Für viele Menschen wirkt es wie ein Akt größter Opferbereitschaft, für den Raesfelder Richard Eising war es selbstverständlich: Er spendete seiner Tochter Tanja Seffler eine Niere. Die heute 38-Jährige erinnert sich noch gut an den Tag, an dem alles begann.
„Es war im Osterurlaub vor fünf Jahren. Plötzlich bekam ich starke Schmerzen an der rechten Seite“, erzählt sie. Die Blutwerte seien schlecht gewesen, und ihr behandelnder Urologe habe sie zu einem Nephrologen überwiesen. Dieser stellte schließlich fest, dass ihre rechte Niere verkleinert war. „Die Gefühle damals wirbelten mein ganzes Leben durcheinander. Ich brauchte Zeit, um das zu verarbeiten und zu verkraften“, erinnert sich die zweifache Mutter.

Dialyse verändert das Leben
Mit der Verschlechterung der Blutwerte begann ein neuer, belastender Lebensabschnitt: dreimal wöchentlich vier Stunden Dialyse. Die einst agile Frau musste ihr Leben völlig umstellen. Schon damals erklärten sich drei Familienmitglieder bereit, eine Niere zu spenden: ihre Schwester, ihr Mann und ihr Vater.
„Ich hätte das Organ von jedem von ihnen angenommen, wenn es gepasst hätte“, erzählt Tanja Seffler. Parallel wurde sie bereits bei Eurotransplant in den Niederlanden auf die Warteliste gesetzt. „Wer über die Spenderliste eine neue Niere bekommen möchte, muss mit fünf bis sechs Jahren Wartezeit rechnen“, berichtet sie rückblickend.
Vaters Entschluss zur Spende
Obwohl die Dialyse funktionierte, wollte der Vater nicht länger zusehen. „Es konnte so nicht weitergehen. Meine Tochter wurde zwar am Leben erhalten, aber mit vielen Nebenwirkungen. Damit sie wieder schnell ein normales Leben führen kann, war ich bereit, meine Niere zu spenden“, erinnert sich der 63-Jährige an seine Entscheidung.
In Münster begannen die umfangreichen Voruntersuchungen bei Frau Prof. Dr. Suwelack. Sechs Mal wurde der Vater durchgecheckt. Nach einem halben Jahr stand fest: Die Niere passt, es gab keine Beanstandungen. „Da fiel uns allen ein Stein vom Herzen“, erinnert sich der Vater.
Intensive Gespräche und klare Abmachungen
Vater und Tochter führten vor der Operation lange Gespräche. Ihr gemeinsames Fazit lautete: „Egal was passiert, wir werden uns nie Vorwürfe machen und nie mehr darüber sprechen. Wir gehen diesen Weg gemeinsam.“
Am 24. September war es soweit. „Mit rund 14 Kanülen im Arm waren wir schon einen Tag vor der OP im Klinikum“, berichtet Richard Eising lachend. Vater und Tochter teilten sich ein Krankenzimmer. „Angst hatte ich nur kurz, als die OP-Tür aufging und ich all die Ärzte in grünen Kitteln sah“, erinnert er sich.
Tanja Seffler beschreibt die schlimmste Phase als das Warten, während ihr Vater bereits auf dem OP-Tisch lag. Doch beide wachten mit einem Lächeln auf. „Mein erster Gedanke war: Endlich haben wir es geschafft“, sagt Tanja. Ihr Vater erinnert sich an ihre ersten Worte im Aufwachraum: „Danke, Papa.“ Gemeinsam hoben sie die Daumen.
Glücksgefühl nach der Transplantation
13 Tage verbrachten Vater und Tochter gemeinsam im Krankenhaus. „Mein erstes positives Erlebnis war, als ich die Niere meines Vaters auf dem Ultraschall schlagen sah“, berichtet Tanja. Auch der Vater spricht von einem besonderen Moment: „Für mich war es ein Glücksgefühl, mein Organ im Körper meiner Tochter schlagen zu sehen.“
Zehn Wochen nach der Operation hat sich ihr Leben normalisiert. „Ich vermisse nichts, ob ich nun eine oder zwei Nieren habe“, sagt Richard Eising. Für ihn war die Spende selbstverständlich und er würde es jederzeit wieder tun.
Seine Tochter zeigt ihre Dankbarkeit deutlich: „Ich fühle mich meinem Vater jetzt noch enger verbunden. Er hat mir zum zweiten Mal das Leben geschenkt.“



























