Axtschläge, dröhnende Motorsägen, Kühe im Schauring und Kinder mit Kälbchen: Beim Tag der Landwirtschaft auf dem Hof Schulze-Beikel in Borken-Marbeck gab es am Sonntag, 13. September, viel zu sehen. Moderne Landtechnik, Tiere, Direktvermarkter und Mitmachangebote für Kinder bestimmten das Bild. Nur der Nieselregen machte es Besuchern und Ausstellern zunächst schwer.

Wenn die Axt den Baum zu Fall bringt
Lautes Knattern ist schon von Weitem zu hören. Am Stihl-Stand haben sich Besucher versammelt und schauen zu, wie ein Baum nicht mit der Motorsäge, sondern mit der Axt bearbeitet wird. Schlag für Schlag arbeitet sich der Sportler durch das Holz. Wenig später kommt eine große Motorsäge zum Einsatz. Ein dicker Stamm wird in Baumscheiben zerlegt.

Der Moderator warnt vorher: Bei dieser Vorführung sollten sich die Zuschauer besser die Ohren zuhalten. Sekunden später wird klar, warum. Der Lärm übertönt fast alles auf dem Gelände.
In der Stihl-Timbersports-Arena geht es um Axt, Säge, Kraft und Technik. Auf der großen Wiese stehen Traktoren, Maschinen und neue Technik dicht an dicht. Besucher schauen sich die Geräte an und kommen mit den Ausstellern ins Gespräch. An anderen Ständen bieten Direktvermarkter ihre Produkte an.

Vom Motorsägenlärm in den Schauring
Ein anderes Bild zeigt sich bei den Tieren. Kühe werden in den Ring geführt, Züchter stehen bei ihren Tieren, Preisrichter schauen genau hin. Alpakas, Kälber, Hasen, Hühner und weiteres Geflügel gehören ebenfalls zur Schau.
Doch wonach wird entschieden, welche Kuh am Ende gewinnt? „Die Kühe werden hier nach ihrem Aussehen bewertet. Dabei schauen die Preisrichter auf das Gebäude, das Euter und darauf, wie die Tiere laufen. Diese Kriterien fließen in die Bewertung und Einklassifizierung ein. Am Ende gewinnt eine Kuh und wird Grand Champion“, erklärt Dr. Jens Baltissen von der Rinderunion West.

An diesem Sonntag geht der Titel nach Bocholt. Fanny von der Welsing Milch GbR wird Grand Champion. Ihr Vater ist Simba P., ihre Mutter RW Fanta.
Hermann Olbing aus Raesfeld-Erle ist mit elf Kühen angereist. Drei seiner Tiere holen einen Klassensieg. Grund zur Enttäuschung sieht er nicht. Im Gegenteil. „Ich bin froh, dass es nur drei Siegerkühe geworden sind, weil Borken extrem viele gute Zuchtbetriebe und extrem viele gute Kühe hat.“
Bei einer früheren Schau habe sein Betrieb fast alles abgeräumt. Diesmal freue er sich, dass die Preise an mehrere Betriebe gehen. „Ich bin heute richtig zufrieden. Wir haben gut abgeschnitten und die Preise sind gut verteilt.“ Den Grand Champion stellt diesmal die Welsing Milch GbR. „Die schönste Kuh des westlichen Münsterlandes kommt von Martin und Heinrich Welsing aus Bocholt“, sagt Olbing.

Abby ist kleiner und braun
Zwischen den vielen schwarz-weißen Milchkühen fällt Abby auf. Die rund fünf Jahre alte Jersey-Kuh vom Hof Heller in Borken ist kleiner und braun. Auch sie verlässt die Schau nicht ohne Auszeichnung: Abby erhält einen 1B-Preis.
Züchter Bernd Heller hält rund 60 Milchkühe. Jerseys seien besonders wegen der Fett- und Eiweißgehalte ihrer Milch interessant. Seine Tiere leben in einem Boxenlaufstall und kommen auch nach draußen. „Wir haben einen Boxenlaufstall und dort kommen die Kühe rein und raus“, sagt Heller. Auch Weidegang gehöre auf seinem Betrieb dazu.

Kleine Hände führen kleine Kälber
Dann gehört der Ring dem Nachwuchs. Nach den erwachsenen Kühen sind die Bambinis an der Reihe. Kinder führen ihre Kälbchen vor den Zuschauern entlang. Konzentriert halten sie die Tiere am Strick und präsentieren, was sie zuvor mit ihnen geübt haben.
Auch auf dem übrigen Gelände richtet sich vieles an Kinder. Im Pellet-Sandkasten kann gebuddelt werden, im Heu darf getobt werden und auf dem Kettcar-Parcours geht es auf vier Rädern weiter. Viele Aussteller haben eigene Aktionen vorbereitet.
Für die Milchkühe ist der Tag nach ihrem Auftritt im Ring noch nicht vorbei. Ihre Euter sind inzwischen gut gefüllt, die Melkmaschinen stehen bereit. Rund 25 Liter Milch gibt eine Milchkuh durchschnittlich am Tag.

Erst Regen, dann trocknet es ab
Der Nieselregen begleitet die Veranstaltung über Stunden. Erst gegen 16 Uhr hört er auf. Vor allem am Anfang bleiben dadurch Besucher fern. Schade für die vielen Aussteller, die auf dem weitläufigen Gelände ihre Stände und Aktionen aufgebaut haben.
Unter dem Motto „Innovation säen. Zukunft ernten“ will der Verein zur Förderung der Tierzucht und Tierhaltung im Kreis Borken zeigen, wie Landwirtschaft heute arbeitet. Dabei geht es nicht nur um große Maschinen. Verbraucher können mit Erzeugern sprechen, Tiere aus der Nähe sehen und erfahren, was auf den Höfen produziert wird.
Wer über das Gelände läuft, erlebt diese Landwirtschaft ganz praktisch: laut an der Motorsäge, technisch zwischen den Maschinen, ruhig bei den Tieren und spätestens bei den Bambinis auch aus der Perspektive der nächsten Generation.

















































