Jede Gemeinde hat Eigenheiten, woran sich die Bürger erfreuen können. Erle hat den höheren Kirchturm als Raesfeld und bekommt dazu noch eine öffentliche Besuchertoilette. Die Raesfelder haben einen Erler Bürgermeister und schicken dafür ihren Pastor nach Erle. Nun, wenn das nicht gerecht verteilt ist!
Schermbeck ist unsere Nachbargemeinde. Viele Internas kommen nicht nach Raesfeld rüber. Deshalb habe ich mich dort mal umgeschaut und stellte fest: Ein wirklich schönes Dorf mit vielen schnuckeligen Ecken und Sehenswürdigkeiten. Aber auch hier gibt es kleine Nickeligkeiten, welche den Schermbeckern Anlass geben,  sich damit näher auseinander zu setzen.
Heute fange ich mal mit den Baumpatenschaften auf der Mittelstraße an…[spoiler] worüber sich meine Freundin Gedanken machte.
Damit haben sich die FrauenpowerInnen vor Jahren schon beschäftig: Warum gibt es in unserer Sprache auf der männlichen Seite HERRLICH (=sooo schön) und auf der weiblichen das DÄMLICH (wirklich dumm). Auch  FRAULICH (=weiblich gerundet) klingt eben nicht so HERRLICH. Diese Diskussion auf diesem Emanzipationsnebenschauplatz blieb, soweit ich das weiß, ziemlich ergebnislos: Geändert hat man/frau damit nichts.
Bei meinem letzten Besuch in Schermbeck habe ich nun einige Bäume auf der Mittelstraße gesehen, die mit beeindruckenden Plaketten verziert waren. Auf meine Frage hin erklärte man mir, dass es sich hierbei um Patenschaften für eben diese Bäume handele und damit die Pflege jeweils sicher gestellt sei.
Aha! Von einer Reise aus den USA kenne ich das US-amerikanische Pendant dazu. Hier kann man Highways bzw. deren Bezeichnung „kaufen“. Damit stellt man dann sicher, dass der eigene Name allen Nutzern dieser Schnellstraße bekannt wird (hier wäre dann WULFGÄNG-EATER-AUTOBAHN oder der GUNTHER-BACK-RUHRSCHNELLWEG). Wie genau das funktioniert, weiß ich leider nicht. Sicher zu sein scheint: Es kostet mehr als eine Handvoll Dollar, pflegt vielleicht die Straße, aber mit Sicherheit das Image und ist eine hübsche Idee zur Geldgewinnung. Nach Lassie, Fury und Dallas schließlich „The-Tree-Sponsorship“ –und das in Schermbeck.
So ranken sich also mitten im Ort wahlweise die Schlingpflanzen um einige Patenschafts-Kugelakazien oder die ordentlich in Runde gesetzten Primeln und Stiefmütterchen stehen vielfarbig um ihren Stamm. An manchen Tagen schmücken auch bunte Bänder das Laub.
Die Plaketten scheinen mir zu groß für die Stämme, aber das macht ja nichts – die Bäume werden ja bestimmt noch wachsen. Denkbar sind auch pflegende Hände, die (nach dem Motto „Tuet gutes und schweiget darüber“ unerkannt tätig sind. Die haben dann womöglich nicht einmal eine Plakette gekauft und kümmern sich Trotzdem!
wie dem auch sei –
Beim nächsten Besuch schaue ich mir einmal genau an, wer da PR-mäßig sozial die Bäume betreut und vor allem: wer NICHT….
Dann laufe ich durch die Schermbecker Sponsorenallee und finde das HERRLICH, oder…?
Verfasserin der Glosse ist der Redaktion bekannt. [/spoiler]

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Petra Bosse (alias celawie) Bitte beachtet die Netiquette - Kennzeichnen Sie den Kommentar mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen. Mit dem Abgeben eines Kommentars erklären Sie Ihr Einverständnis, dass Ihr Benutzername und der Kommentartext in Gänze oder in Auszügen auf Heimatreport zitiert werden kann. Achten Sie auf einen sachlichen Umgangston! Beleidigende, diskriminierende oder anstößige Kommentare, die gegen das Gesetz verstoßen, löscht die Redaktion.

1 KOMMENTAR

  1. Liebe Celawie,

    um das Gleichgewicht der Käfte zu wahren, bedenken Sie bitte, das viele gute Worte in unserer Sprache schon eine weibliche Präposition haben, wie etwa DIE Weisheit, DIE Liebe, DIE Hoffnung, DIE Zuversicht, während wir Männer gerne auf viele männlich gekennzeichneten Worte verzichten würden wie DER Krieg DER Hass DER Krebs DER Ekel

    Peter

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