Leserbrief zum Beitrag „Strahler sollen St. Silvester in Szene setzen“ von Günther Strauch aus Borken

Nun wird sich auch die Kirchengemeinde Raesfeld/Erle an der Lichtverschmutzung aktiv beteiligen und zum Insektensterben beitragen und den Naturraum für die Pflanzen- und Tierwelt negativ beeinflussen. 

Die geplante Beleuchtung der Kirche Sankt Silvester wird nicht nur das Gebäude bis zur Turmspitze beleuchten, sondern vor allem den Himmel darüber.

Fachbegriff dafür: Lichtverschmutzung. Ich halte es für unsinnig und verantwortungslos, nachts einen Kirchturm so extrem zu beleuchten. Auch die Äußerung  „Wichtig ist, dass der Kirchturm bei Nacht von Weitem erkennbar ist“ verwundert  mich. Zur Orientierung? Für wen bitte nachts? Die meisten Menschen werden um diese Uhrzeit ihren wohlverdienten Schlaf halten und sich nicht am beleuchteten Gotteshaus ergötzen.

Tausende Insekten werden indes sterben und Zugvögel in ihrer Orientierung gestört. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen aus Unwissenheit planen und sich nochmals intensiv mit der Auswirkung ihres Beleuchtungskonzeptes auseinander setzen. Ansonsten sind sie aktive Umweltsünder.

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7 KOMMENTARE

  1. Sehr verehrter Herr Lauer,

    herzlichen Dank für Ihre wohlbegründete und scheinbar schlüssige Argumentationskette wider die Lichtverschmutzung rund um den Erler Kirchtum. Leider muß ich gestehen, sie hat mich dennoch nicht vom kirchturmlichterleuchteten Saulus zum krichturmlichtscheuen Paulus werden lassen. Sie waren, wie man in der Mathematik sagt, notwendig aber nicht hinreichend.

    Es grüßt Sie (mit einem jahreszeitbedingten Helau!)
    Der Erler Kirchturm-Troll

  2. Ich hab’s ja geahnt. Hätt ich doch mal besser meine Füllfeder im Zaume gehalten. Es kam, wie es kommen mußte, ein Elaborat von der Quantität der Verordnung der EU-Kommission über den Krümmungsradius der Salatgurke zum Thema Weltenrettungsqualität der gemeinen Schmeißfliege und der planetenzerstörerischen Kraft der Erler Kirchturmbeleuchtung.

    Allmächtiger im Himmel, warum müssen eigentlich die Leute heutzutage wegen jeder Kleinigkeit so ein Rie-sen-faß aufmachen?!

    Ja, ich geb’s ja zu, einen beleuchteten Kirchturm braucht in Erle kein Mensch. Andererseits, wenn ich spätabends bierselig und in bester Stimmung beim Arno rauskomme und unsere hell erleuchtete Ortskathedrale angucke, dann freue ich mich daran. Und zwar nicht wegen irgendwelcher, an den Haaren herbeigezogener, pseudo-tiefgründiger Symbolik, nee, das sieht einfach nur schön aus. Punktum.

    Und während ich dieses Beleuchtungsensemble dann auf mich wirken lasse, interessiert mich das Schicksal der Insektenkohorten, die darum herumschwirren, nicht mal einen Mückenschiß. Da dürfen sich gerne die verkniffenen Gestirnenretter dran abarbeiten. Während sie (mit zunehmender Genickstarre) die Augen gen Himmel wenden, um den Sternen beim Funkeln zuzugucken.

    Wie wär’s denn mit einem Gesetzesentwurf der Öko-Fraktion zur Einführung einer Fußgängerhelmpflicht? Jeder der nach Einbruch der Dunkelheit vor die Tür geht, hat einen beleuchtungsbewehrten Grubenhelm zu tragen. Anderenfalls gibt’s fuffzich Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Dann könnte man nämlich die lichtverschmutzende Straßenbeleuchtung auch abschalten und damit Millionen von Insekten vor einem grauenhaften Lichttod und somit letztlich den Planeten vor dem Lichtsiechtum bewahren. Na, wie wär’s?

  3. Gut, Herr Overhaus, ich habe mich informiert: Licht aus = dunkel = 0 Lux; Licht an = hell = soundsoviel Lux (hängt ab vom Typ der LED, will sagen, wieviele Photonen sie pro Zeiteinheit emittieren und davon, wieviele montiert sind). Sonst noch was? – Darüber schweigen Sie sich nämlich aus. Ebenso über das, was ich da so durcheinanderwerfe. Ebenso über das, was es da zu „reglementieren“ gäbe. Am besten doch wohl sicherlich gleich verbieten (meine grün-rot-ökoreligiösen Mitmenschen haben’s ja immer gern mit dem Verbieten).

