Gemeinde möchte kein weiteres Altenheim an diesem Standort

Das Landhaus Keller liegt der Gemeindeverwaltung am Herzen. Sie hätte gerne an diesem Standort ein gutes Drei-Sterne -Hotel im mittleren Preissegment.

RAESFELD. Schloss Raesfeld, Schloss Allee und Naturpark Hohe Mark seien die beste Voraussetzung für ein Hotel an dieser Stelle, sagte Bürgermeister Andreas Grotendorst am Montag im Planungsausschuss.

Während im Laufe des Insolvenzverfahrens der Hotelbetrieb im Landhaus Keller eingestellt wurde, läuft der Betrieb des Altenheims mit 20 Bewohnern weiter.

Landhaus Keller Raesfeld

Beraten wurde im Planungsausschuss der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan RA 21 a (Freiter Pättken). Gegen die geplante Änderung des Bebauungsplans legte der Insolvenzverwalter der Keller Dienstleistungen und Sozialimmobilien GmbH & Co. KG im Vorfeld Widerspruch ein.

Derzeit wird das Haus Keller als Altenheim betrieben. Im vergangenen Jahr eröffnete das Amtsgericht Essen ein Insolvenzfahren der Keller Dienstleistungen und Sozialimmobilien. Eingeschlossen sind dabei auch die Alten- und Pflegeheime der Keller GmbH (wir berichteten).

Eingeräumte Nutzungsoption wieder aufgehoben

Nach der Bekanntgabe sicherte sich die Gemeinde kurze Zeit später das Vorkaufsrecht für die Anlage. In der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanes wurde die 2006 eingeräumte Option, das Hotel als auch als Altenpflegeheim zu nutzen, wieder aufgehoben, um eine weitere Nutzung des Landhauses Keller als Altenheim zu verbieten.

Die Begründung dazu lautete, dass der Standort Altenheim/Altenpflegeheim nicht optimal sei und die dem besonderen Standort im Bereich der Schlossfreiheit angemessene Hotel- und Gastronomienutzung wieder zugeführt werden soll.

Landhaus Keller Raesfeld

Demografischer Faktor

Das wurde auch dem Nachlassverwalter der Keller GmbH. mitgeteilt. Dieser allerdings reagierte nicht sehr amüsiert darauf und sieht die Änderung des Bebauungsplans als ein enteignungsgleichen Eingriff an. Darüber hinaus teilt der Insolvenzverwalter mit, dass die vorgeschlagene Änderung des Bebauungsplans als Hotel an diesem Standort nicht den demografischen Faktor der Gemeinde und dem Kreis Borken berücksichtige. Wie in allen anderen Gemeinden habe auch Raesfeld mit einer zunehmenden Überalterung der Bevölkerung und veränderten Lebensumstände der Menschen zu rechnen. Diese habe auch nicht in Raesfeld und seinen angrenzenden Gemeinden haltgemacht.

Außerdem sei der gegenwärtige Standort des Altenheims, derzeit mit 20 Bewohnern, aufgrund seiner Ortslage bestens als Alten- und Pflegeheim geeignet. Im Übrigen ließe sich laut Insolvenzverwalter der Betrieb eines Restaurant-Cafés leicht wieder einrichten, wenn das gesamte Gebäude als Altenheim- und Pflegeheim genutzt werden dürfte.

Internationale Investoren für Altenheim

Internationale Investoren aus dem Alten- und Pflegebereich haben laut Insolvenzverwalter bereits Interesse an den Erwerb der Keller-Immobilie am Niederrhein bekundet. Ein Altenheim würde laut Insolvenzverwalter zu einer Verdoppelung der gegenwärtigen Arbeitsplätze für Mitarbeiter der Pflegeberufe führen.

Ein Investor für ein Hotel habe sich, wie der Insolvenzverwalter mitteilt, allerdings nicht gefunden. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens habe er 25 Hotelbetreiber im Umkreis von 100 km angesprochen. Das Interesse sei gleich null gewesen und keiner der angesprochenen Investoren hätte Interesse bekundet.

