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Kornbrennerei Böckenhoff in Erle: Ein altes Handwerk lebt weiter

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Die Kornbrennerei Böckenhoff in Erle steht für eine Brenntradition, die heute selten geworden ist. Seit 1832 wird hier Korn nach alter Rezeptur hergestellt. Johannes Böckenhoff blickt auf ein Handwerk, das er von seinem Vater gelernt hat, und auf eine Zukunft, die nun ein Nachfolger sichern soll.

Johannes Böckenhoff freut sich über den neuen Nachfolger für seine Brennerei
Johannes Böckenhoff freut sich über den neuen Nachfolger für seine Brennerei


Kornbrennerei Böckenhoff in Erle brennt noch selbst

Anders als in vielen anderen Betrieben wird in Erle noch selbst gebrannt. Im ersten Brand entsteht aus dem Getreide zunächst der nicht trinkbare Rohalkohol. Erst mit dem zweiten Brand wird daraus das Feindestillat, hergestellt in der eigenen Kornbrennerei.

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Die kleine Kornbrennerei Böckenhoff in Erle blickt auf eine lange Tradition zurück. Eine Brennerei, die das Produkt Korn noch selbst herstellt, und das bereits in der siebten Generation, ist heutzutage eine Seltenheit.

Denn hier in Erle entsteht Korn noch nach alter Rezeptur des Brennmeisters und ehemaligen Präsidenten der „Deutschen Alkoholhersteller“, Johannes Böckenhoff.

Gute Geschmacks- und Geruchsnerven sind die Grundvoraussetzungen für einen schmackhaften Korn
Gute Geschmacks- und Geruchsnerven sind die Grundvoraussetzungen für einen schmackhaften Korn

Das Handwerk hat Böckenhoff von seinem Vater gelernt. Er kennt die Abläufe, die Eigenheiten des Getreides und die Bedeutung des Wassers. Er weiß aber auch, wie stark sich die Rahmenbedingungen für Brennereien in Deutschland verändert haben.

Laut EU-Gesetz gelte es schon als Herstellung, wenn man Alkohol einkaufe und mit Wasser auf Trinkstärke bringe. Genau das sei jedoch etwas anderes als das Brennen aus eigenem Getreide, wie es in Erle bis heute praktiziert werde.

Über Marktpreis verkauft

Vor fast 100 Jahren richtete der Staat das Branntweinmonopol ein. Für viele Kornbrenner war das ein tiefer Einschnitt. Die Regulierung verhinderte weiteres Wachstum einzelner Brennereien. Wer größer werden wollte, musste damals zwangsläufig die Brennrechte eines anderen Brenners erwerben.

„Der Staat hat vor hundert Jahren das Monopol den Brennern aufgezwungen, um so selber die Produktion des Alkohols steuern zu können“, sagt Johannes Böckenhoff, der mit seinen Brennrechten immer gut zurechtkam.

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Im Umkehrschluss bedeutete das Monopol aber auch, dass ein Brenner seinen Rohalkohol über Marktpreis an die Bundesmonopolverwaltung verkaufen konnte. Diese reinigte den Alkohol und vermarktete ihn anschließend zum Marktpreis weiter.

Der Fall des Monopols lief somit unter dem Stichwort „Subventionsabbau“. Für viele Betriebe hatte das Folgen, die weit über Verwaltung und Vorschriften hinausgingen.

Den meisten landwirtschaftlichen Kornbrennereien, die vom Verkauf des einfacher herzustellenden Rohalkohols lebten, wurde es so unmöglich, weiterzuarbeiten. Der Grund: Sie verfügten über keine funktionsfähigen Feinbrenngeräte und konnten deshalb nur Rohalkohol herstellen.

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„Stand der Dinge nun ist, dass die selbstvermarktenden Brennereien den Alkohol einkaufen müssen, denn eine eigene Herstellung zum Weltmarktpreis ist in Deutschland unmöglich“, erklärt Böckenhoff den Verfall einer alten deutschen Tradition.

Feinbrennen ist deutlich teurer geworden

Aber auch das Feinbrennen ist erheblich teurer geworden, wenn es überhaupt noch jemand machen kann. Die Neuanschaffung eines Feinbrenngerätes in der entsprechenden Größenordnung liegt bei rund 250.000 Euro. Für viele Brennereien ist das schlicht unerschwinglich.

„Darüber hinaus ist das auch eine Investition, die zur Zeit sich überhaupt nicht rechnet, denn man kann Alkohol viel billiger zum Beispiel aus Brasilien, ein Liter reiner Alkohol kostet hier 0,37 Euro, einkaufen, als ihn hier in Deutschland selber zu produzieren“, erklärt Böckenhoff.

