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Beratungsgespräch nach Alkoholvergiftung für Jugendliche unter 18 Jahren / Seit 2009 140 Gespräche

Kreis Borken (pd). Die fünfte Jahreszeit ist vorbei und auch in diesem Jahr fanden sich rund um die Karnevalstage Jugendliche in Krankenhäusern wieder, die hochprozentigen Alkohol im Übermaß zu sich genommen hatten. Leider scheint für viele Jugendliche und Erwachsene besonders an Karneval ein erhöhter bis exzessiver Alkoholkonsum dazuzugehören. Nicht allein dann, aber gerade zu Karneval ist die Vorbildfunktion der Erwachsenen – von Eltern, Veranstaltern und Festbesuchern – besonders wichtig: Sie sollten den Jugendlichen vermitteln, das Karneval feiern nicht zwangsläufig mit Rauschtrinken gleichzusetzen ist. Dazu gehört neben der Vorbildfunktion vor allem, dass die Jugendschutzbedingungen zur Abgabe von Alkohol an Jugendliche eingehalten werden.

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Wenn es trotz allem zu einer Alkoholvergiftung kommt, bieten die Suchtberatungsstellen in Kooperation mit den Krankenhäusern des Kreises Borken seit 2008 den KATERtALK an – ein Beratungsgespräch nach Alkoholvergiftung.

Im Rahmen der Kampagne „Vollrausch ohne mich“ des Kreises Borken wurden auch in diesem Jahr zu Karneval verschiedene Aktionen (beispielsweise Elternbriefe, Info-Materialien, Suchtpräventionstage an Schulen und Familienzonen bei den Umzügen) in Kooperation mit Karnevalsvereinen, dem Kreisjugendamt und den Städten und Gemeinden durchgeführt und besonders auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen und der Suchtprävention geachtet.

Wenn es trotz der genannten Präventionsbemühungen zu einer Alkoholvergiftung kommt, wird seit 2008 der KATERtALK angeboten. In diesem Gespräch können die Jugendlichen ihr eigenes Trinkverhalten reflektieren und werden zu einem gesundheitsbewussten Umgang mit Alkohol motiviert. Eltern bekommen Hilfen und Unterstützung, um ihren Kindern altersgerecht und lebensnah einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu vermitteln, aber auch angemessene Freiräume und altersgemäße Grenzen zu setzen.

Seit 2009 wurden insgesamt 140 KATERtALK-Gespräche im Kreisgebiet geführt. Dabei waren 58,2 Prozent Jungen und 41,8 Prozent Mädchen. Der Durchschnitts-Promillewert fiel von 2,0 Promille in den Jahren 2009 bis 2011 auf 1,8 Promille in den vergangenen beiden Jahren. Bei der Auswertung der Beratungsgespräche zeigt sich, dass vor allem bei Festivitäten wie Karneval, Schützenfesten und Abivorfeten Jugendliche hochprozentigen Alkohol (vor allem Wodka mit Beimischungen) zu sich nehmen und die Gefahren des riskanten Alkoholkonsums falsch einschätzen.

Rund 70 Prozent der Jugendlichen gaben an, über die daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen nicht ausreichend informiert zu sein. Im zeitlichen Verlauf gesehen, liegen die Einlieferungszahlen auf einem ähnlichen Niveau wie vor zwölf Jahren, bevor das exzessive Alkoholtrinken bei Jugendlichen zu Auffälligkeiten führte. Betrachtet man den Anteil an der gleichaltrigen Bevölkerung liegt der Kreis Borken mit 0,27 Prozent knapp unter dem Landesdurchschnitt mit 0,29 Prozent. „Es sind noch weitere gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten notwendig, um die Jugendlichen auf dem Weg in ein suchtfreies Leben zu unterstützen und zu begleiten“, sagte Regina Kasteleiner von der Fachstelle für Suchtvorbeugung.

Zum Hintergrund: KATERtALK
KATERtALK richtet sich an Jugendliche unter 18 Jahren, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dieses Ereignis ist für die Beteiligten oft schockierend und irritierend. In dieser Situation sind Jugendliche und Eltern offen und dankbar für Gesprächsangebote und Unterstützung. Im Abschlussgespräch weist der Arzt auf das Beratungsangebot hin und gibt entsprechende Informationsmaterialien und eine Einverständniserklärung weiter. Innerhalb von drei Werktagen wird dann ein Beratungstermin mit den Betroffenen vereinbart. Die Reduzierung des Alkoholkonsums und die Sensibilisierung für einen risikoarmen Konsum in dieser Altersgruppe haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit auch im Erwachsenenalter und beugen einer Suchtabhängigkeit vor.
Das Angebot besteht seit 2008 am St. Agnes-Hospital in Bocholt und seit 2011 an allen Krankenhäusern des Kreisgebietes. Nähere Informationen gibt es bei Regina Kasteleiner von der Fachstelle für Suchtvorbeugung, Tel. 02861/82-1094.