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Festwirt Wenzel Schwering aus Erle: Ein Leben für das Festzelt

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Wenn einer weiß, wann das Bier kalt und das Zelt voll ist, dann er. Wenzel Schwering, heute 70 Jahre alt, ist Festwirt aus Erle und seit Jahrzehnten eine feste Größe auf Schützenfesten weit über Raesfeld hinaus.

„Ich habe mit 13 Jahren angefangen“, sagt er. Ein Satz, der mehr ist als eine Erinnerung. Er steht für ein ganzes Arbeitsleben zwischen Zapfhahn, Aufbauplan und langen Nächten. Jetzt gehen er und seine Frau Gaby, geborene Brömmel, in den Ruhestand. Ein Abschied mit vielen Geschichten.

Vom Mithelfer zum Festwirt

„Ich wollte nicht mehr nur bei Oma und Opa bleiben“, sagt Schwering. Die Eltern arbeiteten im Schichtdienst, die Kinder wurden betreut. Doch mit 13 Jahren trifft er eine Entscheidung. „Ich habe gesagt, ich will auch nicht mehr nur da bleiben. Ich will mit.“ Er fährt mit ins Zelt, sammelt Gläser, spült, macht „alles, was so anfiel“. Und vor allem: „Das habe ich immer gerne gemacht.“

In jungen Jahren-Festwirt aus Erle Wenzel Schwering
Kaum verändert. Wenzel Schwering als junger Mann. Foto: Petra Bosse (Repro)

Was als Helfen beginnt, wird schnell zur festen Aufgabe. Die Schützenfeste gehören früh zu seinem Leben. Auch später, als er bereits arbeitet. Schwering ist Industriekaufmann, sein Vater im Außendienst. Beide koordinieren Beruf und Festbetrieb. „Das konnten wir gut koordinieren.“ Doch der Aufwand wächst. 1981 macht er sich selbstständig. „Ich konnte nebenbei nicht mehr arbeiten gehen.“ Nach dem Tod seines Vaters 1987 führt er den Betrieb weiter.

Gemeinsam aufgebaut und gewachsen

Mit der Ehe kommt auch Gaby Schwering in den Betrieb. „Dann bin ich da so mit eingestiegen“, sagt sie. Viele Jahre läuft alles parallel. Beruf, Familie und Festzelt. Schritt für Schritt wächst der Betrieb.

Ehepaar Gaby und Wenzel Schwering als junges Ehepaar
Ehepaar Schwering in jungen Jahren. Foto: Petra Bosse (Repro)

Im Laufe der Jahrzehnte kommen viele Veranstaltungen zusammen. „Wir hatten immer so um die 30 im Jahr“, sagt Schwering. Hochgerechnet ergibt das weit über 1000 Schützenfeste. Mehrere Zelte gleichzeitig sind keine Seltenheit. „Wir konnten mehrere Schützenfeste an einem Tag laufen lassen.“ Die Dimensionen sind groß. Rund 5000 Quadratmeter Zeltmaterial stehen zur Verfügung, verteilt auf unterschiedliche Größen. Doch mit der Größe wächst auch die Herausforderung.

Personal, Prinzipien und ein Bruch durch Corona

„Lieber eins vernünftig als zwei nur halb“, sagt Schwering. Dieser Satz zieht sich durch seine Arbeit. Qualität geht vor Quantität.

Über viele Jahre funktioniert das auch personell. Es gibt einen festen Stamm. „Die haben Freunde mitgebracht, Studenten andere Studenten, Schüler ihre Kollegen.“ Viele bleiben lange, oft bis ins Berufsleben hinein.

Dann kommt Corona. „Nach Corona haben wir bei null angefangen.“ Plötzlich fehlen die Leute. Nur ein kleiner Stamm bleibt. Neue Kräfte müssen aufgebaut werden. „Das war das erste Mal, dass wir richtig Probleme hatten.“ Einsätze werden reduziert, Abläufe neu organisiert.

Gaby Schering in jungen Jahren im Festzelt mit Kittelschürze
Im Wandel der Zeit fielen auch die Kittel-Schürzen weg, die neben Festwirtin Gaby Schering auch die Angestellten im Festzelt trugen. Foto: Petra Bosse (Repro)

Wandel im Festzeltbetrieb

Auch das Feiern hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. „Die Leute kommen samstags viel später“, sagt Schwering. Früher habe sich das Zelt schon am frühen Abend gefüllt, heute bleibe es lange ruhig. „Da kann ich mit dem Schrottgewehr durchs Zelt schießen“, sagt er. Und dann gehe es plötzlich schnell. „Irgendwann, 23 Uhr, 24 Uhr, auf einmal ist es propper voll.“

Für ihn ist das eine Entwicklung, die er mit gemischten Gefühlen sieht. „Schade, weil es geht ja auch anders.“ Als Beispiel nennt er das Oktoberfest. „Da stehen die Besucher um halb fünf auf der Straße, obwohl erst um 18 Uhr geöffnet wird.“

