Die Stiftung Ferdinand von Raesfeld will den Tiergarten am Schloss Raesfeld in den kommenden Jahren schrittweise weiterentwickeln. Bei einem Pressetermin stellten Vertreter der Stiftung und Fachplaner die Grundzüge des Konzeptes vor. Im Mittelpunkt stehen Natur- und Artenschutz, Waldentwicklung, Umweltbildung und der historische Charakter der Anlage.
Die KORTE-Stiftung aus Essen hatte das Gelände im Sommer 2023 vom früheren Eigentümer Thomas von Landsberg-Velen erworben. Seit 2026 koordiniert die eigens gegründete Stiftung Ferdinand von Raesfeld die Arbeiten im Tiergarten.
An dem Rundgang nahmen Christoph Große-Kreul, Geschäftsführer der Stiftung Ferdinand von Raesfeld, Projektleiter Christoph Beemelmans sowie Ingo Bünning vom Büro biopace für Planung, Ökologie und Umwelt teil. Bünning begleitet das Vorhaben aus naturschutzfachlicher Sicht.

Eigenes Projekt der KORTE-Stiftung
Der Tiergarten nimmt innerhalb der KORTE-Stiftung eine besondere Rolle ein. Die Stiftung unterstützt normalerweise gemeinnützige Organisationen und externe Projekte. In Raesfeld setzt sie erstmals ein eigenes Vorhaben auf einer eigenen Fläche um.
„Mit dem Tiergarten in Raesfeld setzen wir unsere Ziele in den Bereichen Tierschutz, Naturschutz und Landschaftspflege erstmals auf einer eigenen Fläche und in einem eigenen Projekt um“, sagte Christoph Große-Kreul.
Die KORTE-Stiftung bleibt Eigentümerin des Geländes. Die Stiftung Ferdinand von Raesfeld übernimmt die Aufgaben vor Ort und soll künftig stärker sichtbar werden. Geplant sind unter anderem neue Informationstafeln und ein einheitlicher Auftritt auf Fahrzeugen und Arbeitskleidung.
„Der Name Ferdinand von Raesfeld macht deutlich, dass es hier um Wald, Wild und Natur geht“, erklärte Große-Kreul.

Planungen brauchen Abstimmung
Zwischen dem Erwerb der Flächen und dem Beginn der sichtbaren Arbeiten lagen umfangreiche Planungen. Die Stiftung musste Konzepte erarbeiten, Maßnahmen abstimmen und Genehmigungen einholen.
„Wir können natürlich nicht ohne die zuständigen Behörden mit der Umsetzung beginnen“, sagte Große-Kreul. „Es ist ein Prozess, bis die eigene Planung steht, die Abstimmung mit den Behörden erfolgt ist und die erforderlichen Genehmigungen vorliegen.“
Die Stiftung will die einzelnen Maßnahmen in einer fachlich festgelegten Reihenfolge umsetzen. Dabei gehe es nicht darum, möglichst schnell sichtbare Ergebnisse zu schaffen. Natürliche Abläufe und rechtliche Vorgaben bestimmten das Tempo.
Große-Kreul verwies auf Fragen aus der Bevölkerung. „Wann geht was vorwärts? Warum passiert etwas und warum passiert manches noch nicht? Genau diese Fragen wollen wir beantworten.“

Keine grundlegende Umgestaltung
Projektleiter und Geschäftsführer Christoph Beemelmans machte deutlich, dass die Stiftung den Wald nicht kurzfristig und großflächig verändern wolle.
„Wenn jemand glaubt, da ist jetzt ein neuer Waldbesitzer und der schmeißt den ganzen Wald durcheinander, kann ich diese Angst nehmen“, sagte Beemelmans. „Wald sind Prozesse.“
Während sich landwirtschaftliche Flächen innerhalb eines Jahres bestellen und abernten ließen, entwickele sich ein Wald über Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Die Verantwortlichen müssten deshalb jede Maßnahme langfristig planen. „Im Wald haben wir Entwicklungszeiträume, die bis zu 200 Jahre oder länger gehen“, erklärte Beemelmans.
Die Stiftung will natürliche Entwicklungen zulassen und nur dort gezielt eingreifen, wo dies fachlich erforderlich ist. „Unser Ziel ist ausdrücklich nicht, hier Tabula rasa zu machen“, betonte Beemelmans.

Umweltbildung im Tiergarten
Die Stiftung will den Tiergarten künftig stärker für Umweltbildung nutzen. Besonders der Bereich rund um das Naturhaus und den Waldkindergarten eigne sich dafür.
„Wir wollen den Wald mit Kindern erleben und mit Umweltpädagogik verbinden“, sagte Beemelmans.
Die Stiftung muss dabei jedoch die Vorgaben des Natur- und Artenschutzes beachten. Nicht jede geschützte Fläche eignet sich für Besuchergruppen oder praktische Angebote. Deshalb wollen die Verantwortlichen Naturerlebnis und empfindliche Bereiche deutlicher voneinander trennen.
Ingo Bünning erklärte, der Eingangsbereich biete dafür gute Voraussetzungen. „Wir haben alte Bäume und alle Möglichkeiten, dass Kinder Wald und Natur erleben können. Deshalb ist es sinnvoll, das Naturerlebnis in diesem Bereich zu konzentrieren.“
Geschichte und Naturschutz verbinden
Neben der ökologischen Entwicklung spielt auch die Geschichte des Tiergartens eine Rolle. Nach Angaben der Fachplaner gehört die Anlage zu den bedeutenden historischen Tiergärten in Nordrhein-Westfalen.
Die Stiftung muss deshalb verschiedene Anforderungen miteinander verbinden. Dazu gehören Natur- und Artenschutz, Denkmalschutz, Waldentwicklung, Wildtiermanagement und die Nutzung durch Besucher.
„Man kann über einzelne Maßnahmen trefflich streiten“, sagte Jens Bünning, Landschaftsökologe und Geschäftsführer des Planungsbüros biopace. „Für den historischen Charakter des Tiergartens gibt es jedoch ebenfalls gute Gründe, bestimmte Strukturen zu erhalten.“
Entwicklung über mehrere Jahre
Die Stiftung rechnet mit einem mehrjährigen Prozess. Erste Arbeiten haben bereits begonnen. Weitere Vorhaben befinden sich noch in der Planung oder im Genehmigungsverfahren.
Die Verantwortlichen wollen die Öffentlichkeit künftig über den Stand der Arbeiten informieren. Während des Pressetermins stellten sie mehrere Bereiche vor, die sie in den kommenden Jahren schrittweise entwickeln wollen.
Die Stiftung Ferdinand von Raesfeld plant außerdem einen weiteren Termin, bei dem sie interessierten Bürgern die vorgesehenen Maßnahmen im Tiergarten vorstellen möchte. Ein genauer Termin steht noch nicht fest und soll rechtzeitig bekannt gegeben werden.
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