Ausverkauftes Haus, hochsommerliche Temperaturen und ein Helge Schneider, der schon nach wenigen Minuten das Wasserschloss und den Schlossteich in sein Programm einbaute: Der Donnerstagabend bei der Musiklandschaft Westfalen gehörte dem Musiker, Komiker und Multiinstrumentalisten. Mit „Ellebogen vom Tich!“ brachte er Jazz, Improvisation, bekannte Klassiker und neue Stücke vor die historische Kulisse von Schloss Raesfeld.

Erst Raesfeld gelobt, dann das Schloss begutachtet
Zu Beginn widmete sich Schneider erst einmal seinem Auftrittsort. Er lobte die nach seinen Worten schuldenfreie Gemeinde Raesfeld und die Kulisse des Wasserschlosses. Lange blieb es allerdings nicht bei der anerkennenden Betrachtung.
Der Blick auf die grüne Beleuchtung des Schlosses lieferte ihm die nächste Vorlage: „Da vorne grün angestrahlt – oder ist das Schimmel? Sehr schön auch der Teich hier drum. Aber dadurch, dass es so warm war und so, sind die Seerosen etwas aufgequollen. Aber ich hab schon Fische darunter gesehen. Ein herrlicher Fischbestand hier: Seelachs, hier Rollmops, alles da.“
Spätestens beim Rollmops im Schlossteich war das Publikum angekommen in der Welt von Helge Schneider.

Fanclubs reisen zum Schloss Raesfeld
Für das Konzert waren nicht nur Besucher aus Raesfeld und der näheren Umgebung gekommen. Auch ganze Fanclubs hatten sich auf den Weg zur Musiklandschaft Westfalen gemacht.
Die Stimmung zeigte sich entsprechend ausgelassen. Eine Besucherin fasste ihre Reaktion auf Schneiders Auftritt so zusammen: „Ich hab ständig Pipi vor Lachen in den Augen.“
Schneider brauchte dafür keine langen vorbereiteten Pointen. Beobachtungen, einzelne Wörter und spontane Einfälle reichten ihm häufig, um daraus neue Geschichten zu entwickeln.

„Katzenklo“ darf natürlich nicht fehlen
Musikalisch griff Schneider tief in sein Repertoire. Einer seiner bekanntesten Titel durfte dabei nicht fehlen: „Katzenklo“ sorgte bereits früh für Wiedererkennung im Publikum.
Daneben präsentierte Schneider Stücke aus seinem neueren Repertoire und ältere Titel. Auch „She’s Gone“ gehörte zum Programm. Immer wieder unterbrach er musikalische Passagen mit gesprochenen Einfällen, improvisierte und wechselte scheinbar mühelos zwischen Musik und Wortwitz.

Gerade dieses Zusammenspiel prägte den Abend. Ein Lied blieb nicht zwangsläufig einfach ein Lied. Schneider kommentierte, erzählte, setzte neu an oder entwickelte aus einer Situation auf der Bühne die nächste Idee.
Hinter dem schrägen Humor steckt viel Jazz
Wer Helge Schneider vor allem mit „Katzenklo“, „Telefonmann“ oder der „Wurstfachverkäuferin“ verbindet, bekommt bei seinen Konzerten nur einen Teil des Künstlers zu sehen. Schneider ist Pianist, Jazzmusiker und Multiinstrumentalist.
Auf der Bühne wechselte er zwischen seinen musikalischen und komischen Rollen. Mal stand sein Gesang im Mittelpunkt, dann wieder das Klavier oder ein anderes Instrument. Seine stellenweise weiche und zurückhaltende Stimme bildete dabei einen deutlichen Kontrast zu den absurden Geschichten zwischen den Stücken.

Unterstützt wurde Schneider von seinen Musikern Sandro Giampietro an der Gitarre und Leo Richartz am Kontrabass. Das Zusammenspiel ließ Raum für Improvisationen und spontane Richtungswechsel. Gerade diese musikalische Flexibilität gehört zum Konzept seiner Auftritte.
Was kommt als Nächstes? Helge wird es wissen
Ein streng vorhersehbares Konzertprogramm ist Schneiders Sache nicht. Zwischen Klassikern aus den vergangenen Jahrzehnten und neueren Stücken entstanden immer wieder improvisierte Passagen.
Texte wurden eingeschoben, Geschichten weitergesponnen und musikalische Übergänge spontan verändert. Pianist, Sänger, Komiker und Multiinstrumentalist gingen dabei in einer Person ineinander über.
Was als Nächstes kommen würde, ließ sich für das Publikum deshalb kaum vorhersagen. Genau diese Mischung aus musikalischem Können, Jazz und kontrolliertem Durcheinander sorgte immer wieder für Lacher und Applaus.

Horst, der Adler, und der „Meisenmann“
Zum Abschluss und bei der Zugabe griff Schneider noch einmal in seine Figurenwelt. Mit Horst, dem Adler, und dem „Meisenmann“ ging der Abend in die Verlängerung.
Damit schloss sich der Kreis eines Konzertes, bei dem Musik und Komik kaum voneinander zu trennen waren. Schneider wechselte zwischen Jazz, bekannten Titeln, improvisierten Geschichten und absurden Einfällen.
Und wenn im Raesfelder Schlossteich plötzlich Seelachs und Rollmops schwimmen, stellt zumindest an diesem Abend niemand weitere Fragen.

Hochsommernacht am Wasserschloss
Die Kulisse lieferte dazu den passenden Open-Air-Rahmen. Das beleuchtete Wasserschloss, der Teich und die Bühne bildeten das Ambiente für den ausverkauften Konzertabend.
Auch nach Sonnenuntergang blieb es ausgesprochen warm. Gegen 22 Uhr lagen die Temperaturen noch bei rund 30 Grad. Für die Besucher wurde der Auftritt damit zu einer hochsommerlichen Konzertnacht vor dem Wasserschloss Raesfeld.
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