Erstes Oktoberfest in Erle 2011, Wenzel Schwering  mit Andreas Grotendorst
Erstes Oktoberfest in Erle 2011. Wenzel Schwering und der ehemalige Bürgermeister Andreas Grotendorst. Foto: Petra Bosse (A)

Auch bei der Sicherheit habe sich einiges verändert. Die Auflagen seien gestiegen, sagt er, allerdings nicht überall gleich. „Das ist örtlich unterschiedlich.“ In größeren Städten sei der Aufwand oft höher, vor allem wenn viele Gäste von außerhalb kommen. Im Zelt selbst, hier in Erle, habe sich die Lage dagegen beruhigt. „Gegenüber früher ist es richtig ruhig geworden.“ Streit oder größere Zwischenfälle seien selten geworden.

Neue Wege beim Bezahlen

Früh setzt Schwering auf neue Technik. Die Einführung der Schwering-Karte ist ein Beispiel dafür. Ein bargeldloses Bezahlsystem im Festzelt, damals noch ungewohnt. „Wir sind auf die Messe gefahren und das hat uns so beeindruckt, dass wir gesagt haben, wir fangen jetzt an.“ Die ersten Reaktionen waren kritisch. „Am Anfang haben viele gemeckert.“ Auch technische Probleme wurden einkalkuliert. „Ich habe gesagt, es kann sein, dass es irgendwo hakt.“

Festwirt Wenzel Schering präsentiert neue Bezahlkarte
Festwirt Wenzel Schering präsentierte im Jahr 2016 die neue Bezahlkarte. Foto: Petra Bosse

Doch das System setzt sich durch. „Heute sagen alle super.“ Es erleichtert Abläufe, verhindert Fehler beim Abrechnen. „Man kann sich nicht mehr verrechnen.“

Übergang in den Ruhestand

Heute, mit 70 Jahren zieht sich Schwering aus dem aktiven Geschäft zurück. Ganz loslassen fällt ihm nicht leicht. Die nächste Generation übernimmt. Sohn Benedikt (Geschäftsführer)wird den Zeltverleih leiten. Sein Bruder Fabian Schwering und Tobias Möllmann, Schwiegersohn von Wenzel und Gaby Schwering, werden sich künftig um die Bewirtung kümmern. Wenzel Schwering selber aber bleibt weiterhin im Hintergrund aktiv. „Ich habe unten noch mein Büro.“ Vor allem bei der Personaleinteilung schaut er genau hin. „Da gucke ich gerne noch drüber, weil da viel passieren kann.“ Er kennt die Abläufe im Detail. Weiß, wann welches Zelt aufgebaut sein muss, wann Personal vor Ort sein muss. „Das darf nicht passieren, dass einer zu spät kommt.“

Vater und Sohn - Festwirte Erle Benedikt und Wenzel Schwering
Vater und Sohn – Festwirte Erle Benedikt und Wenzel Schwering. Foto: Petra Bosse (Archiv 2015)

Mehr Zeit für Familie und Fahrrad

Der Ruhestand bringt neue Freiräume. Die Familie rückt stärker in den Mittelpunkt. Die Wege sind kurz, die Kinder wohnen in der Nähe. Ein gemeinsames Hobby haben Wenzel und Gaby Schwering längst gefunden. „Wir fahren sehr gerne Fahrrad.“ Mit dem E-Bike erweitert sich der Radius. „Man kommt ganz anders weg.“ Tagesausflüge sind fest eingeplant, längere Touren sollen folgen. Auch Reisen stehen auf der Liste. Noch nicht konkret, aber fest vorgesehen.

Erinnerungen an die eigene Regentschaft

Wenzel und Gaby Schwering waren nicht nur Gastgeber, sondern selbst Teil der Schützenfesttradition. Beide standen als Königspaar im Mittelpunkt.

Ehepaar Schwering sagen nach 40 Jahren tschüss
Foto: Petra Bosse

Auf die Frage, ob sie noch einmal antreten würden, winkt Schwering ab. „Nein, wir haben wunderschöne Feiern gehabt.“ Er erinnert sich an seine Regentschaft 1992/93 und seine Frau als Königin 2007/2008. Zwei Jahre, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind. „Wir hatten einen tollen Königsthron und haben richtig gut gefeiert.“ Noch einmal antreten, das ist für beide kein Thema. Die Erinnerungen reichen ihnen. „Das war einfach eine schöne Zeit.“

Ein Leben für das Fest

Nach mehr als 40 Jahren endet eine prägende Zeit. Für Wenzel Schwering, für seine Familie und für viele Vereine in der Region. Der Name bleibt eng verbunden mit den Schützenfesten in Erle, in Raesfeld und darüber hinaus. Mit Organisation, Verlässlichkeit und Erfahrung.

Oder, wie er es selbst formuliert: „Man muss sehen, dass alles läuft.“

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