Schützenfeste gehören zum Gemeindeleben in Raesfeld. Beim letzten Fest der Saison rückten die Junggesellenschützen in den Mittelpunkt. Der Verein setzt auf Tradition und Gemeinschaft, geht bei der Gestaltung seines Festes aber auch neue Wege.
Vier Schützenfeste in einer Saison
Für Bürgermeister Dirk Kuhlmann sei das Fest der Junggesellenschützen bereits das vierte Schützenfest gewesen, das er in diesem Jahr besucht habe. Solche Veranstaltungen seien für das Gemeindeleben nicht zu ersetzen. „Das ist nicht nur Tradition, sondern auch Zusammenhalt, der hier gelebt wird“, sagte Kuhlmann. An der Vogelstange zeige sich, wie Jung und Alt gemeinsam feierten. Herkunft, Religion und Geschlecht spielten dabei keine Rolle. Die Besucher kämen zusammen, seien fröhlich und könnten den Alltag für einige Stunden hinter sich lassen.

Außerhalb der Gemeinde besuche er Schützenfeste eher selten, erklärte Kuhlmann. Sein Schwerpunkt liege auf den Veranstaltungen in Raesfeld.
König werden schließt Kuhlmann nicht aus
Auch die Frage nach eigenen Ambitionen an der Vogelstange blieb nicht unbeantwortet. Derzeit gehöre die Königswürde nicht zu seinen vorrangigen Zielen. Seine Arbeit lasse dafür momentan wenig Raum.
Grundsätzlich könne er sich jedoch vorstellen, selbst einmal auf den Vogel zu schießen. Seine Frau sei bereits Schützenkönigin gewesen. Dadurch habe er miterlebt, wie schön eine solche Regentschaft sein könne.
Leinwand bringt das Vogelschießen zu den Besuchern
Was viele möglicherweise nicht wissen: Die Junggesellenschützen halten an ihren Traditionen fest, probieren bei der Organisation ihres Festes aber immer wieder Neues aus. Ein aktuelles Beispiel zeigte sich beim Vogelschießen in Pastor Busch.
Eine Großbildleinwand übertrug das Geschehen an der Vogelstange. So konnten auch Besucher die Schüsse verfolgen, die weiter entfernt oder am Bierstand standen. Sie mussten sich nicht unmittelbar an der Vogelstange aufhalten, um zu sehen, wer gerade anlegte.

Neuer Zeitplan kommt bei Besuchern an
Auch beim Ablauf des Festes hat der Verein vor einigen Jahren Änderungen vorgenommen. Das Schützenfest beginnt bereits am Freitagabend. Das Vogelschießen findet am Samstag statt, die Parade mit dem neuen Königspaar folgt am Sonntagnachmittag.
Ein Besucher äußerte sich positiv über diese Aufteilung. Der Samstagstermin habe für Berufstätige einen praktischen Vorteil. Sie müssten sich nicht mehr für ein Vogelschießen am Montag von der Arbeit freistellen lassen und könnten den Wettbewerb in Ruhe verfolgen. Mit dem vorgezogenen Beginn und der Parade am Sonntag verteilt sich das Programm auf das gesamte Wochenende. Das Vogelschießen bleibt dabei der zentrale Programmpunkt am Samstag.

Gemeinschaft an der Vogelstange
Für Simon Paschen, Vereinspräsident und neuer König der Junggesellenschützen Raesfeld, liegt die Bedeutung des Schützenfestes im Zusammenhalt. Die Menschen träfen sich bereits vor dem Fest, gingen gemeinsam frühstücken und kämen anschließend zur Vogelstange.
„Die Leute wollen gemeinsam ein Bier trinken und im besten Fall vielleicht sogar König werden“, sagte Paschen. Der Zusammenschluss im Dorf sei für ihn kaum zu beschreiben. Das Schützenfest bringe Menschen zusammen, die miteinander feiern und Kontakte pflegen wollten. Der Junggesellenschützenverein besteht seit 1878. Mitglied könne werden, wer Junggeselle sei. Der Name stehe laut Paschen für Tradition, Jugend, Gemeinschaft und Verlässlichkeit.

Junge Mitglieder übernehmen Verantwortung
Paschen sieht den Verein auch als wichtigen Bestandteil der Jugendarbeit. Viele junge Männer seien zunächst in der Landjugend aktiv und wechselten später zu den Junggesellenschützen. Dort sammelten sie Erfahrungen bei der Organisation von Veranstaltungen, sprächen Unternehmen an und knüpften Kontakte. Zahlreiche Firmen, die den Verein heute unterstützten, seien mit früheren Junggesellenschützen verbunden.
Die Mitarbeit im Verein umfasse damit mehr als die Vorbereitung eines Schützenfestes. Junge Mitglieder lernten, Aufgaben zu übernehmen, Absprachen einzuhalten und gemeinsam Veranstaltungen zu organisieren.
Gemeinschaft trotz Corona-Beschränkungen
Welche Bedeutung das Vereinsleben haben könne, habe sich nach Angaben von Kuhlmann und Paschen während der Corona-Pandemie gezeigt. Im Jahr 2021 hätten die Junggesellenschützen unter schwierigen Bedingungen ein Fest organisiert.
Ins Festzelt hätten damals nur getestete oder geimpfte Besucher gedurft. Nach Aussage Paschens seien die Raesfelder Junggesellenschützen seinerzeit der einzige Verein im Westmünsterland gewesen, der ein solches Schützenfest veranstaltet habe. Kuhlmann erklärte, der Verein habe damit wieder Begegnungen und Geselligkeit ermöglicht. Viele Menschen seien froh gewesen, wieder Kontakte aufnehmen und gemeinsam feiern zu können.
Tradition bewahren, Neues ausprobieren und gemeinsam feiern: Die Junggesellenschützen scheinen damit auch für die kommenden Jahre gut aufgestellt zu sein.

