Der Preisunterschied zeigt, wie schwer es traditionelle Betriebe inzwischen haben. Wer selbst brennt, arbeitet nicht nur gegen steigende Kosten, sondern auch gegen einen Weltmarkt, auf dem Alkohol in großen Mengen deutlich günstiger produziert werden kann.

Für Johannes Böckenhoff geht es deshalb nicht allein um Wirtschaftlichkeit. Es geht um ein Handwerk, um regionale Identität und um eine Brennereitradition, die in Erle seit Generationen verwurzelt ist.

Seit 1832 gibt es die Kleine Brennerei Böckenhoff

Seit 1832 gibt es die „Kleine Brennerei Böckenhoff“ in Erle. Eine Brennerei, die nur deshalb existieren konnte, weil sie den Bezug zur heimatlichen Region und ihren Menschen nie verloren hat.

„Ein großes Glück für mich war die Verbundenheit der Menschen um mich herum, die den selbst gebrannten Korn aus Erle schätzen“, sagt Böckenhoff, der die Kunst des Brennens beherrscht.

Diese Verbundenheit ist für ihn mehr als Kundentreue. Sie ist ein Stück Heimat. Die Menschen in der Region kennen den Korn aus Erle, viele verbinden damit Feste, Familiengeschichten und Begegnungen. Gerade das habe die kleine Brennerei über Jahrzehnte getragen.

Böckenhoff sieht seinen Erfolg deshalb nicht allein in der Qualität des Produktes, sondern auch in der Nähe zu den Menschen. Die Kleine Brennerei Böckenhoff sei nie ein anonymer Betrieb gewesen, sondern immer Teil des Dorfes und der Region.

Wasser aus den Halterner Sanden

Für den Geschmack des Korns spielt auch das Wasser eine wichtige Rolle. In Erle kann Böckenhoff auf eine besondere Grundlage zurückgreifen.

„Ein Korn sollte so gebrannt sein, das er noch an den Ursprung Korn erinnert. So haben wir in Erle das Glück, durch den unterirdischen See der Halterner Sande, ein Wasser benutzen zu können, was keine Verfälschung durch äußere Einflüsse hat“, verrät der Brennmeister eines seiner Brenngeheimnisse.

Für Böckenhoff gehört dieses Wasser zum Charakter des Erler Korns. Es soll den Brand nicht verändern, sondern ihm Klarheit geben. Der Korn soll erkennbar bleiben als das, was er ist: ein Getreidebrand ohne fremde Überlagerung.

„Wichtig war mir immer, dass ein Korn auch als Korn unverfälscht erkennbar ist. Der Geschmack eines fremden Destillates, wie so häufig gepriesen, ein Hauch von alten Whiskey, Cherry oder Eichen- oder von Weinfässern, sollte den typischen Korngeschmack nicht überdecken. Typisch war es eigentlich immer schon für Wodka, Grappa und Korn, den Brand unverändert zu lassen“, setzt Böckenhoff hinzu.

Damit beschreibt er eine Haltung, die in der Kornbrennerei Böckenhoff in Erle bis heute spürbar ist. Der Brand soll nicht modisch wirken, sondern klar, ehrlich und nah am Ursprung bleiben.

Nachfolger für die Kornbrennerei Böckenhoff in Erle gefunden

Eine Brennerei, die nur deshalb existieren konnte, weil sie den Bezug zur heimatlichen Region und ihren Menschen nie verloren hat, so fasst Johannes Böckenhoff seinen Erfolg über all die Jahre zusammen.

Mit Blick in die Zukunft hofft der 64-jährige Kornbrenner, dass diese alte Erler Brennereitradition erhalten bleibt. Auch wenn er nun so langsam seinem Unruhestand entgegensieht, ist er guter Dinge.

Die Verhandlungen mit seinem Nachfolger Dirk Böckenhoff, der in Dorsten eine Obstbrennerei betreibt, seien mittlerweile so weit gediehen, dass die Besiegelung per Vertrag nur noch reine Formalität sei.

Verwandt sind beide Böckenhoffs anscheinend, allerdings so entfernt, dass man die Ahnenreihe bis ins Jahr 1806 bemühen muss. Johannes Böckenhoff freut sich jedenfalls, dass er einen engagierten Nachfolger gefunden hat, der die Familientradition in Erle weiter betreibt.

So bleibt am Ende ein Satz, der zur Geschichte dieser kleinen Brennerei passt: Böckenhoff übernimmt Böckenhoff.

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