Um den Büchereistandort in Erle zu erhalten, soll diese sich zukünftig auf Kinder spezialisieren

Enormer Rückgang an aktive Leser lässt auf Dauer keine andere Lösung zu. Neue Medien wie Tonies und Nintendo-Spiele sollen, neben einen Basisbestand von 20 bis 30 Bestsellerromanen, für Erwachsene zukünftig angeboten werden.

Mit einem sensiblen Thema muss sich der Hauptausschuss der Gemeinde am 21. Juni befassen. In seiner Sitzung geht es um die zukünftige Neuausrichtung der Bücherei Erle.

Es soll laut Empfehlung des Büchereibeirates beschlossen werden, dass die Erler Bücherei, die sich seit 2015 im St. Silvester Haus befindet, zukünftig nur noch Kinderbücher anbietet. Träger der beiden katholischen Büchereien ist die Kirchengemeinde St. Martin.

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Bei der Neuöffnung im Januar 2016 gab es noch 7100 Medien, die in die neuen Regale sortiert werden mussten. Foto Archiv: Petra Bosse

Nur noch 217 aktive Nutzer

Aufgrund der seit Jahren andauernden sinkenden Besucher- und Ausleihzahlen, verzeichnet der Standort aktuell nur noch 217 aktive Nutzer. Laut Markus Büsken, Erster Beigeordneter Raesfeld, sank die Zahl der der Nutzer, coronaunabhängig, von 2010 bis 2018 um 33 Prozent. Im Vergleich zu Raesfeld ist der Anteil der Nutzer im Vergleichszeitraum um etwa 2 Prozent. Hinzu komme laut Büsken, dass Erwachsene die Erler Bücherei kaum noch nutzen; nur 25 Prozent der Gesamtleserschaft sind Erwachsene (in Raesfeld liegt der Anteil der Erwachsenen bei 63 Prozent).

Aufwendungen belaufen sich jährlich auf 164.000 Euro

Nachgefragt werden nur noch Kinderbücher in Erle. Bedingt dadurch, dass die Schüler der Silvesterschule eigenständig die Bücherei aufsuchen, seien auch am Sonntag kaum noch Eltern mit ihren Kindern dort anzutreffen.

Aufgrund dieser andauernden Entwicklung sei laut Büsken die Erler Bücherei nicht mehr in der Förderung des Bistums Münster. Die jährlichen Aufwendungen für beide Büchereien belaufen sich auf 164.000 Euro. Insgesamt trägt die Gemeinde bereits heute einen Großteil der Kosten. Das Kernproblem sei, dass die Kosten im Vergleich zu den geringen Ausleihzahlen der vorhandenen Medien, aktuell sind es 5.700, deutlich zu hoch sind. Bei der Größenordnung der Ausleihe müsste dieser auf 3000 Medien reduziert werden.

Keine Einnahmen

Bei dem derzeitigen deutlich überschrittenen Medienbestand liegen jedoch die Voraussetzungen zur Gewährung einer Bibliothekstantieme nicht mehr vor. Hierunter versteht man eine Vergütung der Bücherei an den Autor, dass die Bücherei seine Bücher quasi gegen eine geringe Gebühr ausleihen kann. Dieses Kriterium ist in Erle nicht gegeben und sofern eine Anpassung des Medienbestandes daher nicht vorgenommen werden wird, führt das letztendlich zu einer Schließung der Bücherei.

Die Gemeinde hat daher schon im April Gespräche über die Zukunft des Büchereistandort Erle mit der Kirchengemeinde, der Büchereileiterin Jutta Weber sowie mit der Fachstelle Büchereien Bistum Münster geführt.

Profilschärfung

In einem Punkt seien sich laut Markus Büsken alle einig gewesen: Der Büchereistandort soll als Kinderbücherei überführt werden und in diesem Rahmen durch eine Profilschärfung neugestaltet werden.

Angepasst an der neuen Situation soll der Medienbestand mit überwiegend nur noch Kinderbücher, ergänzt um einige wenige Zeitschriften sowie einen Basisbestand von 20 bis 30 Bestsellerromanen für Erwachsene. Gleichzeitig soll auch die Aufenthaltsqualität in der Bücherei verbessert werden. Angedacht beispielsweise könnte dies eine Spielecke für Kinder oder einer Aufstockung des bisherigen Angebotes für Kinder wie Tonies oder Nintendo-Spiele sein.

„Mit dieser Umstrukturierung könnte der Büchereistandort Erle langfristig gesichert werden“, betont Markus Büsken. Der Büchereibeirat hat in seiner Sitzung am 6. Mai einstimmig beschlossen, diesen neuen Weg zu gehen. Nun muss nur noch der Hauptausschuss der Gemeinde sich dieser Empfehlung anschließen.

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