Partnerschaftstreffen 2011 im Landkreis Breslau

Kreis-Delegation zeigt sich beeindruckt von der rasanten Entwicklung im polnischen Partnerkreis

Kreis Borken (pd). Eine Region im Aufbruch, voller Dynamik und Initiativgeist: Mit solch positiven Eindrücken von der rasanten Entwicklung des Raumes um die Metropole Breslau kehrte jetzt eine Delegation des Kreises Borken unter Leitung von Landrat Dr. Kai Zwicker aus Polen zurück. Auf Einladung des Landkreises Breslau hatte dort das diesjährige Partnerschaftstreffen stattgefunden. Zur Delegation des Kreises Borken gehörten die beiden stellvertretenden Landrätinnen Silke Sommers (Bocholt) und Gertrud Welper (Vreden), die weiteren Kreistagsmitglieder Angelika Dannenbaum (Ahaus, UWG), Wolfgang Klein (Ahaus, FDP), Maja Saatkamp (Borken, Grüne), Bernd Schlipsing (Vreden, CDU) und Barbara Seidensticker-Beining (Südlohn, SPD). Leo Quade nahm für die Bundesheimatgruppe Breslau-Land (Organisation der früheren deutschen Bewohner der Region Breslau) teil. Von der Borkener Kreisverwaltung waren Dr. Hermann Paßlick, Wilfried Kersting und Karlheinz Gördes dabei, und als Dolmetscher fungierten Monika Oenning aus Heiden sowie Erwin Koziol und Markus Wydera aus Borken.

Untergebracht im Hotel Johannes-Paul II unmittelbar neben dem Breslauer Dom verspürten die Gäste aus dem Westmünsterland sofort das pulsierende Leben. „Doch nicht nur in der schlesischen Großstadt, sondern auch auf dem Lande tut sich vieles“, erklärte Breslaus neuer Landrat Andrzej Szawan bei der Begrüßung. Genau dafür sei seine Behörde auch zuständig, denn der Landkreis Breslau zieht sich gleichsam wie ein Hemdkragen um die kreisfreie Stadt Breslau. Im Kreisgebiet gebe es einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. „Namhafte Großunternehmen, darunter auch zahlreiche deutsche, haben sich bei uns bereits angesiedelt und so viele neue Arbeitsplätze geschaffen“, betonte Szawan. Mit Stolz konnte er folglich darauf verweisen, dass die Arbeitslosigkeit bei lediglich 5 Prozent liegt – ein für Polen ausgezeichneter Wert.

Zentrale Aufgabenstellung ist es laut Szawan derzeit vor allem, die öffentliche Infrastruktur weiter zu verbessern. Das Straßennetz werde ausgebaut und die Abwasser- und Abfallbeseitigung müsse auf EU-Standard gebracht werden. Der Kreis Breslau investiere zudem stark in die Qualifizierung junger Menschen. Davon konnte sich die Borkener Delegation in Krzyzoswice überzeugen. In dem weitläufigen, in einem alten Schloss untergebrachten Schulkomplex werden unterschiedlichste Bildungsgänge hauptsächlich in den Bereichen Landwirtschaft und Ökologie angeboten. Und der Unterricht erfolgt außerordentlich praxisnah: Beispielsweise können die Schüler sogar den Führerschein für Traktoren oder Mähdrescher machen. Ein weiteres Investitionsprojekt: Gemeinsam mit den Ortsbehörden entwickelt der Kreis Breslau in Mietkow/Mettkau ein neues Wassersportzentrum am dortigen Stausee, das die Borkener ebenfalls mit großem Interesse in Augenschein nahmen.

Wie facettenreich die beiden von den Kreisen Borken und Breslau initiierten Ortspartnerschaften Raesfeld und Kobierzyce/Koberwitz sowie Velen und Dlugoleka/Langwiese inzwischen sind, zeigte sich bei Gesprächen mit den Führungsspitzen beider polnischen Gemeinden.

Spuren der früheren deutschen Bewohner Schlesiens finden sich überall im Lande und das auf ganz unterschiedliche Weise: Natürlich gibt es viele Gebäude aus deutscher Zeit, darunter zahlreiche kunsthistorisch außerordentlich wertvolle: So besichtigten die Gäste aus dem Kreis Borken die im 13. Jahrhundert entstandene Dreifaltigkeitskirche in Zorawina/Rothbach. Erinnerungen an schlimme Zeiten wurden wachgerufen beim Besuch des 2002 eingerichteten Friedensparks in Groß Nädlitz auf dem Gebiet der Gemeinde Czernica/Großbrück-Tschierne. Auf diesem Soldatenfriedhof haben etwa 18 000 deutsche Gefallene des 2. Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden haben. Als Zeitzeuge dankte der Vorsitzende der Bundesheimatgruppe Breslau-Land, Leo Quade, den polnischen Vertretern ausdrücklich für die beispielgebende Kooperation bei der Erstellung des Friedensparks und für den offenen Dialog bei der Aufarbeitung der schwierigen deutsch-polnischen Geschichte.

Ein abendliches Treffen mit den Mitgliedern des Breslauer Kreistages in Sobottka/Zobten rundete das diesjährige Partnerschaftstreffen ab. Die beiden Landräte vereinbarten dabei, demnächst im Kreis Borken praxisorientierte Fortbildungsveranstaltungen für interessierte polnische Kommunen anzubieten. Unmittelbar vor der Rückkehr ins Westmünsterland fand sich dann zur Freude aller Fußballfans unter den Teilnehmern noch die Gelegenheit, die Großbaustelle des neuen Sportstadions von Breslau zu besichtigen, das ein Spielort der Fußball-Europameisterschaft 2012 sein wird.

Foto: 1.  In Dlugoleka/Langwiese pflanzten die beiden Landräte Andrzej Szawan (links) und Dr. Kai Zwicker (rechts) gemeinsam mit Bürgermeisterin Agnieszka Lebek einen Baum

Foto 2.  In Krzyzoswice besichtigte die Delegation einen großen Schulkomplex, der in einem alten Schloss untergebracht ist

Foto 3.  In dem Friedenspark in Groß Nädlitz gedachten die polnischen und deutschen Teilnehmer des Partnerschaftstreffens der Opfer des 2. Weltkrieges