Die Kornbrennerei Böckenhoff in Erle steht für ein Handwerk, das selten geworden ist. Hier wird Korn noch selbst gebrannt. Nun sorgen Pläne der Bundesregierung für Unruhe: Zum 1. Januar 2027 sollen mehrere Alkoholsteuern steigen, auch die Steuer auf Spirituosen wie Korn.
Kornbrennerei Böckenhoff in Erle und die Sorge vor höheren Steuern
In der kleinen Brennerei in Erle riecht es nach Getreide, Handwerk und einer Tradition, die bis heute lebendig geblieben ist. Kornbrenner Dirk Böckenhoff gehört zu denjenigen, die noch selbst brennen. Genau das macht seinen Betrieb besonders.
Doch derzeit geht es nicht nur um Maische, Destillation und guten Geschmack. Es geht auch um Politik. Die Bundesregierung plant, die Alkoholsteuer zum 1. Januar 2027 zu erhöhen. Auch die Schaumweinsteuer, die Zwischenerzeugnissteuer und die Alkopopsteuer sollen steigen. Vorgesehen ist eine Anhebung um jeweils 20 Prozent.
Betroffen wären Spirituosen wie Rum, Wodka und Korn, außerdem Likörweine, Sekt, Champagner und Alkopops. Für den Bundeshaushalt sollen dadurch zusätzliche Einnahmen entstehen. In kleinen Brennereien wie der Kornbrennerei Böckenhoff in Erle wächst jedoch die Sorge, dass diese Rechnung am Ende nicht aufgeht.

Treffen bei Brennerei Sasse im Münsterland
Dirk Böckenhoff hat sich deshalb mit weiteren Brennern aus dem Münsterland abgestimmt. Ein erstes Treffen fand bei der Brennerei Sasse statt. Dort sei schnell klar gewesen, dass die Branche gemeinsam reagieren müsse.
„Da haben wir uns bei Sasse getroffen und gesagt: Wir müssen etwas dagegen machen“, sagt Böckenhoff. Aus seiner Sicht ist die geplante Erhöhung keine kleine Korrektur. Die geforderten 20 Prozent würden die Betriebe deutlich belasten.
„Die jetzt geforderten 20 Prozent bedeuten über 2,60 Euro pro Liter hundertprozentigen Alkohol. Das macht mehr als 80 Cent für eine 0,7-Liter-Flasche aus“, erklärt Böckenhoff.
Auch der Zeitpunkt bereitet den Brennern Sorgen. Die Erhöhung soll zum 1. Januar 2027 gelten. Für Betriebe mit längeren Produktions-, Lager- und Vertriebsabläufen sei dieser Termin ungünstig.

Bundestagsabgeordnete sollen in die Betriebe kommen
Die Brennereien wollen ihre Einwände nun direkt an die Politik herantragen. Geplant ist, Bundestagsabgeordnete aus den jeweiligen Wahlkreisen in die Betriebe einzuladen. Sie sollen vor Ort sehen, was die Steuererhöhung für kleine Brennereien bedeuten würde. „Wir wollen die Bundestagsabgeordneten unserer Wahlkreise zu uns in die Betriebe holen“, sagt Böckenhoff.
Eine gemeinsame Pressemitteilung sei bereits herausgegeben worden. Nun gehe es darum, die Folgen der geplanten Erhöhung deutlich zu machen. „Wir wollen informieren und deutlich sagen: So geht das nicht“, sagt Böckenhoff. Dabei geht es den Brennern nicht allein um den eigenen Betrieb. Sie fürchten Folgen für eine ganze Branche, zu der auch Zulieferer, Landwirtschaft, Handel, Gastronomie und Logistik gehören.
Sorge vor sinkendem Absatz und weniger Arbeitsplätzen
Dirk Böckenhoff verweist auf Prognosen, nach denen eine deutliche Steuererhöhung den Absatz alkoholischer Getränke spürbar senken könnte. Besonders kritisch sieht er die Diskussion über mögliche weitere Erhöhungen. „Wenn es nicht bei den geplanten 20 Prozent bleibt und später sogar eine Erhöhung um 100 Prozent kommt, könnte der Absatz von Alkohol nach Prognosen um bis zu 20 Prozent zurückgehen“, sagt Böckenhoff.
Dann, so seine Einschätzung, würden die erhofften Mehreinnahmen möglicherweise gar nicht in der erwarteten Höhe beim Bund ankommen. Wenn weniger verkauft werde, sinke auch die Menge, auf die Steuer erhoben werde.
