Freunde der syrischen Familie sahen Unheil voraus

Raesfeld.  Im Fall der drei verschwundenen syrischen Flüchtlingskinder (wir berichteten) erwartete ein guter Freund und Betreuer der Familie Shehada schon lange, dass etwas Schlimmes passiert.
„Ich ahnte bereits im Juni 2016, dass hier entweder die Kinder entführt werden oder ein Mord passiert“, sagt ein enger Freund und Betreuer der Familie. Auch die beste Freundin der Mutter teilte diese Befürchtung.

Die Befürchtungen sind eingetroffen.

Die Kinder sind weg – das letzte Lebenszeichen erhielt Mutter Hala Shehada am Dienstag vergangener Woche: „Mama, komm, hol uns ab. Wir wollen wieder nach Hause“, lautete die Nachricht, dazu ein Foto, das die drei Kinder und den Vater am Gelsenkirchener Bahnhof zeigt. „Der Sohn Hasan sendete dieses Foto seiner Mutter via WhatsApp und ich denke, dass dieses Foto offensichtlich bewusst entstanden ist, um der Mutter zu zeigen: Ich habe die Macht über die Kinder“, sagt die beste Freundin der Mutter.

Da das Ehepaar offiziell noch nicht geschieden ist, haben beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht. Nicht nur sie, auch die Kinder seien regelmäßig vom Vater geschlagen worden, sagt sie. In Deutschland habe der Mann jedoch die räumliche Trennung nicht akzeptiert. Er habe die Familie und ihre Freunde gestalkt und bedroht.

Termine beim Jugendamt

„Es gab drei Termine am Jugendamt, die der Vater aber nicht wahrnahm. So konnte hinsichtlich des gemeinsamen Sorgerechts nichts unternommen werden“, sagt die beste Freundin. Auch der Raesfelder Betreuer bestätigt, dass er mehrfach versucht habe, mithilfe des Jugendamtes eine Umgangsreglung in die Wege zu leiten. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist in diese Angelegenheit jedoch nichts passiert.

Foto aus glücklichen Zeiten in Erle. (privat)

Karlheinz Gördes, Sprecher des Kreises, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es Gespräche mit der Mutter gegeben habe. Gördes: „Aufgrund dieser Gespräche hat es drei Terminvereinbarungen geben. Der erste Termin war Anfang Mai, und wurde von der Mutter abgesagt. Der nächste Termin wurde Ende Mai vereinbart, da erschien aber nicht der Vater. Im Nachgang haben wir durch eine Sprachmitteilung der Mutter erfahren, dass sich die Eltern geeinigt haben. Das ist auch aktenkundig dokumentiert.“

Damit, so Gördes, sei das Jugendamt außen vor gewesen. Dann habe es wohl erneut „Ärger“ gegeben und ein weiterer Termin mit dem Jugendamt sei vereinbart worden. Dieser sei aber nicht zustande gekommen, weil die Mutter den Termin nicht an den Vater weiter gegeben habe. „So ist unser Sachstand“, so Gördes.

Rolle des Jugendamtes sei, eine einvernehmliche Lösung für die Klärung des Umgangs mit den Kindern herbeizuführen. „Wir haben in den einzelnen Gesprächen die Mutter mehrfach darauf hingewiesen, dass sie das Familiengericht einschalten muss.“ Das Jugendamt könne zwar im Fall von Kindeswohlgefährdung tätig werden, „aber wir hatten keine Hinweise darauf“, so Gördes. Petra Bosse

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here