    Und was die Sternegucker angeht: Nun, ich habe noch keinen gesehen, der ausgerechnet neben dem Erler Kirchturm sein Fernrohr aufbaut, um sich von dort aus an den Ringen des Saturn zu delektieren. Blöd nämlich, wenn die dann gerade vom Wetterhahn auf der Kirchturmspitze verdeckt – oder besser gesagt: abgedunkelt – würden. Und den Blick auf den Andromedanebel versperren ausgerechnet die vermaledeiten Eichen, so’n Pech. Naja, die kommen ja jetzt wenigstens weg. Wegen des freien Blickes auf den Andromedanebel – oder war’s doch eher wegen der kaputten Kanalisation? – Egal; andere Baustelle…

    • Hallo Herr Wolf,
      danke für die Reaktion. Ich will Ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben. Die Grenzwertdiskussion um die Stickoxide hat für mich nichts mit dem Problem der Lichtverschmutzung zu tun. Das ist aus meiner Sicht eher ein Gesundheitsthema. Hier geht es um Schadstoffe, die nicht in die Atemluft gehören, weil sie krank machen. Wissenschaftler empfehlen Grenzwerte, die sie in der Regel auch rechtfertigen können und die Politik hat die Aufgabe diese zum Wohle der Gesellschaft einzufordern. Nötigenfalls durch Verbote, weil freiwilliges Verzichten nicht funktioniert.
      Die Lichtverschmutzung ist ein typisches Umweltthema. Bereits in 60er/70er Jahren wurde die zunehmende Himmelshelligkeit zur späten Nacht von Sternguckern beklagt. Mittlerweile ist der Himmel über Europa dreimal heller als der natürliche Nachthimmel. Ein Trend, der sich fortsetzt und jährlich, gerade wegen der Zunahme der Lichtquellen, um 6 bis 8 % zunimmt. Statt der 3000 Sterne, die man eigentlich sehen könnte, bleiben nur noch wenige hundert Sterne. Und: Der Andromeda-Nebel gehört nicht dazu. Selbst die Milchstraße ist nur mit Mühe zu sehen.
      Was hat der Kirchturm damit zu tun? An der Kirche haben Sie ja bisher keine Sterngucker beobachtet. Das abgestrahlte Licht, also die Photonen, macht nicht an der Kirchenmauer halt. Es strahlt größtenteils in den Weltraum. Doch bevor ist dort hingelangt, streut es an vielen kleinen Partikeln in der Luft und erzeugt eine weithin sichtbare Lichtglocke über dem Gebäude. Das Licht trägt, wie auch alle anderen Lampen, die nutzlos in den Himmel strahlen, zur allgemeinen Himmelsaufhellung bei.
      Jetzt könnte man sagen: Schade für die Sterngucker… müssen die eben mit leben. Die Lobby dieser Gruppe ist nicht sonderlich groß. Das Lichtproblem nimmt aber mittlerweile Ausmaße an, die auch andere Gruppen aufhorchen lassen, insbesondere Entomologen, Ornithologen, Gewässerökologen und auch Mediziner. Grund hierfür ist, dass die Hälfte allen Lebens an die dunkle Nacht gebunden ist. Ornithologen beobachten zum Beispiel, dass Vögel in stark lichtverschmutzen Gegenden ihr Paarungsgeschäft früher beginnen, mit verheerenden Folgen für den ersten Nachwuchs des Jahres, weil die Natur die Futterquellen noch nicht zur Verfügung stellt. Auch wird es wegen des dramatischen Insektenverlustes bis 75% in den letzten 30Jahren schon schwer genug für die Insektenfresser. Auch die von ihnen bescholtene adipöse Schmeißfliege macht sich nur nebenberuflich über das Grillgut her. Ihre Hauptaufgabe erfüllt sie beim Beseitigen toter Tierkörper. ( Wie sähe die Welt ohne Schmeißfliege nur aus ? Danke , Schmeißfliege). Ihre Insektenkollegen bestäuben Pflanzen, halten das Land fruchtbar und sind Nahrungsgrundlage für Vögel, Amphibien, Reptilien, Säugetiere. Kurzum, sie sind für das Ökosystem und somit auch für uns, von existenzieller Wichtigkeit. Das Problem dieser Insekten sind, neben den Umweltgiften, die wir austragen ( eine Sache , die man den Landwirten alleine nicht anlasten darf) , auch die vielen Lichtquellen. In Deutschland gehen mehrere Milliarden Insekten pro Sommernacht zu Grunde. Ihr Energiehaushalt ist nicht so groß, auch wenn sie adipös erscheinen. Im Grunde stirbt ein Falter oder ein Insekt innerhalb einer Stunde, wenn es in den Bann eines Scheinwerfers gerät. Gewässerökologen beobachten ein verändertes Verhalten bei Fischen an beleuchteten Gewässern. Die verlieren die Lust an der Vermehrung. Letztendlich kommen wir zu den Medizinern. Das Licht hat nämlich Einfluss auf den Melatonin-Haushalt des Menschen. Die Bildung des Schlafhormons wird unterdrückt und der Mensch schläft schlechter, er isst sogar mehr. Die Folge sind dann Adipositas ( ) , Diabetes und Stresserkrankungen.
      In Deutschland wird Lichtemission im Bundesemissionsgesetz mehr oder weniger nur erwähnt. Für die Umweltforscher ist das Thema erst in den letzten Jahren in den Blickpunkt geraten. Man hört und sieht mittlerweile häufiger Berichte zu diesem Umweltaspekt. Und es ist mir hier auch nur möglich, einen kleinen Einblick in die Thematik Lichtverschmutzung zu geben.
      Möglicherweise müssen Regeln aufgestellt werden, um das schützenswerte Gut Dunkle Nacht zu bewahren oder vielleicht wieder zurück zu holen. Hier könnte jeder der guten Willens ist, ohne Komfortverlust, Umweltschutz betreiben: Einfach mal das Licht ausschalten, wenn es nicht gebraucht wird….
      In diesem Sinne,
      Christian Overhaus

