Mit ganzem Herzen fremden Kindern ein Zuhause geben Bereitschaftspflegefamilien übernehmen kurzfristig Verantwortung / Kreis Borken sucht Interessierte
Kreis Borken (pd). Auf dem Küchentisch liegt ein Buch mit Babyfotos. Nebenan im Kinderzimmer baumelt ein Mobilé mit Bauernhoftieren von der Decke. Das kleine Bett ist frisch bezogen – zurzeit aber leer. Denn hier zieht nur ab und zu ein Kind ein. Die Familie Schmidt (Name geändert) aus dem Kreis Borken engagiert sich in der Bereitschaftspflege. Sie bietet Babys und Kleinkindern, die nicht bei ihren leiblichen Eltern bleiben können, ein Zuhause auf Zeit.
Meist hat das Kreisjugendamt diese Kinder in Obhut genommen und sucht nun für sie Familien, Paare oder Einzelpersonen, die vorübergehend für sie sorgen. „Manche der Kinder sind gerade erst geboren und es ist klar, dass sich die Eltern wegen ihrer Lebensumstände nicht um sie kümmern können“, erklärt Anke Bengfort vom Pflegekinderdienst des Kreises. Andere müssen vorübergehend versorgt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manchmal gibt es eine akut schwierige Situation im Elternhaus. „Es kommt aber auch vor, dass eine alleinerziehende Mutter ins Krankenhaus muss und nicht weiß, wer sich um ihr Kind kümmern soll“, so Bengfort.
Die Schmidts stehen seit einem guten Jahr als Bereitschaftspflegefamilie zur Verfügung. Zwei ihrer drei Kinder sind bereits erwachsen und Susanne Schmidt suchte nach einer neuen Aufgabe. Eine Bekannte hatte ihr von ihrem Einsatz als Pflegemutter erzählt. Und danach hatte es sie gepackt. „Ich bin wie infiziert nach Haus gefahren.“ Lange haben die Schmidts im Familienkreis über das Engagement als Pflegefamilie gesprochen. Dann stand die Entscheidung. Sie schlossen einen Vertrag mit dem Kreisjugendamt, richteten wieder ein Babyzimmer ein – und warteten.
Zwei Monate passierte nichts. Und dann ging alles ganz schnell. Anderthalb Stunden nach seinem Anruf stand ein Mitarbeiter des Jugendamtes mit einem wenige Wochen alten Jungen vor der Tür. „Da war das Eis sofort gebrochen“, sagt Susanne Schmidt. Neun Monate lang kümmerte sich die Familie um den Kleinen, dann kam er zu einem jungen Paar, das ihn als Dauerpflegekind aufgenommen hat.
„Wir wollen Leib und Seele gut versorgen“, lautet die Maxime der Schmidts für den Umgang mit ihren Pflegekindern. In die Elternrolle schlüpfen sie nicht. „Wir sehen uns eher als beste Freunde der Kinder“, sagt Susanne Schmidt. Dennoch verändere sich das Familienleben durch den Gast auf Zeit natürlich gravierend, betont ihr Mann. „Man erlebt sich als Familie ganz intensiv und wächst noch näher zusammen.“ Über die Vorgeschichte der Kinder erfahren die Pflegefamilien immer so viel wie nötig ist. Das sind vor allem praktische Hinweise wie Schlafrituale oder Hinweise zur Babykost.
Die Schmidts haben gegenüber dem Kreisjugendamt zugesichert, dass sie auch kurzfristig zur Verfügung stehen. Dafür erhalten sie monatlich eine feste Vergütung und Pflegegeld, wenn tatsächlich ein Kind bei ihnen ist. Rund ein Dutzend Familien, die sorgfältig ausgewählt worden sind und intensiv begleitet werden, kooperieren auf diese Weise mit dem Kreisjugendamt. Anke Bengfort hofft, dass sich noch weitere finden. Denn: „Gerade kleine Kinder brauchen möglichst ein familiäres Umfeld, in dem sie sich möglichst normal entwickeln können.“
Weitere Informationen zum Thema Bereitschaftspflege gibt es beim Pflegekinderdienst des Fachbereichs Jugend und Familie. Ansprechpartner sind Brigitte Watermeier (Tel.: 02542/9567-17) und Josef Rolvering (Tel.: 02563/9698-12) aus den Nebenstellen Gescher und Stadtlohn.
Infoabend am 29. August
Eltern, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes – kurzzeitig oder auf Dauer – oder eine Adoption interessieren, sind eingeladen zu einem Infoabend am Mittwoch, 29. August. Er beginnt um 19.30 Uhr in der Nebenstelle des Kreisjugendamtes in Stadtlohn, Josefstr. 17. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereiches werden über die Aufgaben des Jugendamtes und der Vermittlungsstellen informieren und Fragen zur Vorbereitung und Qualifizierung für Bewerber sowie Fragen zur Rechtslage beantworten.
Anmeldungen für den Abend in Stadtlohn nehmen Brigitte Watermeier (Tel.: 02542/9567-17) und Josef Rolvering (Tel.: 02563/9698-12) entgegen. Bei ihnen erhalten Interessenten auch weitere Informationen zur Veranstaltung.



























