Selbsthilfegruppe Cochlea Implantat Selbsthilfegruppe Ruhrgebiet Nord trifft sich im Lukaszentrum

Raesfeld. Schwerhörigkeit – ein Problem im Alltag. Für diejenigen, die betroffen sind. Nicht für den Gesunden. Und doch beginnt genau hier die Problematik zwischen Verstehen und Nicht-Verstehen. Zwischen Betroffenen, Angehörigen und Bekannten. In der Cochlea-Gruppe treffen sich Betroffene.

Für „Guthörende“ ist Schwerhörigkeit zunächst unsichtbar und unhörbar. Nach wie vor ist die Annahme weit verbreitet, dass lautes Sprechen oder gar Schreien schwerhörigen Menschen ein normales Hören und Verstehen ermöglichen würde.

Chochlea-Selbsthilfegruppe-Raesfeld

Langsam, deutlich und ruhig sprechen

Genau das Gegenteil ist der Fall: „Die Probleme sind bei jedem von uns individuell. Ich persönlich kann jemanden nur schwer verstehen, wenn er laut und schnell spricht“, erklärt Mechthild Lienemann von der Cochlea-Gruppe. Besser sei es, langsam, deutlich und ruhig zu sprechen und den Gesprächspartner gut sehen zu können.

Lienemann ist eine von 13 Teilnehmern der Selbsthilfegruppe Cochlea Implantat Selbsthilfegruppe Ruhrgebiet Nord. Erstmals nach Corona traf sich diese kürzlich im Lukaszentrum in Raesfeld. Betroffene der Gruppe haben ein Cochlea-Implantat im Ohr – oder zumindest die Überlegung im Kopf, ob es sinnvoll ist. Das Implantat ist eine Hörprothese. Sie ist für Menschen gedacht, die an Taubheit grenzend, schwerhörig oder gehörlos sind. Sie haben kaum oder keinen Nutzen von normalen Hörgeräten.

Cochlea-Gruppe trifft sich in Raesfeld

Für Betroffene ist die Maske eine höhere Hürde, um Gespräche besser zu verstehen: „Für Hörbehinderte ist es einfacher, das Gegenüber zu sehen. Wir sind immer auf das Mundbild angewiesen“, erklärt Ingolf Köhler, Leiter der Gruppe.

Er war zunächst auf einem Ohr taub. Dann begannen die Schwierigkeiten auf dem anderen Ohr. Auf einer medizinischen Hochschule wurde geklärt, ob das Implantat für ihn infrage kommt. „Der Hörnerv selbst muss dafür noch funktionieren“, erklärt er. „Die Technik ist sehr raffiniert und hat Vorteile. Vieles wird gedämpft“. Dennoch filtert das Implantat nicht alle Störgeräusche im Alltag.

Cochlea-Implantat kann helfen

Laute Nebengeräusche wie Autorauschen machen ein Verstehen schwieriger. „Manche Kollegen denken: Mit dem CI hört er wieder so gut.“, meint Köhler weiter. „Man hört noch nicht richtig gut. Mit dem Implantat wird man nicht guthörend“.

Aber: Dank des speziellen Implantats können sie Gespräche besser verstehen. Unter anderem war eine Großmutter für ihre Enkelin zur Selbsthilfegruppe gekommen. Sie wollte sich schlau machen, ob das Implantat für Kleinkinder infrage kommt. „Für kleine, taube Kinder ist der Einsatz von Cochlea-Implantaten sehr wichtig.“, erklärt der Leiter. Immerhin könne sich die Sprache nicht richtig entwickeln, wenn das Kind taub ist.

Aufgrund dessen blieben Betroffene in der Vergangenheit oft taubstumm. „Mit dem Implantat können sie sich fast normal entwickeln. Normal genug, um die Sprache zu hören und somit zu lernen“. So verbessert sich ihre Situation für das ganze Leben.

Cochlea-Gruppe existiert seit 2002

Einst hat Elvira Mager die Gruppe 2002 ins Leben gerufen. Die Cochlea-Implantat-SHG fühlt sich im Lukaszentrum gut aufgehoben. Hier haben sie – anders als in Gaststätten – eine ruhige Atmosphäre, in der die Kommunikation ohne „Störgeräusche“ möglich ist. Die Gruppe richtet sich an Betroffene und die Öffentlichkeit.

So leistet die Gruppe einen wertvollen Beitrag für das gegenseitige Verstehen, „Hörverstehen“ und für Kommunikation in der Gesellschaft. Mittlerweile wird die Gruppe von Ingolf Köhler geleitet. Wer selbst über ein Cochlea-Implantat nachdenkt, ist in der Gruppe herzlich willkommen. Kontakt: Ingolf Köhler: Tel.: 0281/ 61541. Weitere Infos auch unter www.ci-shg-ruhrgebiet-nord.de

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Moin, ich bin André Elschenbroich. Vielen bekannt unter dem Namen Elsch. Der Eine oder Andere verbindet mich noch mit der WAZ, bei der ich 1988 als freiberuflicher Fotojournalist anfing und bis zur Schließung 2013 blieb. Darüber hinaus war ich in ganz Dorsten und der Region gleichzeitig auch für den Stadtspiegel unterwegs. Nachdem die WAZ dicht machte, habe ich es in anderen Städten versucht, doch es war nicht mehr dasselbe. In über 25 Jahren sind mir Dorsten, Schermbeck und Raesfeld mit ihren Menschen ans Herz gewachsen. Als gebürtiger Dorstener Junge merkte ich schnell: Ich möchte nirgendwo anders hin. Hier ist meine Heimat – und so freut es mich, dass ich jetzt als festangestellter Reporter die Heimatmedien mit multimedialen Inhalten aus unserer Heimat bereichern kann.

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