      • Hallo Herr Overhaus,
        vielen Dank für den informativen, kurzen Einblick in diese umfassende Thematik. Ich kann ihnen da nur zustimmen. Und tun sie mir einen Gefallen, antworten sie bitte nicht mehr auf die Kommentare des Herrn Wolf. Es lohnt sich nicht, im Gegenteil, sie füttern nur den Troll.
        Beste Grüße
        Detlef Lauer

  4. Hallo Herr Wolf,
    vielleicht sollten Sie sich vorher etwas über die Thematik informieren bevor sie hier derartige Kommentare abgeben. Sie werfen dort auch Einiges durcheinander. Es ist sicherlich sinnvoll, sich Gedanken über Beleuchtungen zu machen und diese zu reglementieren. Es freut nicht nur die Sterngucker, dass sie ihr Hobby weiter frönen können. Man bedient auch die grün-rot-ökoreligiösen Mitmenschen, denen der Erhalt der Umwelt am Herzen liegt.
    Wenn Sie sich nicht für Umweltschutz interessieren, dann bleiben Sie schön zwischen den Leitpfählen der B224 und halten die dort vorgeschriebenen Geschwindigkeitsgrenzwerte ein, auch wenn sie unsinnig erscheinen. 😉

  5. Ach Du lieber Gott, Grundgütiger im strahlend hellen Himmel!!!

    TAUSENDE von Insekten werden sterben (vielleicht sogar die Biene Maja und ihr Freund Willi) – eines fürchterlichen Lichttodes am hell beleuchteten, lichtverschmutzten Turm des Gotteshauses zu Erle. Ist es zu glauben? – Unfaßbar!

    Prima. Dann brauch ich sie nämlich nicht mit der Fliegenplätsche hinzumeucheln, wenn sie mir bei meiner Party auf meiner hell erleuchteten, lichtverschmutzenden Terrasse beim Grillen von (nicht fair geernteten – Sonderangebot vom Edeka) Schweinenackensteaks lästig fallen.

    Klar, die Postulierung, daß Kirchtürme bei Nacht schon von weitem klar erkennbar sein müssen, ist natürlich an Dämlichkeit nur schwer zu überbieten (gell, Herr Pastor?). Ich achte da, wenn ich denn schon des Nachts unterwegs bin, weniger auf die Kirchturmbeleuchtung als viel mehr auf die Begrenzungspfähle an der B224, damit ich nicht vom Kurs abkomme.

    Aber so’n beleuchteter Kirchturm hat ja schon auch was Feines. In der dunklen Jahreszeit, so von November bis Februar, wenn’s nachmittags um halb fünf schon so langsam dunkel wird, wenn die Leut mitnichten ihren wohlverdienten Schlaf schon halten, da sieht das doch ganz hübsch aus. Finde ich jedenfalls. Und vermutlich auch die tausendfach verglühenden Insekten – was für ein fürchterlich, schöner Tod!

    Ja, es ist an der Zeit, daß es endlich (wie bei den Stickoxiden) wissenschaftlich über den Daumen gepeilte Lichtverschmutzungsobergrenzen gibt (nützt keinem was, tut aber der grün-rot-ökoreligiösen Weltenrettung gut). Zur Errettung adipöser Schmeißfliegen (und vielleicht auch von Biene Maja und von Willi). Und um die Kirchturmlichtverschmutzungsumweltsünder mal in ihre Schranken zu weisen (gell, Herr Pastor?). Dann singen wir in der Osternacht nämlich nicht mehr: „Lumen Christi“, sondern das (politisch eher korrekte): „Licht aus, Christe! – Deo Gratias“. – Oder so…

    PS: Was ist eigentlich mit den Glühwürmchen? Die lichtverschmutzen doch auch, oder was?

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