„Der Jugend gehört die Zukunft, den Alten die Vergangenheit, dem Weisen der Augenblick“, hat der deutsche Schriftsteller Stephan Sarek einmal gesagt.

Mit diesen Worten überraschte der Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Tünte am Montagabend während der vierstündigen Ratssitzung. Er wird mit beginn des kommendes Jahres aus seinem Amt als CDU-Fraktionsvorsitzender nach 34 Jahren ausscheiden.

Verabschiedung Fraktionsvorsitzender der CDU Raesfeld
Blumen zum Abschied für Karl-Heinz Tünte überreichten seine Ratsmitglieder Heinz-Dieter Strothmann (l.), Bernhard Belker und Inge Lütten.

„Ich zähle mich weder zu den Alten, noch halte ich mich für weise, aber ich habe mir immer vorgenommen, selbst zu entscheiden, wann aus meiner Sicht die Zeit des Abschiedes aus dem Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden gekommen ist. Für mich hat diese Frage mit der Gestaltung der Zukunft zu tun. Aus meiner Sicht ist die Zeit jetzt oder in den nächsten Wochen gekommen, wenn die CDU-Fraktion über dieNeubesetzung des Amtes diskutiert und entscheidet. Dazu werden Sie und auch die Öffentlichkeit Anfang 2019 natürlich informiert werden“.

Nach mehr als 34 Jahren stellt Tünte sein Amt als Vorsitzender der CDU-Fraktion Anfang 2019 zur Verfügung.

„Nicht, weil ich müde wäre oder keine Ideen mehr hätte, sondern weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass der CDU-Gemeindeverband Raesfeld-Erle und die CDU-Fraktion gut beraten sind, rechtzeitig vor der nächsten Kommunalwahl im Jahre 2020 dieWeichen für einen geordneten Übergang zu sorgen. Daran will ich aktiv mitwirken“.

Weiter betonte der Fraktionsvorsitzende: Ich glaube sagen zu dürfen, dass ich meine Aufgabe mit Engagement, Freude und ich glaube insgesamt auch mit Erfolg für die CDU, besonders aber für die Gemeinde Raesfeld wahrgenommen habe.

Ratssitzung Gemeinde Raesfeld Abschied karl-Heinz Tünte

 „Meine Wähler haben mich für die Zeit bis 2020 gewählt. So Gott will, werde ich mein Mandat weiter nach bestem Wissen und Gewissen ausüben“.

Bedanken möchte sich der ausscheidene Fraktionsvorsitzende bei allen, die ihn in der Zeit seit 1984 unterstützt haben.

Danke für das Vertrauen

„An erster Stelle danke ich meiner Frau und meiner Familie, die es nicht immer leicht hatte, mich zu ertragen, wenn etwas nicht solief, wie ich es mir vorgestellt hatte und die die Belastung über diese lange Zeit mitgetragen hat. Ich danke dem ehemaligen Bürgermeister Reinhard Kipp, der mir 1984 mit der damaligen Fraktion das Vertrauen ausgesprochen hat und über die Jahre vielen anderen Fraktionsmitgliedern, die mir vertraut haben“.

Sein weiterer Dank gelte ganz besonders auch dem heutigen Ehrenbürgermeister Udo Rößing, mit dem er, wie er ergänzte, viele Jahre angefangen von der Wahl zum 1. Gemeindedirektor bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt, vertrauensvoll zusammenarbeitet hat.

Herzlich dankte Tünte auch Bürgermeister Andreas Grotendorst, mit dem er, wie er betonte, die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit bis heute nahtlos fortsetzen konnte. Diesen Dank erweiterte er ausdrücklich in Richtung des Beigeordneten Martin Tesing, der ihn in vielen Fragen immer wieder unterstützt habe und sich jederzeit ansprechbar und hilfsbereit gezeigt hat.

Zusammenarbeit

Besonders angenehm und persönlich beeindruckend sei für ihn die Art der Zusammenarbeit mit allen genannten Personen gewesen. „In diesen Dank möchte ich ausdrücklich auch die Mitarbeiter der Verwaltung einbeziehen“.

Weiter betonte Tünte, dass die Arbeit in der Fraktion selbst vielfältig, interessant, herausfordernd, spannend, freundschaftlich, von gegenseitigem Respekt getragen, in der Sache durchauskontrovers und längst nicht immer einhellig, auch, wenn das von Außenstehenden häufig so wahrgenommen wurde, war.

Über die intensive Zusammenarbeit seien, so Tünte, freundschaftliche Verbindungen untereinander entstanden, die er nicht missen und die er gerne weiter pflegen möchte. „Danke an alle, die dazu beigetragen haben und mir, oft über viele Jahre ihr Vertrauen geschenkt, ihre Unterstützung gegeben und ihre Loyalität bewiesen haben“.

