Von Dorfdomen, Amtmännern und dem Strukturwandel in der Nachkriegszeit

Professor Dr. Werner Freitag von der Universität Münster skizzierte im Borkener Stadtmuseum die Geschichte des Westmünsterlandes

Kreis Borken (pd). Über 20 Frauen und Männer aus dem Kreis Borken lassen sich zurzeit als „Regionale Museumsführer“ ausbilden. Bis Mitte Juni üben sie, wie sie Museumsgäste für die Schätze der Region begeistern können. Zahlreiche Anregungen lieferte ihnen und rund 40 weiteren Zuhörern jetzt Professor Dr. Werner Freitag von der Universität Münster. Im Borkener Stadtmuseum unternahm er einen Streifzug durch die Geschichte des Westmünsterlands, von der Christianisierung bis zum Strukturwandel in der Nachkriegszeit.
Professor Dr. Freitag, seit 2004 Professor für Westfälische und Vergleichende Landesgeschichte in Münster, ermunterte seine Zuhörer, Spuren der Vergangenheit zum Sprechen zu bringen. So zeugten die Ende des 19. Jahrhundert in vielen kleinen Orten errichteten „Dorfdome“ von einem neu erstarkten katholischen Selbstbewusstsein. Anhand der in preußischer Zeit eingesetzten Amtmänner lasse sich die Durchsetzung preußischer Verwaltungsstrukturen beleuchten. Und alte Molkereien seien wichtige Zeugen für die Modernisierung der Landwirtschaft. Freitag empfahl seinen Zuhörern, vor Ort nach dem richtigen Ansatz für die Vermittlung der Lokalgeschichte zu suchen. Dabei sei es auch wichtig zu überlegen, ob man nostalgische Gefühle wecken oder doch eher Entwicklungsstränge zur Jetztzeit aufzeigen wolle.
Der Kreis hat die Fortbildungsreihe für „Regionale Museumsführer“ im Rahmen des Bundesprogrammes „Lernen vor Ort“  konzipiert. Kooperationspartner  ist die Euregio-VHS Gronau. Aufgrund der großen Nachfrage soll noch in diesem Jahr eine zweite Auflage der Fortbildung starten.