Zugleich gehe es um Arbeitsplätze. Böckenhoff spricht von mehr als 8.000 Arbeitsplätzen, die in der Region betroffen sein könnten, wenn Betriebe weniger produzieren müssten. „Wir müssen alle weniger produzieren und brauchen weniger Leute. Und auch die vor- und nachgelagerten Bereiche leiden darunter“, sagt er.
Warum Brennereien die Pläne als ungerecht empfinden
Ein zentraler Kritikpunkt der Brenner ist die unterschiedliche Behandlung alkoholischer Getränke. Die geplante Steuererhöhung betrifft Spirituosen, Schaumwein, Zwischenerzeugnisse und Alkopops. Bier und Wein sind nach den bisherigen Plänen nicht in gleicher Weise betroffen. Für Dirk Böckenhoff ist das schwer nachvollziehbar.
„Viele denken vielleicht: Wenn ich ein Glas Wein trinke, betrifft mich die Steuererhöhung auch. Das stimmt aber nicht. Wein ist davon gar nicht betroffen, Bier ebenfalls nicht“, sagt Böckenhoff.
Aus Sicht der Brennereien sei es nicht gerecht, wenn vor allem die Spirituosenbranche die zusätzliche Belastung tragen solle. Böckenhoff fordert deshalb eine gleichberechtigtere Behandlung aller Alkoholhersteller. „Das finden wir nicht gerecht, dass die Spirituosenbranche, die Brennereien das tragen sollen, bei den Alkoholherstellern sonst die anderen eben halt nicht“, sagt er.
Kleinere Betriebe anders behandeln als große Konzerne
Die Brenner wollen nach Angaben von Dirk Böckenhoff auch über neue Modelle sprechen. Dabei geht es um die Frage, ob kleine Betriebe anders besteuert werden könnten als große industrielle Hersteller. „Wir wollen diskutieren über Modelle, wo kleinere Betriebe anders besteuert werden als riesengroße Konzerne“, sagt Böckenhoff.
Beim Bier gebe es bereits Unterschiede, durch die kleinere Brauereien entlastet würden. Vergleichbare Regelungen wünschen sich die Brennereien auch für ihre Branche.
„Beim Bier gibt es solche Unterschiede bereits. Über solche Modelle wollen wir sprechen und die Abgeordneten des Bundes und der Länder entsprechend informieren“, erklärt Böckenhoff.
Auch Abgeordnete der Länder sollen nach Möglichkeit in die Betriebe eingeladen werden. Sie sollen vor Ort sehen, was die geplante Steuererhöhung für eine Korn oder Obstbrennerei konkret bedeutet.
Guter Geschmacksträger Alkohol statt mehr Zucker
Für Dirk Böckenhoff geht es bei der Steuerdebatte auch um die Qualität der Produkte. Kleine Brennereien arbeiteten häufig mit hochwertigen Bränden. Dabei sei Alkohol nicht nur Grundlage des Produkts, sondern auch ein wichtiger Geschmacksträger.
„Für uns als Korn- oder Obstbrennerei bedeutet das: Wir stellen qualitativ hochwertige Brände her. Wir setzen lieber auf guten Alkohol als Geschmacksträger und weniger auf Zucker“, sagt Böckenhoff.

Für Betriebe wie die Kornbrennerei Böckenhoff in Erle sei das besonders problematisch. Sie arbeiteten mit hochwertigen Bränden und setzten Alkohol bewusst als Geschmacksträger ein. Weniger Alkohol bedeute nicht automatisch ein besseres Produkt. Häufig müsse der Geschmack dann durch mehr Zucker ausgeglichen werden.
Genau das werde durch eine stärkere Besteuerung problematisch. Je höher der Alkoholgehalt, desto höher die Steuerbelastung. Betriebe, die bewusst mit hochwertigen Destillaten arbeiten, würden dadurch stärker getroffen.
Böckenhoff sieht die Gefahr, dass Hersteller künftig Alkohol reduzieren und andere Geschmacksträger einsetzen könnten. Häufig sei das Zucker.
„Die Leute, die Branchen, die vielleicht Billighersteller, die sowieso bei Alkohol an der Unterkante sind, weil das sowieso denen zu teuer war, knallen da viel Zucker rein. Das wollen wir ja zum Beispiel nicht“, sagt er.
Beispiel Schoko-Likör aus der Brennerei
Böckenhoff nennt als Beispiel einen Schoko-Likör. Dieser habe 35 Volumenprozent Alkohol, weil der darin enthaltene Alkohol qualitativ gut sei. Gerade deshalb könne die Zuckermenge niedrig gehalten werden.