Unterschiedliche Meinungen

In der Sache unterschiedlicher Meinung zu sein, zeichne eine lebendige Gemeinschaft und Gemeinde aus.
Auch das habe für den Fraktionsvorsitzenden zu einer lebendigen Demokratie dazu gehört und die, „wie wir sie nach meinem Eindruck in Raesfeld überwiegend gelebt haben. Danke an die Fraktionender UWG, der SPD und der Grünen, dass das so möglich war. Unsere Diskussionen waren immer an der Sache orientiert und nie persönlich verletzend“.

Weiter bedankte sich Tünte  bei den Damen und Herren der Presse. „Ohne ihre objektive Berichterstattung wäre vieles von dem, was wir hier über Jahre „verhackstückt“ haben, nicht bei den Bürgernunserer Gemeinde und darüber hinaus angekommen. Sie haben fair berichtet und ganz wesentlich für mehr Transparenz gesorgt“

Sein persönliches Fazit -Auszug aus seiner Rede

„Einigkeit macht stark. Kleinliche Auseinandersetzungen um öffentlicher Wirkungen willen, sind überflüssig wie ein Kropf. Wir haben im Laufe der Jahre ein Miteinander entwickelt, das geprägt ist von gegenseitiger Achtung und Respekt vor Andersdenkenden, weg von persönlichen Angriffen. Die Fragen in der Welt und auch die Aufgaben in der Gemeinde sind komplexer geworden. In Einzelfragen ist spürbar, dass der Umgang rauer geworden ist.

Sogar vor anonymen Drohungen schreckt man, wer auch immer mit „man“ gemeint sein kann, heute nicht mehr zurück. Wir machen sicher nicht immer alles richtig. Aber wir, das glaube ich für alle hier sagen zu dürfen, engagieren uns nach bestem Wissen und Gewissen für den Zusammenhalt in der Gemeinde und eine kontinuierliche Weiterentwicklung.

Bei allem, was wir tun, sollte uns immer bewusst sein, dass wir in Raesfeld sind. Wir lieben unsere Gemeinde, wir gehen pragmatisch mit unseren Herausforderungen um. Dieser Weg hat sich bewährt.

Unsere Gemeinde Raesfeld hat sich dank einer besonnenen Politik über viele Jahre prächtig entwickelt. Wir alle haben viel getan und viel erreicht. Die Gemeinde Raesfeld hat in vielen Bereichen den Anschluss an die Zukunft erreicht. Darauf dürfen wir alle stolz sein. Wenn das so bleiben soll, bleibt natürlich auch weiter viel zu tun.


Zitat: „Die CDU ist macht besessen und missbraucht ihre Mehrheit.“

Das hören wir immer wieder. Dazu kann ich nur sagen:

Mit einer Mär möchte ich doch zum Abschluss meiner Zeit als Vorsitzender aufräumen.

 1. Mit dieser Mehrheit sind wir aufgrund intensiver, teils harter und überzeugender Arbeit über Jahrzehnte immer wieder vom Wähler ausgestattet worden. Das kann man uns doch wohl nicht vorwerfen.

2. Ich behaupte: Wir haben diese Mehrheit, Kritiker sprechen von Machtfülle, nie missbraucht. Der deutlichste Beleg dafür ist doch, dass die Beschlüsse im Rat und in den Ausschüssen geschätzt zu mehr als 95 % einstimmig gefasst werden.

3. Alle Kritiker sollten sich doch einmal ansehen, was aus Raesfeld geworden ist. Warum stehen wir so gut da? Ich behaupte, dass wir gute Politik gemacht haben, die vom Bürger/Wähler anerkannt wird.

4. Es ist doch ein schlechter Treppenwitz, dass die CDU selbst für das Kneipensterben in Raesfeld verantwortlich gemacht wird.

Zukunft gestalten heißt, Verantwortung übernehmen

Das hat die CDU immer getan. Zukunft gestalten heißt weiter:
Vertrauen schaffen. Vertrauen untereinander, Vertrauen gegenüber den Bürgern durch verlässliche Politik, Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen,Vertrauen in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung.
Im Gemeinderat bilden wir eine Einheit, die nur ein Ziel haben sollte, die Gemeinde weiter voran zubringen. Daran müssen wir immer weiter arbeiten.

Vera Simon, eine deutsche Aphoristikerin, hat einmal gesagt: „Die Zukunft ist wie eine Lotterie mit dem „großen Los“ und vielen Nieten. Kein Wunder, dass viele vor der Zukunft Angst haben.“
 Wir sollten unseren Beitrag dazu leisten, dass diese Angst bezogen auf unsere Gemeinde unbegründet ist und dass wir mit Zuversicht in die Zukunft blicken können.

Richtig ist dann die Schlussfolgerung des deutschen Schriftstellers Christian Morgenstern: „Wenn jeder bei sich anfinge, wäre die schönste Zukunft gesichert.“

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