich angestiegen, erklärt Landrat Dr. Kai Zwicker. „Allerdings sind die größten Befürchtungen nicht eingetreten. Es hätte deutlich schlimmer kommen können.“
Im vergangenen Dezember betrug die Quote der Langzeitarbeitslosen im Kreis Borken drei Prozent, das ist einer der niedrigsten Werte in ganz Nordrhein-Westfalen. Nur in vier Kreisen ist dieser Wert noch niedriger. Die betroffenen Männer und Frauen beziehen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II und werden vom Kreis Borken betreut. Ende 2009 erhielten 19.734 Personen in 9.165 sogenannten Bedarfsgemeinschaften Hilfeleistungen nach dem SGB II. Ende 2008 waren es noch 18.217 Personen in 8.550 Bedarfsgemeinschaften. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist damit binnen Jahresfrist um rund 7 Prozent gestiegen. Aktuell sind im Kreis Borken rund 5 Prozent der Bevölkerung unmittelbar von Hartz IV betroffen. Landesweit liegt die Quote bei 9 Prozent, in ganz Deutschland durchschnittlich bei 8 Prozent. [spoiler] „Der finanzielle Aufwand für die Hilfeleistungen nach dem SGB II ist gewaltig“, so Jürgen Ahlte, Leiter der Abteilung „Zentrale Steuerung“ beim „Service-Punkt ARBEIT für den Kreis Borken“. 2009 gab der Kreis Borken insgesamt über 100 Mio. Euro für diese Aufgabe aus. Die größten Posten stellen dabei die Ausgaben für das Arbeitslosengeld II und die Sozialversicherung der Betroffenen mit 56,9 Mio. Euro sowie die Kosten der Unterkunft und der „Einmaligen Leistungen“, dazu gehören zum Beispiel Möbel, mit 34,5 Mio. Euro. Für die berufliche Eingliederung wurden 11,7 Mio. Euro sowie für soziale Eingliederungsleistungen, wie die Schuldnerberatung, Sucht- und Drogenberatung, Kinderbetreuung sowie psychosoziale Betreuung, insgesamt 0,8 Mio. Euro eingesetzt.
Die steigenden Fallzahlen sind eine Herausforderung für die Betreuung der Hilfeempfänger in den Service-Punkten ARBEIT vor Ort bei den kreisangehörigen Städten und Gemeinden. Um die hohe Qualität der Betreuung dennoch weiter aufrecht zu halten, haben die Partner bereits im Herbst 2009 reagiert und 15 zusätzliche Stellen für die Betreuung der Hilfeempfänger in den Städten und Gemeinden eingerichtet. „Die Vermittlung in Arbeit bleibt zwar weiter das oberste Ziel, ist allerdings aufgrund immer weniger freier Stellen auf dem Arbeitsmarkt zunehmend schwieriger“, erklärt Ahlte. „Es gilt deshalb auch andere Strategien der Qualifizierung und Beschäftigung zu entwickeln.“
Im vergangenen Jahr haben im Kreis Borken rund 7.600 Langzeitarbeitslose an über 100 verschiedenen Maßnahmen und Projekten teilgenommen. „Die Beraterinnen und Berater versuchen dabei stets, den Klientinnen und Klienten passgenaue Angebote zu machen“, betont Susanne Lökes, Leiterin der Abteilung der Eingliederung im „Service-Punkt ARBEIT für den Kreis Borken“. So besuchten mehr als 1.000 junge Erwachsene spezielle Seminare für Jugendliche unter 25 Jahren und rund 650 Personen absolvierten Fortbildungen und Umschulungen im Rahmen der beruflichen Weiterbildung. „Für viele Menschen sind inbesondere Angebote mit Beschäftigungsanteilen eine gute Möglichkeit, sich auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten“, so Lökes. Deshalb förderte der „Service-Punkt ARBEIT“ im vergangenen Jahr Beschäftigungsmaßnahmen für 2.300 Personen.
Oberstes Ziel ist stets die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt. Im vergangenen Jahr gelang das in 3200 Fällen. Bei knapp 70 Prozent handelte es sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Bei über 40 Prozent der Integrationen ging es um einen Arbeitsplatz mit mehr als 30 Wochenstunden. Gegenüber den Vorjahren hat sich der Anteil der Frauen an den Integrationen mit nunmehr 45 Prozent kontinuierlich gesteigert. Dies ist unter anderem auf den höheren Männeranteil in den durch die Wirtschaftskrise besonders betroffenen Branchen zurück zu führen. Nach wie vor sind Frauen aber häufiger als Männer durch Elternzeit bzw. Kinderbetreuung gebunden, sodass eine Arbeitsaufnahme nicht möglich ist.
Landrat Dr. Kai Zwicker erwartet für 2010 das schwierigste Jahr seit der Übernahme der Betreuung von Langzeitarbeitslosen durch den Kreis Borken im Jahr 2005. Dennoch zeige sich auch in der aktuellen Situation, dass es richtig gewesen sei, als eine von bundesweit 69 Optionskommunen an den Start zu gehen. „Dass der Kreis damals diesen Schritt getan hat, ist sicherlich ein wesentlicher Grund dafür, dass wir trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage vergleichsweise gut dastehen“, so Dr. Zwicker. „Die Betreuung der Langzeitarbeitslosen durch die Kommunen ist ein Erfolgsmodell.“ Die Betroffenen erhielten bei den Städten und Gemeinden alle Leistungen aus einer Hand. „Wir kennen den regionalen Arbeitsmarkt und können auf Entwicklungen schnell und flexibel reagieren“, so Zwicker. Er fordert deshalb, dass der Bund neben den bestehenden 69 Optionskommunen weiteren Kreisen und kreisfreien Städten die Möglichkeit einräumen sollte, die Betreuung der Langzeitarbeitslosen dauerhaft in Eigenregie zu übernehmen.

Weitere Daten, auch für die Städte und Gemeinden des Kreises, wird der „Service-Punkt ARBEIT“ im Frühjahr 2010 im Rahmen des Jahresberichtes 2009 veröffentlichen. [/spoiler]

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