Weiterer Mäusebussard vergiftet

Kreis bittet Bürgerinnen und Bürger, wachsam zu sein

Velen (pd). Ein toter Mäusebussard, der im März zwischen Ramsdorf und Velen gefunden worden ist, wurde vergiftet. Das ist das erste Ergebnis einer Untersuchung, die der Kreis Borken beim Chemischen Landes- und Staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes Münster in Auftrag gegeben hatte. Der Vogel starb an dem Pflanzenschutzmittel Mevinphos, das in der Europäischen Union seit 2007 verboten ist. Der Fachbereich Natur und Umwelt des Kreises hat die Befunde an die Polizei weitergeleitet, die nun wegen Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, das Jagdgesetz und das Tierschutzgesetz ermittelt.
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Insgesamt drei tote Mäusebussarde waren im März in einem Feldgehölz bzw. an einem Waldrand zwischen Ramsdorf und Velen gefunden worden. Zwei der Tiere, die erst wenige Tage tot waren, wurden zur Klärung der Todesursache nach Münster gegeben. Die Untersuchungen des anderen Mäusebussards laufen noch. Die Vermutung einer vorsätzlichen Vergiftung des untersuchten Bussards wird dadurch bekräftigt, dass der unmittelbar neben ihm ausgelegte Giftköder, ein weißes Stubenküken, mit 971 Milligramm Mevinphos pro Kilogramm regelrecht „vollgepumpt“ worden war. „Bei Greifvögeln führt schon eine Dosis von unter 20 Milligramm zum Tode“, erklärt Peter Pavlovi? aus dem Fachbereich Natur und Umwelt des Kreises. Weiße Federn des Stubenkükens fanden sich beim Bussard sowohl in der Schnabelhöhle wie auch in der Speiseröhre. Mit Mevinphos präparierte Ködertiere sind nicht nur für Greifvögel extrem gefährlich; die Substanz ist ein für alle Säugetiere und Vögel sehr gefährliches Nervengift.
Die Ködertiere lagen in unmittelbarer Nähe einer Kofferfalle, die allerdings nicht aktiviert war. Gefunden wurden in dem Bereich außerdem zwei Drahtkäfige mit lebenden Lockkrähen in viel zu kleinen Kammern. Solche Fallen werden zum Fang von Rabenkrähen eingesetzt. Allerdings sind sowohl der Fang mit lebenden Lockvögeln wie auch die vorgefundenen Drahtkäfige verboten. Die Rabenkrähen befinden sich seit dem 20. Februar in der Schonzeit und brüten zum Teil schon. Deshalb stellt neben der Art der Jagd auch der Zeitpunkt generell ein Vergehen gegen Tierschutz- und Jagdgesetze dar.
Der Kreis Borken bittet die Bürgerinnen und Bürger, wachsam zu sein und tote Greifvögel beim Kreis oder direkt bei der Polizei zu melden. „Wer einen toten Vogel findet, sollte ihn aber auf keinen Fall mit ungeschützten Händen anfassen“, warnt Peter Pavlovi?. „Gefährliche Kontaktgifte an ihnen können je nach Dosis zu unabsehbaren Gesundheitsschäden führen.“

Der Kreis wie auch andere Naturschutzbehörden landesweit haben in jüngster Vergangenheit eine ganze Reihe von Fällen registriert, in denen Greifvögeln nachgestellt wurde. So wurden im März südlich von Heek an unterschiedlichen Stellen zwei mit Locktauben bestückte so genannte Nordische Krähenfänge gefunden. Diesmal standen sie einigermaßen gut getarnt auf den Grundstücken von Taubenzüchtern. Mit solchen Fallen werden üblicherweise ebenfalls Greifvögel, zumeist Habichte, gefangen. Auch in diesen Fällen hat der Kreis Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft erstattet.
Foto: Heinz Nienhaus
http://www.nienhaus-naturfoto.de
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