Im vergangenen Jahr dauerte das Vogelschießen kaum so lange, bis die ersten Besucher ihre Suppe auf dem Tisch hatten. Diesmal sah die Sache anders aus: Die Suppen waren längst ausverkauft und auch die letzten Bratwürste gingen über die Theke, bevor im Pastor Busch endlich die Entscheidung fiel. Um 17.03 Uhr holte Simon Paschen mit dem 355. Schuss die letzten Reste des hartnäckigen Holzvogels von der Stange.

Nach einer langen Partynacht bis in den Samstag hinein trafen sich die Junggesellenschützen zum Vogelschießen. Das Wetter passte, zahlreiche Besucher standen rund um die Vogelstange. Drei Aspiranten wollten König werden: Simon Paschen, Simon Becker und Christoph Cluse.
Erst geht es den Insignien an den Kragen
Zunächst fielen die Insignien. Luka Höing holte den Apfel, Milan Hoffmann den linken Flügel und Jonas Stenkamp den rechten. Das Zepter sicherte sich Peter Zimmermann. Präsident Simon Paschen schoss den Schwanz ab, Julius Pierogs den Kopf. Der Vogel verlor damit Stück für Stück seine Einzelteile. Von einer schnellen Entscheidung konnte trotzdem keine Rede sein.

Beim 193. Schuss wird schon über den Thron gesprochen
Nach dem 193. Schuss standen Paschen, Becker und Cluse zusammen. Hinter vorgehaltener Hand ging es bereits um eine entscheidende Frage für den Fall der Fälle: Bekäme jeder von ihnen auch einen Thron zusammen, sollte der entscheidende Treffer gelingen? Die drei Aspiranten blieben im Rennen und schenkten sich an der Vogelstange nichts. Der Wettkampf blieb fair.
Für Paschen ging es dabei um einen länger gehegten Wunsch. „Ich wollte es schon ein paar Jahre versuchen“, sagte er später. Der Präsident wollte selbst einmal König der Junggesellenschützen werden. Hinzu kommt der Blick auf das Jahr 2028, wenn der Verein sein Jubiläum feiern will.

Zuschauer beginnen zu wetten
Eigentlich sah der Holzvogel schon früh so aus, als müsse er jeden Moment fallen. Doch er hielt. Nach dem 250. Schuss begannen unter den Zuschauern die ersten Wetten. Einige tippten auf mindestens 300 Schuss, andere auf 320. Wieder andere waren überzeugt: Das dauert noch mindestens eine Stunde.
Je länger geschossen wurde, desto weniger blieb vom Vogel übrig. Zeitweise wirkte der Rest nur noch wie ein Strich an der Stange. Trotzdem hielt sich das Holz. „Warum ist er denn nicht gefallen?“, war deshalb nach manchem Treffer rund um die Vogelstange zu hören.
Ein Schütze hatte eine nüchterne Erklärung dafür, warum ein Vogel einmal schnell und ein anderes Mal erst nach Hunderten Schüssen fällt: „Das liegt am Holz. Mal ist es weicher, mal fester.“

Paschen trifft mit dem 355. Schuss
Dann legte Simon Paschen wieder an. Die Zuschauer feuerten ihn lautstark an. Um 17.03 Uhr löste sich mit dem 355. Schuss schließlich der letzte Rest des Vogels. Simon Paschen war neuer König.
„Jetzt bin ich überglücklich, dass es geklappt hat. Anders kann man es nicht sagen. Ich habe eine tolle Königin und eine super Frau an meiner Seite. Genial.“ An seiner Seite regiert Lea Ligges. Zum Thron gehören außerdem die Ehrenpaare Delia Schweers und Christoph Cluse sowie Anna Punsbach und Jonas Stenkamp.

Königspaar blickt auf sein Jahr zurück
Für Peter Timmermann und Meike Terhardt endete damit ihr Königsjahr. Timmermann blickte auf die gemeinsame Zeit zurück: „Wir haben viele Leute zusammengebracht, ganz tolle Abende zusammen verbracht, richtig viel Spaß gehabt und einfach ein Jahr eine richtig schöne Zeit zusammen.“
Auch Meike Terhardt erinnerte sich gerne an ihr Jahr als Königin. Das Besondere seien „die vielen coolen Aktionen und die Menschen, mit denen man das macht“. Ob sie anderen empfehlen könne, einmal Königin zu werden? „Klar, auf jeden Fall.“

Kuhmann: Schützenfeste stehen für Zusammenhalt
Bürgermeister Dirk Kuhmann besuchte mit dem Fest der Junggesellen sein viertes Schützenfest in diesem Jahr. Für das Gemeindeleben seien solche Feste „unersetzlich“. Sie stünden nicht nur für Tradition, sondern auch für den Zusammenhalt von Jung und Alt.
Ähnlich beschrieb es Paschen noch vor seinem Königsschuss. Die Menschen träfen sich, frühstückten gemeinsam und kämen anschließend zur Vogelstange. „Dieser Zusammenschluss des Dorfes ist einfach unbeschreiblich.“ Und selbst einmal anlegen und König werden? Ganz ausschließen wollte Kuhmann das nicht. „Jetzt im Moment ist es nicht mein primäres Ziel. Dafür lässt die Arbeit momentan keinen Raum. Oder anders formuliert: Ich habe da im Moment noch nicht den Kopf für.“
Grundsätzlich könne er sich die Königswürde aber durchaus vorstellen: „Meine Frau war auch Schützenkönigin, und ich habe erlebt, wie schön das sein kann.“Wenig später musste Paschen nicht mehr darüber nachdenken, was passieren würde, wenn er den Vogel tatsächlich von der Stange holt. Nach 355 Schüssen stand fest: Der Präsident ist jetzt auch König.





































































