Heimatverein – Engagement für die Heimat auch für junge Leute und Familien attraktiv.

Erle (pd). Ein Blick in die Runde zeigte den Wandel: Nicht nur das klassische Klientel der älteren Mitbürger, sondern auch junge Familien mit Kindern und junge Erwachsene konnte der Vereinsvorsitzende Norbert Sabellek unter den 70 Teilnehmern des Jahreshauptversammlung begrüßen.

Dem Verein ist es gelungen, durch seine Schwerpunktsetzungen auch junge Leute für die Heimatarbeit zu begeistern.

Versammlung: Gut besucht war die Jahreshauptversammlung auch dank des Erscheinens junger Leute und Familien.

Zusammenarbeit zwischen Schule und Heimatverein
Seit Jahren schon bringen die 4 Mentorinnen den „Brejpollspöllern“, den Grund- und Sekundarschülern  der Plattdeutsch-AG, durch Spielen, Singen, Sprechen und Lesen die Erler Mundart spielerisch bei, weiß Doris Grunewald zu berichten. Der Andrang zu der AG sei groß; denn den jungen Schauspielern mache es einen Riesenspaß, in Altenheimen, an Seniorennachmittagen, beim Maikranzaufhängen, auf dem Sommerfest und am Plattdeutschen Nachmittag Sketche, Reigen, Märchen und selbstgeschriebene Stücke in Erler Platt aufzuführen. Die „grooten Brejpottspöllers“ schreiben zurzeit an einem Plattdeutsch-Krimi: Tatort Erle. Durch das Hobby ihrer Kinder kommen auch deren Eltern zum Heimatverein.

Gleiches gelte auch für die Garten-AG am Heimathaus, in dem die Kinder erfahren, wie gesät, gepflegt und geerntet wird, berichtet Ingrid Horstmann. Als die Lokalzeit des WDR in Erle an der Femeiche drehte, präsentierten die Kinder in dem Filmbeitrag, wie sie Eicheln unter der Femeiche sammeln und diese im Heimathausgarten zu Eichensetzlingen heranziehen, die dann mit Zertifikat verkauft werden. Für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Heimatverein wurde der Verein vom Landrat Dr. Zwicker bei der Verleihung des Heimatpreises des Kreises Borken mit einer Urkunde und 200 Euro besonders gewürdigt.

Norbert Sabellek heimatpreis Raesfeld 2019

Babywiese mit Heimatpreis ausgezeichnet

Ein weiterer Bereich, in dem Kinder und Jugendliche sich für die Heimatarbeit engagieren, ist die Babywiese, auf der mittlerweile 60 Obstbäumchen gepflanzt wurden, für die Kinder als Baumpaten fungieren. Jeden ersten Samstag im Monat treffen sich Kinderpaten und ihre Familien auf der Wiese, um Pflegearbeiten durchzuführen und neue Beete anzulegen.

So wurden auch unter Mitwirkung von Grundschulklassen eine Wildblumenwiese, ein Kräuter- und ein Sumpfbeet angelegt. Drei dort stationierte Bienenvölker sorgen seit einem Jahr für die Bestäubung der Bäume und Pflanzen.

Heimatverein pflanzt neue Bäume

Für sechs neu gepflanzte Birnen- und Apfelhochstämme konnte der Heimatverein ortsansässige Vereine (Schützenverein, Eintracht Erle, die KLJB Erle-Rhade, die Silvesterschule, Imkerverein Raesfeld) sowie den ehemaligen Vereinsvorsitzende Klaus Werner, dem Ideengeber für eine Babywiese, als Baumpaten gewinnen und die Verbundenheit der Vereine mit dem Heimatprojekt Ausdruck verleihen. Insbesondere die Landjugend war mit Tat- und Maschinenkraft eine unersetzliche Hilfe beim Ausbau der Babywiese.

Künftige Arbeit- und Freizeitgestaltung mit Baumpaten

Beim Interview von Norbert Sabellek mit Baumpatenkindern machten diese einige gute Vorschläge für die künftige Arbeit und Freizeitgestaltung: Bau eines Geräteschuppens, Paprikazüchten, eine Infotafel für die Babywiese sowie Gerichtsspiel an der Femeiche und gemeinsame Ausflüge. Für das Projekt Babywiese erhielt der Heimatverein den drittplazierten Heimatpreis, der mit 1000 € dotiert ist. In der Begründung der Preisverleihung wird insbesondere der ökologische und soziale Effekt der Babywiese als Biotop für Pflanzen und Insekten und die Einbeziehung von Familien und Vereinen bei der Anlage und Pflege des landschaftlichen Idylls hervorgehoben.

