Wenn Dr. Elisabeth Schwane durch ihre alten Fotoalben schaut, dann kann die Erlerin viel erzählen.

Die heute 94jährige hat die Kriegsjahre in und um Erle hautnah als junge Studentin erlebt. Für damalige Verhältnisse war es nicht alltäglich, dass ein junges Mädchen aus Erle studierte.
Bereits 1931 besuchte Elisabeth Schwane das Gymnasium in Dorsten, wo sie 1939 bei den Ursulinen ihr Abitur machte. „Es war damals schon etwas Besonderes, denn nicht jeder konnte das Schulgeld von 21 Mark monatlich bezahlen“, erinnert sich Elisabeth Schwane. Hinzu kam der beschwerliche Schulweg von Erle nach Dorsten. „Mit dem Fahrrad fuhren wir morgens um 6 Uhr nach Rhade, bei Wind und Wetter. Weiter ging es dann mit dem Zug bis Dorsten“. Diese Mühe nahm aber damals Elisabeth Schwane gerne in Kauf. „Ich habe zwei Jahre lang gebettelt, dass ich auf diese Schule darf.

Dr. Elisabeth Schwane Erle

Der Übergang von der Dorfschule war aber dann schwer zu verkraften, denn die Mädchen kannten sich alle bereits, und ich als Kind vom Lande hatte es schwer“, so Elisabeth Schwane, die erst ab der Sexta nach Dorsten in die Schule kam.

Landkind trifft auf Stadt
Der soziale Unterschied zwischen Stadt und Land war an vielen Kleinigkeiten erkennbar, nicht nur an der Kleidung. „Als wir einen Aufsatz schreiben mussten, was wir alles an Heilig Abend erlebt haben, musste ich erst fragen, was denn überhaupt Heilig Abend ist.

Das kannten wir bei uns nicht, denn wir feierten nur Weihnachten“. Auffällig wurde Elisabeth auch bei einigen ihr unbekannten Wörtern beim Vorlesen. „Ich musste einen Text vorlesen, wo das Wort Pyjama drin vorkam. Da fing ich mächtig an zu stottern und war todunglücklich“.

Arbeitsdienst nach dem Abitur
Nach dem Abitur ging es dann direkt für ein halbes Jahr zum Arbeitsdienst. Das war Pflicht für alle, die studieren wollten. Diese Zeit war geprägt von Arbeit bei einem Bauern in Rinteln an der Weser, mit allen Arbeiten, die tagtäglich anfielen.

Elisabeth Schwane als junge Referendarin bei ihrem Arbeitseinsatz in Polen
Elisabeth Schwane als junge Referendarin bei ihrem Arbeitseinsatz in Polen

Studium in Münster

1940 startete Elisabeth Schwane ihr Studium in Deutsch, Geschichte und Erdkunde in Münster, wo sie auch ihr Examen machte. Ihren Doktortitel machte Elisabeth Schwane an der Uni in Marburg 1944.
Von dort aus ging es weiter zur Referendarsausbildung nach Würzburg. Weitere Stationen im Leben waren unter anderen Ibbenbüren, wo Dr. Elisabeth Schwane unterrichtete. Zwischendurch musste die junge Studentin zum Arbeitseinsatz 1941 nach Königsberg. Dort gab sie Deutschunterricht für umgesiedelte Wolhyniendeutsche.

Das Elternhaus von Elisabeth Schwane - heute Gaststätte Brömmel-Wilms
Das Elternhaus von Elisabeth Schwane – heute Gaststätte Brömmel-Wilms

1945 fungierte Elisabeth in Erle bei den Alliierten als Dolmetscherin. „Es war eine schreckliche Situation bei uns. Mein Elternhaus war voll von Soldaten und für mich gab es kaum einen Platz und ich musste immer erst fragen, wenn ich ins Haus wollte. Dennoch waren die Amis im großen und ganzen freundlicher als die Engländer“.
Heute ist Dr. Elisabeth Schwane immer noch im Heimatverein Erle aktiv. Erst kürzlich vermachte sie dem Verein ein Buch „Goethes Faust“, was sie 1945 aus einer Latrine in Erle rettete.

Die Femeiche in ErleKindheitserinnerungen

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