Auf zahlreichen Internetseiten wird die Wellbrock-Quelle als sehenswertes Ziel für Spaziergänger und Ausflügler beschrieben. Was viele Besucher dabei offenbar nicht wissen: Die Quelle liegt mitten im Naturschutzgebiet des Tiergartens am Schloss Raesfeld. Das Betreten der geschützten Waldflächen sei grundsätzlich verboten.
Beim Pressetermin und Rundgang durch den Tiergarten stellte die Stiftung Ferdinand von Raesfeld ihre Pläne für den Bereich vor. Ingo Bünning vom Büro biopace erläuterte, warum die Wellbrock-Quelle künftig naturnäher gestaltet und der Zugang neu geordnet werden soll.

Quelle liegt mitten im Naturschutzgebiet
Die Wellbrock-Quelle ist derzeit über mehrere Wege und Stufen erreichbar. Das Wasser fließt durch einen Granitstein mit zwei Öffnungen, den der Heimatverein vor vielen Jahren eingebaut hatte. Nach Auffassung der Stiftung und der Fachplaner entspricht diese Gestaltung jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine naturnahe Quelle.
Ingo Bünning beobachtet regelmäßig Besucher an der Quelle. Auch Schulklassen würden den Bereich aufsuchen und dort unter anderem mit Keschern Tiere im Wasser suchen.
„Viele wissen gar nicht, wie es hier aussieht. Woher sollen sie das auch wissen? Hier gibt es richtige Stufen. Bei Besichtigungen haben wir gesehen, dass sogar ganze Schulklassen zum Keschern hierher geführt werden. Grundsätzlich bin ich ein großer Befürworter umweltpädagogischer Angebote. Nur ist das aus meiner Sicht der falsche Standort dafür.“
Naturerlebnis ja, aber nicht im Schutzgebiet
Nach Auffassung Bünnings soll die Quelle weiterhin für Besucher sichtbar bleiben. Gleichzeitig müsse das empfindliche Naturschutzgebiet besser geschützt werden.
„Wir möchten den Menschen die Quelle natürlich weiterhin zeigen. Hier wurde seinerzeit ein Granitstein mit zwei Öffnungen eingebaut, damit man das plätschernde Wasser gut sehen kann. Aus historischer Sicht kann ich das nachvollziehen. Die Menschen, die das damals gemacht haben, haben sich etwas dabei gedacht. Das möchte ich auch gar nicht kritisieren. Damals entsprach das dem damaligen Verständnis.“
Heute sehe man Quellen jedoch anders. „Heute würde man das so nicht mehr umsetzen. Deshalb möchten wir die Steine entfernen, weil sie hier nicht hingehören. Unser Ziel ist es, den Besuchern eine naturnahe Quelle zu zeigen, so, wie sie sich auf natürliche Weise entwickelt. Das Wasser tritt weiterhin aus, man kann die Quelle also auch ohne diese baulichen Elemente gut erleben.“

Nur noch ein Weg zur Quelle
Nach den Plänen der Stiftung soll künftig nur noch ein Weg zur Quelle führen. Mehrere Zugänge durch das Naturschutzgebiet sollen entfallen. „Dafür reicht ein Weg zur Quelle und wieder zurück. Man muss die Fläche nicht auf mehreren Wegen betreten.“ Hinzu komme, dass die vorhandenen Stege und Querungsbauwerke inzwischen erhebliche Schäden aufwiesen.
„Wir haben bereits gesehen, dass die Querungsbauwerke inzwischen stark baufällig sind. Das stellt auch ein Sicherheitsrisiko dar. Deshalb muss der Eigentümer hier handeln.“
Bereich soll abgegrenzt werden
Um Besucher besser zu lenken, könne sich Bünning eine kleine Absperrung an der bestehenden Plattform vorstellen.
„Denkbar wäre, den Bereich an der Plattform mit einem kleinen Zaun abzugrenzen. So wäre deutlich erkennbar: Bis hier kann man die Quelle besichtigen, die dahinterliegende Fläche als Naturschutzgebiet sollte jedoch nicht betreten werden.“
Nach den bisherigen Planungen soll die Wellbrock-Quelle auch künftig für Besucher erlebbar bleiben. Gleichzeitig möchte die Stiftung die künstlichen Einbauten entfernen, die Wegeführung auf einen Zugang beschränken und den sensiblen Bereich des Naturschutzgebietes dauerhaft besser schützen.

Info: Wellbrock-Quelle
Die Wellbrock-Quelle im Tiergarten am Schloss Raesfeld ist eine artesische Quelle. Das Wasser steigt aus einer Tiefe von rund zehn Metern selbstständig an die Oberfläche. Vor vielen Jahren wurde die Quelle durch einen Granitfindling mit einer Bohrung gestaltet, sodass das Wasser sichtbar aus dem Stein austritt. Die Quelle gilt als beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Spaziergänger. Nach den Plänen der Stiftung Ferdinand von Raesfeld soll sie künftig wieder naturnäher gestaltet werden.



























