Verbrechen gegen die Menschlichkeit Wort zum 4. Advent

Verbrechen gegen die Menschlichkeit – Essay von Reinhard G. Nießing

Glückselig und „in der Weihnachtsbäckerei-Stimmung“ bastelte ich in der vergangenen Woche an einem Fotobuch über unsere letzte Karibik- und Amazonasreise. Weil ich das Bilderbuch meiner Familie gewidmet hatte, krönte ich es mit einem Satz zur Einführung, der meine persönliche Einstellung über Gott und die Welt widerspiegeln sollte:

„Unser irdisches Dasein ist sehr begrenzt und die Welt ist viel zu schön, sodass man gar nicht genug von ihr sehen und erleben kann —, bevor man sie für immer verlässt.“

Während ich meinen Gedanken noch hinterher hinkte und über die Sinnhaftigkeit meiner Botschaft ins Grübeln kam, erreichten mich übers Radio die Worte des scheidenden UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon. Sie trafen wie ein Keulenschlag — brutales Ende einer fröhlichen Vorweihnachts-Gefühlsduselei. „Das Blutbad in Syrien bleibt ein klaffendes Loch im weltweiten Gewissen. Aleppo ist inzwischen ein Synonym für Hölle“, sagte Ban.

Und mit Verweis auf die Massaker an tausenden muslimischen Männer und Burschen während des Bosnienkriegs: „Die dringende Priorität ist es, Leben zu retten, die Massaker zu beenden und ein neues Srebrenica zu vermeiden.“

Um es kurz zu sagen: Ich habe das Buch zugemacht, an diesem 13. Dezember 2016, mit einem dicken Klos im Hals und einem Gefühl der Scham eine unruhige Nacht verbracht, ganz in Gedanken auf viele, unbeantwortete Fragen: Ist der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mittlerweile soweit degeneriert, dass er als Papiertiger verspottet werden darf? Werden die „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ systematisch erfasst und durch ein Völkertribunal geklärt, wie bei den ‚Nürnberger Prozessen‘ geschehen? Werden die Hauptkriegsverbrecher, die politisch verantwortlichen Drahtzieher/Politiker namentlich benannt und zur Verantwortung gezogen? Sind sie nicht gleichzustellen mit Göring und Goebbels? …