Alle Anregungen vonseiten des Insolvenzverwalters, dass Haus Keller weiter als Pflegeheim zu nutzen, wurde einstimmig von den Ausschussmitgliedern abgelehnt. Das Gleiche gilt auch für Konkurrenzüberlegungen im Hotelsektor. Der Grund: In gemeindlich übergeordnetem Interesse sei eine adäquate Nutzung des prominenten Standortes.

Die vorgebrachten Argumente, was den demografischen Wandel anbelange, seien laut Erster Beigeordneter Martin Tesing nicht verifiziert und belegt. Im Landhaus Keller lebt derzeit nur eine Person aus Raesfeld. „Verständlich ist, dass der Insolvenzverwalter mit seinen Argumenten das Interesse hat, einen hohen Preis für das Grundstück zu erzielen. Wir können seinem Einwand nicht folgen“.

Fakt sei laut Bürgermeister Andreas Grotendorst, dass die Gemeinde dringend Hotelzimmer benötige, da sie in den letzten vier Jahren rund 56 Zimmer verloren habe: Hotel Epping mit 21 Betten, Aelkeshof mit 31 Betten und Hotel Sterndeuter Turm mit 14 Betten.

Brechschale im Eingangsbereich

„Und eine Kombinutzung – Hotel-Altenheim habe sich bereits in jüngster Vergangenheit als sehr problematisch dargestellt. Außerdem hat es Beschwerden gegeben, dass im Eingangsbereich Nierenschalen rumstehen, dass es dort riecht und das dies kein schöner Anblick für die ankommenden Gäste gewesen sei“.

Als Hotel geeignet sei die Anlage schon deshalb, da sie sich in unmittelbarer Nähe der touristisch stark frequentierten Schlossfreiheit befindet. „Die Lage am Ortsrand ist eben nicht, wie vom Insolvenzverwalter behauptet, geeignet für die Bewohner. Sie ist eher ungünstig, da die Einrichtungen zur Deckung des täglichen Bedarfs wie Ärzte und Apotheken, nicht in fußläufiger Nähe vorhanden sind“, so Grotendorst.

Bedarf an Hotelbetten ist groß

Mit Blick auf den dringenden Bedarf an Hotelzimmer liege auch an das veränderte Verhalten der Touristen in der Gemeinde. Die gut ausgebauten Radwege locken besonders Tagesgäste an, die sternenförmig mit ihren Fahrrädern mehrere Orte anfahren. Ebenso die zahlreichen Trauungen in der Gemeinde, 403 waren es 2019, ziehen immer mehr Gäste in die Gemeinde, fügte Grotendorst an. „Wir haben eine Naturpark-Radroute die gut von E-Bike-Fahrern genutzt wird und Urlaub vor der Haustür wird immer wichtiger“.

Darüber hinaus sei die Gemeinde gut aufgestellt mit den derzeitigen Alten- und Senioreneinrichtungen in der Gemeinde.

„Die gemeindlichen übergeordneten Belange einer Hotel- und Gastronomiebenutzung an diesem Standort liegen somit über den privaten wirtschaftlichen Interessen eines Investors“, so Grotendorst.

Vorheriger ArtikelFrau mit Stimme – Susan Albers begeisterte die Zuhörer
Nächster ArtikelNeue Bäume auf der Babywiese für Vereine und Schule
avatar
Netiquette - Kennzeichnen Sie den Kommentar mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen. Mit dem Abgeben eines Kommentars erklären Sie Ihr Einverständnis, dass Ihr Benutzername und der Kommentartext in Gänze oder in Auszügen auf Heimatreport zitiert werden kann. Achten Sie auf einen sachlichen Umgangston! Beleidigende, diskriminierende oder anstößige Kommentare, die gegen das Gesetz verstoßen, löscht die Redaktion.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here