Borken – Fachtagung – Kinderschutz im Fokus

Fachtag anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Fortbildungsreihe „Ich sehe was, was Du nicht sagst…“

Kreis Borken (pd). Den Schutz der Kinder im Fokus hat die Fortbildungsreihe „Ich sehe was, was Du nicht sagst…“. Vor zehn Jahren wurde sie installiert. Aus Anlass dieses kleinen „Jubiläums“ veranstalteten nun die für die Reihe verantwortlichen Mitglieder des „Runden Tisches GewAlternativen“ im Borkener Kreishaus einen Fachtag, in dem es um „Häusliche Gewalt als Herausforderung beteiligter Institutionen“ ging.

Als fachkundige Referentin beleuchte die renommierte Professorin Dr. Karin Böllert vom Institut für Erziehungswissenschaften der Universität in Münster die Aufgaben und Zuständigkeiten im Falle von Kindeswohlgefährdungen, insbesondere hinsichtlich des derzeit stattfindenden Reformprozesses im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Ihren Ausführungen folgten mehr als 100 Gäste aus den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Kindertageseinrichtungen, Polizei, Justiz, Schule, Gesundheit und Gleichstellung.

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Roland Bremer (Ärztliche und Psychosoziale Beratungsstelle Bocholt), Dr. Stephan Rietmann (Caritasverband Borken), Professorin Dr. Karin Böllert, Irmgard Paßerschroer und Landrat Dr. Kai Zwicker (v.l.n.r)

Nach der Begrüßung durch die Geschäftsführerin des Runden Tisches, Irmgard Paßerschroer, dankte Landrat Dr. Kai Zwicker allen Beteiligten für ihr großes Engagement in diesem schwierigen, persönlich nicht selten sehr belastenden Aufgabenfeld. An die Referentinnen und Referenten der Fortbildungsreihe gerichtet, erklärte er: „Sie sind das Gesicht hinter einer Telefonnummer und erleichtern dadurch in konkreten Verdachtsfällen die Kontaktaufnahme. Wirksame Hilfen können deshalb wesentlich schneller eingeleitet werden.“

Für die Organisatoren der Reihe wies Roland Bremer darauf hin, dass neben den bewährten Fortbildungsmaßnahmen laufend neue Angebote entwickelt werden. Derzeit gebe es sogar Überlegungen, eine eigene Kinderschutz-App zu kreieren. In ihrem Vortrag erläuterte Professorin Dr. Böllert, dass nach einer Statistik in den meisten Fällen Polizei, Gerichte und Staatsanwaltschaften Fälle von Kindeswohlgefährdungen melden. An zweiter Stelle rangieren die Schulen und an dritter Stelle der Gesundheitsbereich und die Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe. Merklich angestiegen seien inzwischen die Zahl der Meldungen aus dem persönlichen Umfeld der Betroffenen sowie anonyme Hinweise.

Das deute auf eine erhöhte Sensibilität bei derartigen Fällen hin, erklärte die Referentin. In vielen Regionen mangele es den Fachkräften jedoch an fachlichem Austausch und Unterstützungsmöglichkeiten. Gerade in dieser Hinsicht arbeite der „Runde Tisch GewAlternativen im Kreis Borken“ vorbildlich, betonte Professorin Böllert. Bei der aktuell anstehenden Reform des Kinder- und Jugendhilferechts widersetze sie sich mit Nachdruck Bestrebungen, die bisherigen Standards abzusenken. Zudem müsse das partnerschaftliche Zusammenwirken von Trägern der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe weiterhin gefördert werden.

Zum Hintergrund:
Im Rahmen der Reihe „Ich sehe was, was Du nicht sagst…“ werden seit zweimal im Jahr Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Diese stoßen stets auf große Resonanz: Bislang haben rund 400 Fachkräfte aus Tageseinrichtungen, Jugendhäusern und Schulen sowie Hebammen und Tagesmütter daran teilgenommen. Ziel der Reihe ist es, die verschiedenen Sicht- und Vorgehensweisen der beteiligten Institutionen wie Jugendamt, Beratungsstellen, Polizei, Medizin und Justiz deutlich zu machen und Handlungssicherheit im Umgang mit häuslicher Gewalt zu vermitteln. Gleichzeitig ist im Laufe der vergangenen zehn Jahre ein Netzwerk entstanden, das in konkreten Einzelfällen rasch Hilfe und Unterstützung leisten kann.