„Ein Schoko-Likör hat beispielsweise 35 Volumenprozent. Weil der Alkohol darin eine hohe Qualität hat, können wir mit dem Alkoholgehalt höher gehen und bei der Zuckermenge an der Untergrenze bleiben, die für Liköre vorgeschrieben ist“, erklärt Böckenhoff.
Würde man den Alkoholgehalt senken, um Steuern zu sparen, müsse der Geschmack auf andere Weise ausgeglichen werden. Das könne zulasten der Qualität gehen.
„Das könnten wir nicht mehr, wenn wir den Alkoholgehalt auf 25 Prozent senken würden. Wenn Alkohol teurer wird, liegt es nahe, ihn durch einen anderen Geschmacksträger zu ersetzen. Und das ist dann Zucker“, sagt Böckenhoff.
Dann entstehe aus seiner Sicht ein deutlich süßeres Produkt. Ob das im Sinne gesundheitspolitischer Ziele besser sei, bezweifelt er. „Dann würde das ein zuckersüßes Zeug werden und da fragt man sich, ist das denn vom Gesundheitsaspekt viel besser?“, sagt Böckenhoff.
Spirituosenbranche sucht gemeinsame Linie
Die Argumente sollen nun gebündelt und gegenüber der Politik vorgebracht werden. Dirk Böckenhoff spricht von einer klaren Forderung: Die geplante Erhöhung um 20 Prozent solle zurückgenommen werden. Erst recht müsse verhindert werden, dass weitere Erhöhungen folgen. „Wir fordern, dass diese 20 Prozent vom Tisch kommen. Von einer Erhöhung um 100 Prozent ganz zu schweigen“, sagt Böckenhoff.
Zudem gehe es um eine gleichberechtigte Behandlung aller Alkoholhersteller. Die Spirituosenbranche sieht sich nach Böckenhoffs Darstellung in dieser Haltung breit aufgestellt.
Auch der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und Importeure unterstütze die Linie. Größere Unternehmen wie Underberg und Schwarze seien ebenfalls eingebunden und nutzten ihre Kontakte, um die Interessen der Branche deutlich zu machen.
„Die BSI-Leute, Bundesverband der Spirituosenhersteller, die sind da auch für. Wir haben eben halt Underberg mit dabei, wir haben auch Schwarze mit dabei als größere, die auch ihre Kontakte spielen lassen“, sagt Böckenhoff.
Kornbrennerei Böckenhoff in Erle steht für ein seltenes Handwerk
Die Kornbrennerei Böckenhoff in Erle ist ein Beispiel für ein Handwerk, das in Deutschland nicht mehr selbstverständlich ist. Hier wird nicht nur zugekaufter Alkohol verarbeitet. Hier wird noch selbst gebrannt.
Gerade deshalb trifft die Steuerdebatte solche Betriebe besonders. Sie arbeiten mit Rohstoffen, Erfahrung, Brenntechnik und einem hohen Qualitätsanspruch. Eine Steuer, die vor allem nach Alkoholgehalt berechnet wird, macht diese Arbeit teurer.
Für Dirk Böckenhoff ist klar: Die Branche will nicht schweigen. Sie will erklären, was hinter einer Flasche Korn, Obstbrand oder Likör steckt. Sie will zeigen, dass kleine Brennereien anders funktionieren als große Konzerne. Und sie will verhindern, dass ein altes Handwerk durch neue Steuern weiter unter Druck gerät.
In Erle geht es deshalb derzeit nicht nur um Korn. Es geht um die Zukunft kleiner Brennereien, um faire Regeln und um die Frage, welchen Wert handwerklich hergestellte Spirituosen in Deutschland künftig noch haben.

Ein Blick in die Geschichte der Brennerei
Die Kleine Brennerei Böckenhoff in Erle blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit 1832 wird hier Korn gebrannt, über Generationen hinweg und eng verbunden mit dem Ort und den Menschen in der Region.
Bis heute gehört Böckenhoff zu den Betrieben, in denen nicht nur abgefüllt, sondern noch selbst gebrannt wird. Damit hat die Brennerei für Erle eine besondere Bedeutung.
Sie ist Teil der Dorfgeschichte und ein Beispiel dafür, wie regionale Tradition auch in schwierigen Zeiten weitergeführt werden kann.



























