So, jetzt kann den vielen Touristen im Dorfkern von Erle ja nichts mehr passieren. Für ihre schnell auftretende Notdurft ist im Emergency-Room gesorgt. In der Gaststätte Brömmel-Wilms wird Ihnen geholfen. Rein gehen, freundlich nachfragen und schon ist das „Ich muss mal Problem“ gelöst. Nur für mich ist es ein etwas komisches Gefühl, das geliebte Klo bei Brömmel-Wilms zukünftig mit fremden Menschen teilen zu müssen. Hier in der Dorfkneipe kennt ja jeder jeden. Und bei rund 3700 Einwohnern ist es ja nicht verwunderlich, dass einem als Erler die Nachbarschaft bekannt ist. Also war es quasi auch mein Klo. Immer picco-bello sauber und ich konnte ja ahnen, wer da vorher drauf war, oder hätte drauf sein können. Es bestand keine Fremd-Viren-Gefahr. Das ändert sich jetzt. Nicht, dass gerade bei uns Frauen der Vorraum von der Toilette mehr als nur das „stille Örtchen“ ist. Hier trifft man sich, hier konnte ich zwischen Tür und Angel mal schnell Erfahrungen austauschen, grob gesagt: Frau war unter sich. Jetzt teilen wir uns Erler Frauen das WC mit wildfremden Menschen. Also aufgepasst bevor es zum Gespräch kommt. Am besten bei „besetzt“ anklopfen und fragen, woher die Person kommt, denn schließlich sollen Dorfgeheimnisse nicht in die weite Welt hinaus getragen werden. Das gleiche gilt übrigens auch für das Männer-Klo. Aber diese stehen ja meinstens sowieso dicht beieinander, und Fremde kommen auch nur dann rein, wenn es sich um „ein größes Geschäft“ handeln sollte. Für die „Kleinigkeit“ gibt es hier im Dorf ja genügend Ecken und Hecken.
Und dann bereitet mir noch eine Sache große Sorgen: Hoffentlich zeigen sich die Fremdbenutzer sozial und machen hinter sich die Bedürfnisanstalt wieder gründlich sauber! Nicht einfach verschwinden getreu dem Motto: Hier kennt mich doch keiner und nach mir die Sinnflut.



























