300 Besucher beim WLV-Kreisverbandstag in Stadtlohn

Die Landwirtschaft im Kreis Borken befindet sich mit allen gesellschaftlichen Kräften im intensiven Austausch. Dies wurde beim Kreisverbandstag des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) am Freitag nochmal sehr deutlich.

Dies ließ sich nicht nur ablesen an der langen Liste der erschienenen Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, die zusammen mit WLV-Mitgliedern 300 Plätze in der Stadthalle in Stadtlohn füllten.

Die Referenten des Borkener Kreisverbandstages (v.l.): Stadtlohns Bürgermeister Helmut Könning, WLV-Präsident Johannes Röring, Landrat Dr. Kai Zwicker, Regierungspräsidentin Dorothee Feller, Tönnies-Geschäftsführer Ralf-Thomas Reichrath, WLV-Kreisverbandsvorsitzender Ludger Schulze Beiering, WLV-Kreisgeschäftsführer Jörg Sümpelmann und SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte. Foto: Stephan Wolfert, WLV

Dass der Austausch auf politischer Ebene parteiübergreifend funktioniert, stellten sowohl CDU-Vertreter als auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte heraus.

Vernünftige Haltung

Letztere begrüßte, dass die Kreisveterinärbehörde nun deutlich mehr unangemeldete Kontrollen in den Ställen von Landwirten durchführt: „Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin davon überzeugt, dass die meisten Landwirte ihre Tiere vernünftig halten.“ Landrat Dr. Kai Zwicker (CDU) unterstrich die Rolle seines Hauses: „Wir als Kreisverwaltung sind für Kontrollen zuständig, nicht irgendwelche Leute, die in Ställe einbrechen, damit Straftaten begehen und im Anschluss ominöse Bilder verbreiten. Wir leben in einem Rechtsstaat und hier gehört die Strafverfolgung in die Hände der Staatsanwaltschaft, nicht in die von selbst ernannten Robin Hoods.“

Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen

Beim Thema Energieleitungsbau zeigte WLV-Kreisgeschäftsführer Jörg Sümpelmann in seinem Tätigkeitsbericht nochmals klare Kante: „Das Prinzip der Bündelung von Trassen hat seine Grenze erreicht. Noch mehr Leitungen verträgt dieser Raum nicht. Einen Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen hierfür können wir nicht akzeptieren.“ In ihrem Grußwort sicherte Dorothee Feller ihre Unterstützung zu. Bei ihrem ersten Auftritt vor den Borkener Bauern in ihrer Funktion als Regierungspräsidentin warb sie ihrerseits dafür, dass die Lasten hierbei abgewogen verteilt werden sollten.

Einbindung der Landwirtschaft

Auch beim Thema Hochwasserschutz (HSK) stellte sie das Prinzip der Flächenschonung als gemeinsames Interesse heraus. Bürgermeister Helmut Könning vermeldete in seinem Grußwort für Stadtlohn bereits weitgehend Vollzug („Unser HSK wird derzeit vom Kreis Borken geprüft und wir erwarten in Kürze den Planfeststellungsbeschluss“). Hierauf antwortend äußerten die WLV-Vertreter den Wunsch nach einer wesentlich stärkeren Einbindung der Landwirtschaft in den HSK-Prozess als in der Vergangenheit.

Insektensterben

Um dem vermeintlichen oder tatsächlichen Insektensterben entgegenzuwirken, habe sich die Landwirtschaft im Kreis Borken schon vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, stellte Schulze Beiering heraus. Beispielsweise sei in keinem anderen Kreis die seit dem letzten Jahr angebotene Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer NRW so gut angenommen worden wir im Kreis Borken: „In diesem Zusammenhang hat es mir auch Mut gemacht, dass wir im Kreis Borken jetzt mit dem Energiepflanzenanbau-Projekt in Reken und dem Hotspot22-Projekt der Biologischen Station Zwillbrock zwei UN-Auszeichnungen erhalten haben.“

„Denk-labore“

Dass die hiesige Landwirtschaft bereit ist, sich zu öffnen und ganz neue Wege zu gehen, hat auch die Borkener Fachschule für Agrarwirtschaft auf ausgezeichnete Weise bewiesen. Regionale-2016-Geschäftsführerin Uta Schneider nutzte die Bühne des Kreisverbandstages, um das Projekt „Denk-labore“ offiziell mit dem A-Stempel der Regionale zu versehen.

In interdisziplinären Studierenden-Workshops waren in den letzten vier Jahren innovative Ansätze für aktuelle Herausforderungen der Landwirtschaft entstanden, so zum Beispiel zu neuen Formen des Stallbaus oder jüngst mit der Entwicklung tiergerechten Spielzeugs für Schweine: „Ein kleines, aber feines Projekt, das sich selber finanziert und als Ideenschmiede fortgesetzt werden soll“, so Schneider in ihrer Laudatio.

Tierwohlstandard

Als erfolgreiche Idee habe sich bereits die Initiative Tierwohl bewährt, stellten der Hauptreferent des Kreisverbandstages, Ralf-Thomas Reichrath von der Firma Tönnies, heraus. Ab 2018 profitiere fast jedes vierte Schwein in Deutschland durch die Initiative von freiwillig erhöhten Tierwohlstandards: „Das erste Mal überhaupt haben sich Landwirtschaft und der Lebensmitteleinzelhandel für mehr Tierwohl zusammen auf den Weg gemacht und sind im Kern auch bis heute zusammen geblieben.“ Hier sei es bereits gelungen, was an noch mehr Stellen für die Erzeugerseite aber auch den Lebensmittelhandel wünschenswert sei: Mehr Geld für höhere Standards.

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