Lieferengpässe – Apotheker in Sorge um Patienten

Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Augentropfen – immer mehr Arzneimittel sind nicht lieferbar.

Grund für die Engpässe ist der Spardruck im Gesundheitswesen. Die Apotheker in Westfalen-Lippe sorgen sich um ihre Patienten.

Münster/Borken. Es sind ausgerechnet die Sartane, Blutdrucksenker also, die bei Petra Hruby, Apothekerin in Legden und Vorsitzende der Bezirksgruppe Borken des Apothekerverbandes WestfalenLippe (AVWL), vor Ärger die Adern schwellen lassen.

Denn insbesondere diese Wirkstoffe, mit denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt werden, sind derzeit von Lieferengpässen betroffen.

Medikamenten werden knapp im Kreis Borken


Rund 200 Medikamente

Aber nicht nur die Sartane fehlen in den Apotheken, sondern auch Schmerzmittel wie Ibuprofen in höherer Dosierung und mit Langzeitwirkung. Außerdem Tropfen gegen erhöhten Augeninnendruck, Antidepressiva, Mittel gegen Epilepsie, nennt Hruby weitere Beispiele. Die Liste, in der das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aktuelle Lieferengpässe führt, ist derzeit rund 200 Zeilen lang.


Die Folgen

In den meisten Fällen können die Lieferengpässe durch andere Präparate überbrückt werden. Dafür muss Hruby die Patienten, die ein Rezept einzulösen wollen, aber meist zurück zum Arzt schicken, damit er die Medikation umstellt. „Das kostet uns Zeit, weil wir viel erklären müssen, ist aber vor allem für die Patienten äußerst ärgerlich – und manchmal auch riskant“, warnt Hruby. „Bei Patienten, die mehrere Arzneimittel zugleich einnehmen müssen, besteht die Gefahr, dass sie das neue, ungewohnte Präparat mit einem ihrer anderen Mittel verwechseln und zur falschen Tageszeit oder in der falschen Dosierung einnehmen“, so die Apothekerin.

Präparate für akut lebensbedrohlichen Situationen

Zudem sieht sie das Risiko, dass die Patienten – durch das nicht vertraute Präparat verunsichert – die Therapie ganz abbrechen. Gefährlich wird es zudem dann, wenn Präparate fehlen, die in akut lebensbedrohlichen Situationen helfen – wie zum Beispiel im vergangenen Sommer Mittel, um Insektengift-Allergiker gegen einen anaphylaktischen Schock zu behandeln.

Die Ursachen
„Grund für die Engpässe ist der Spardruck im Gesundheitswesen“, erklärt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe: Die Krankenkassen handeln mit den Pharmafirmen Rabattverträge aus. Diese lassen dann Wirkstoffe kostengünstig im Ausland, meist Asien, produzieren.

Aufgrund von Konzentrationsprozessen gebe es dort nur noch wenige, für manche versorgungsrelevanten Wirkstoffe nur zwei Hersteller. Wenn bei einem davon Produktionsprobleme entstehen, komme es zu den Lieferengpässen.

Ferner sei es für Hersteller meist lukrativer, ihre Ware in andere Länder zu liefern, in denen höhere Preise als in Deutschland gezahlt werden. „Der Kostendruck ist mittlerweile so hoch, dass die Versorgungsqualität und –sicherheit nicht immer gewährleistet sind“, warnt Dr. Klaus Michels.

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Petra Bosse (alias celawie) Freie Journalistin - Kontakt: redaktion[at]heimatreport.de - Beiträge aus der Region, für die Region! Hinweise Kommentare: Bitte beachtet die Netiquette - Kennzeichnen Sie den Kommentar mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen. Mit dem Abgeben eines Kommentars erklären Sie Ihr Einverständnis, dass Ihr Benutzername und der Kommentartext in Gänze oder in Auszügen auf Heimatreport zitiert werden kann. Achten Sie auf einen sachlichen Umgangston! Beleidigende, diskriminierende oder anstößige Kommentare, die gegen das Gesetz verstoßen, löscht die Redaktion.

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