Borkens ehemaliger Oberkreisdirektor Raimund Pingel vollendet am 27. April 2015 sein 80. Lebensjahr

Landrat Dr. Kai Zwicker würdigt dessen Wirken: „Großer Einsatz für die Region – auch über die lange Dienstzeit hinaus!“

Kreis Borken (pd). Am 27. April 2015 vollendet Raimund Pingel sein 80. Lebensjahr. Mehr als 27 Jahre leitete er als Oberkreisdirektor mit großer Schaffenskraft und hohem Sachverstand die Geschicke der Kreisverwaltung Borken. In seiner langen Amtszeit sorgte er entscheidend mit für die erfolgreiche Entwicklung des Westmünsterlandes. Auch nach dem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand im Jahr 1999 war und ist er weiterhin für „seinen“ Kreis Borken und die gesamte Region ehrenamtlich im Einsatz. Landrat Dr. Kai Zwicker würdigte dieses beispielgebende Engagement im Interesse der Bürgerinnen und Bürger: „Wir sind sehr dankbar dafür und profitieren auch heute noch von seinem Wirken!“ Raimund Pingel, verheiratet und Vater von zwei Kindern, wurde am 27. April 1935 in Hagen geboren. Nach dem Abitur 1955 studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg und Münster. Zudem besuchte er die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Nach der zweiten Staatsprüfung erhielt er 1964 seine erste Stelle als wissenschaftlicher Assistent an der juristischen Fakultät der Universität Münster. 1967 trat er als Regierungsassessor in den Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen und war im Regierungspräsidium Münster im Schuldezernat sowie in der Kommunalaufsicht tätig. Für fast ein Jahr wurde er 1968 zur Kreisverwaltung Lüdinghausen abgeordnet.

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Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ehrte Raimund Pingel vor zwei Jahren mit dem Verdienstorden des Landes NRW

Dort war er u.a. mit Sonderaufgaben des Oberkreisdirektors Dr. Egbert Möcklinghoff, des späteren Innenministers von Niedersachsen, beauftragt. Von Januar 1969 bis März 1970 nahm Raimund Pingel auf Vorschlag des nordrhein-westfälischen Innenministers am vierten Fortbildungslehrgang der Bundesregierung für Verwaltungsführung und internationale Aufgaben, einer Sonderausbildung für Spitzenkräfte aus der Verwaltung auf Bundes- und Landesebene, teil. Im Anschluss daran berief ihn der Ministerpräsident nach Düsseldorf in den Planungsstab der Staatskanzlei. Nach mehrmonatiger Tätigkeit im Kommunaldezernat beim Regierungspräsidenten in Münster ab Juli 1970 wurde er im Dezember des selben Jahres wissenschaftlicher Berater der CDU-Landtagsfraktion vor allem für Kommunalpolitik, kommunale Finanzen, Verwaltungs- und Gebietsreform sowie Landesplanung.

Am 24. Mai 1972 wählte ihn der Borkener Kreistag zum Oberkreisdirektor. Das Amt trat er am 1. August 1972 an, zu einer Zeit, als die kommunale Neugliederung der Kreise in die entscheidende Phase kam. Mit viel Herzblut widmete sich Raimund Pingel dieser Aufgabe zunächst im alten, ab 1975 im neu gebildeten Kreis Borken. Das Verbleiben des Raumes Bocholt im Münsterland und die Zusammenfassung mit dem Kreis Borken hat er wesentlich mitbeeinflusst. Dass sich der Kreis nach den „heftigen Geburtswehen“ schon bald als Einheit präsentieren konnte, war gerade auch mit sein Verdienst.

Sein besonderes Augenmerk galt der Verbesserung der wirtschaftlichen Strukturen im Kreisgebiet. War der Kreis Borken zu Beginn seiner Amtszeit vor allem durch Landwirtschaft und Textilindustrie geprägt, gelang es im Laufe der Jahre, die wirtschaftliche Basis deutlich zu verbreitern. Pingels engagierter Einsatz trug dazu bei, dass in einer Gemeinschaftsleistung von Wirtschaft und Verwaltung die Textilkrise überwunden werden konnte. Dass der Kreis Borken heute zu den Regionen mit außerordentlich niedriger Arbeitslosenquote in Nordrhein-Westfalen gehört und über leistungsstarke mittelständische Betriebe verfügt, geht mit auf sein Wirken zurück. Gegründet wurde nach der Neugliederung eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken, und durch den Bau der Autobahn A 31 konnte auch die Infrastruktur im Kreisgebiet nachhaltig gefördert werden.

In den über 27 Jahren seines Wirkens als Oberkreisdirektor hatte Raimund Pingel auch stets die Verbesserung der so genannten weichen Standortfaktoren im Blick. Bedeutende Einrichtungen – so die Erholungsanlage Pröbsting, die Landesmusikakademie in Heek-Nienborg, das Künstlerdorf Schöppingen, das Hamaland-Museum Vreden/Kreismuseum Borken und das Landeskundliche Institut Westmünsterland sowie die Fachhochschule in Bocholt – konnten nicht zuletzt dank seines unermüdlichen Engagements geschaffen werden. Nachhaltig verbessern sie – neben Institutionen wie der Berufsbildungsstätte Westmünsterland in Ahaus, die als erste gemeinsame Einrichtung im neuen Kreis gegründet wurde – die Standortqualität des Raumes.

Raimund Pingel war seit 1987 Sprecher der Oberkreisdirektoren im Regierungsbezirk Münster und vier Jahre lang – bis zu seinem Ruhestand – auch im gesamten Land Nordrhein-Westfalen. In seiner langen Amtszeit gehörte er vielen Gremien an. So war er u.a. Vorsitzender des Finanzausschusses des Landkreistages Nordrhein-Westfalen und der Euregio-Arbeitsgruppe, zudem als Mitglied der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe stellvertretender Vorsitzender des Straßen- und Hochbau-Ausschusses.

Sein vorbildlicher Einsatz für das Allgemeinwohl hat ganz besondere öffentliche Anerkennung gefunden: So wurde Raimund Pingel mit der Ehrenplakette der Handwerkskammer Münster und dem Ehrenring des Kreises Borken sowie vom Bundespräsidenten mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ehrte ihn vor zwei Jahren mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Die niederländische Königin ernannte ihn angesichts der großen Verdienste um die deutsch-niederländische Zusammenarbeit zum Offizier des Ordens von Oranien-Nassau. Überdies erhielt er den „Mozerpreis“ der Provinz Gelderland.

„Zur Ruhe“ kam Raimund Pingel nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1999 natürlich nicht. Mit dem ihm eigenen, beispielgebenden Engagement setzte und setzt er sich vielmehr weiterhin uneigennützig auf vielfältige Weise für die Menschen der Region und darüber hinaus ein; insbesondere im Verein Westfalen-Initiative e.V., im DRK-Kreisverband Borken e.V., in der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Landesmusikakademie NRW e.V., im Trägerverein Tiergarten Schloss Raesfeld e.V., im Kulturkreis Schloss Raesfeld e.V., in der Bundesgemeinschaft für Deutsch-Niederländische Kulturarbeit und im Verwaltungsrat des Westfälischen Heimatbundes