Baumpflanzung: Vertreterinnen und Vertreter von Eintracht Erle, der Landjugend und dem Imkerverein präsentieren auf der Babywiese als Baumpaten ihre Baumschilder und Patenurkunden.

Gang nach Emmaus

Hildegard Gülker berichtet von der Arbeit der „Koffieköppkes“. Seit 10 Jahren haben die Seniorinnen und Senioren 16 Ordner alter Fotos mit Namen und Ereignissen zusammengestellt und Totenzettel archiviert. Beides soll in den nächsten Jahren digitalisiert und auf der Homepage zugänglich gemacht werden.

Auch Texte über altes Brauchtum wurden verfasst wie „De Pingsterbrut“ und „Denn Versehgang“. Für den Osterpfarrbrief erscheint ein Bericht über den „Gang nach Emmaus“. Das Evangelium des 2. Ostertags nahmen junge Leute früher als Anlass, nach den Entbehrungen der Fastenzeit an diesem Tag einen feucht-fröhlichen „Emmaus-Gang“ in die Gasthäuser des Dorfes zu unternehmen oder den Nachbarort einzubeziehen, wie im Jahre 1873, als Raesfelder Junggesellen nach Erle kamen, um den Erler Kirchturm zu vermessen zum Beweis, dass er kleiner war als der Raesfelder, aber von den Erlern mit einem „Güllesegen“ vertrieben wurden.

Älteste Eiche Deutschlands Erler Femeiche

Die Femeiche ist nach wie vor Anlaufpunkt für viele Besucher aus aller Welt. In das Gästebuch der Eiche haben sich u. a. Besucher aus Spanien, Russland, Japan und Australien eingetragen. Eine Juristin habe augenzwinkernd vermerkt, berichtet Carlo Behler, dass das Femegericht unter der Eiche eindeutig gegen heutige Rechtsmaßstäbe verstoßen habe: Öffentlichkeitsgrundsatz, Anwesenheit des Angeklagten und richterliche Beweisführung. Im November brachte Fernsehen und Hörfunk des WDR Berichte über die Bedeutung des 1000-jährigen Baumes anlässlich der Baumschnittarbeiten zur Entfernung des Totholzes.

Gedenktag am 22. März

Hubert Leiers weist auf den Gedenktag des Heimatvereins am 22. März anlässlich der der Bombardierung Erles vor 75 Jahren am 23.3. 1945. Ab 11 Uhr soll im Heimathaus bei einer von ihm zubereiteten Gemüsesuppe mit Zeitzeugenberichten der Zerstörung Erles gedacht werden. Um 18.30 Uhr wird am Ehrenmal unter Beteiligung mehrerer Vereine der Opfer von Kriegen, Diktatur und Verfolgungen gedacht werden.

Das laufende Jahr bietet den Heimatfreuden wieder viele interessante Programmpunkte: u. a. ein offenes Singen, einen Ausflug in die Glockenstadt Gescher und den Besuch des jüdischen Museums in Dorsten. Zudem stehen größere Umbauarbeiten im Heimathaus an. Die Gemeinde lässt das ehemalige Badezimmer zu einer behindertenfreundlichen Toilette umbauen, die Küche bekommt einen neuen Belag, die Treppe einen zusätzlichen Handlauf und vor dem Eingang wird eine feste Rampe gebaut.

Weil die Versammlung am internationalen Frauentag stattfand, nahm Norbert Sabellek diesen Gedenktag zum Anlass, sieben besonders verdienstvolle Frauen mit einem Blumengeschenk zu ehren. Auch Hubert Leiers als ein Hauptsponsor des Vereins und Tobias Honvehlmann von der Landjugend als tatkräftiger Helfer auf der Babywiese wurden geehrt. Die Versammlung endete mit einem amüsanten Rückblick in Bildern und Filmen auf das vergangene Jahr und dem „Erlsken Leed“.

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