Wie es mit dem Kirchplatz an der St. Martin-Kirche in Raesfeld weitergehen soll, bleibt vorerst offen. Nach einer kontroversen Debatte im Bau- und Umweltausschuss verschiebt Raesfeld die Entscheidung auf die nächste Ratssitzung. Im Mittelpunkt im Bauausschuss am Montag standen die geplanten Baumfällungen, die für deutliche Kritik sorgten.
Geplante Änderungen am Baumbestand
Im nächsten Bauabschnitt ist geplant, die restlichen Flächen rund um die Kirche neu zu gestaltet. Die Pläne dazu stellt Bauamtsleiter Bernd Roters am Montag in der Bauausschusssitzung vor.

Die Planung sieht vor, die sechs vorhandenen Linden im westlichen und südlichen Bereich der Kirche zu entfernen. Nach Angaben der Verwaltung führten die Bäume zu einer starken Verschattung des Umfelds und verursachten durch ganzjährigen Laubfall sowie den Mehltau eine deutliche Verschmutzung und Verklebung der Pflasterflächen. Zusätzlich hätten die Wurzeln bereits Teile des Pflasters angehoben, sodass bei einem Erhalt der Linden in absehbarer Zeit erneut Schäden zu erwarten seien.
Ausgangslage und Planungsstand
Im östlichen Bereich sollen zwei Linden ersatzlos entfallen, damit das Kirchenportal freigestellt wird und von der Borkener Straße aus uneingeschränkt sichtbar ist.

Der angrenzende Ahorn gilt laut Verwaltung als nicht mehr vital; seine Wurzeln heben das Pflaster bereits deutlich an. Dieser Baum soll entfernt und durch eine Winterlinde ersetzt werden. Ergänzend ist vorgesehen, in unmittelbarer Nähe eine weitere Linde zu pflanzen. „Die Wurzeln drücken das Pflaster heraus“, erklärte Roters. Problematisch sei, dass für das neue Pflaster alle oberen Wurzeln gekappt werden müssten. Ob die Bäume dies überstünden, sei fraglich; zudem würden sich die Probleme mit dem Pflaster nach einigen Jahren erneut einstellen. „Wir können nicht 30 oder 40 Zentimeter höher bauen“, sagte er. Dies sei ein zentraler Grund für den Vorschlag der Verwaltung, den Baumbestand zu erneuern.

Für neue Bäume seien jeweils zwölf Kubikmeter große Pflanzbereiche vorgesehen. Probleme verursache zudem der Mehltau an den Linden. „Es verklebt alles“, sagte Roters mit Blick auf die Verschmutzungen im Frühsommer. Vor dem Martinushaus sehe die Planung drei Amberbäume vor, um eine klare Sichtachse zu erhalten. Auf dem insgesamt engen Raum seien kleinkronige Baumarten vorgesehen.
Konfliktpunkt Baumbestand
Das Vorhaben stieß in allen Fraktionen auf Bedenken.Tobias Honvehlmann (CDU) äußerte sich zurückhaltend gegenüber einer generellen Entfernung. Zwar passe die Umgestaltung in die Gesamtplanung, dennoch solle geprüft werden, welche Bäume erhalten bleiben können. Zur Frage der Eigentumsverhältnisse erklärte Roters, die Hauptfläche gehöre der Kirche, einige kleinere Bereiche seien in Privatbesitz. Johannes Ostermann (UWG) schloss sich im großen und ganzen der Meinung der CDU an.
Henry Tünte, Fraktionsvorsitzender der Grünen, bewertete die vorgestellten Pläne als sehr Kritisch. Er betonte außerdem: „Die Planung ist für mich eine Provokation.“ Er verwies auf bereits erfolgte Fällungen am Martinushaus, die seiner Ansicht nach hätten erhalten bleiben sollen. „Ja, Bäume wachsen nun mal. Und ja, Bäume machen auch Schatten, sonst könnten wir ja alle Bäume fällen“, sagte Tünte. Den Hinweis auf verschmutztes Pflaster sah er kritisch und plädierte für den Erhalt des bestehenden Bestands.

Die geplanten Fällungen der beiden Linden und des Ahorns kritisierte er ebenfalls und forderte ausdrücklich heimische Gehölze. Roters entgegnete, er habe eine Liste mit rund 20 geeigneten Baumarten vorliegen. „Ein konkreter wäre da schon hilfreich“, sagte er.
Auch was die Außengastronomie bei „Dorfwirt Anton“ anbelangte erklärte Tünte, dass eine zusätzliche Aufwertung mit Blick auf die Anwohnersituation nicht sinnvoll sei, da es bereits hier schon „genug Halli Gallie“ gebe.
Tünte bemängelte zudem mangelnde Kommunikation mit den Anwohnern. Roters entgegnete, die Neugestaltung sei seit drei Jahren Thema. „Wir verfeinern die Planung nur. Alles andere sei schon lange bekannt.“ Und: Man spreche mit den Anwohnern.

Weitere Wortbeiträge aus den Fraktionen
Christian Becker (FDP) teilte die Bedenken und sprach sich insbesondere für den Erhalt der Bäume an der Südseite und entlang der Borkener Straße aus. „Wir tun uns alle mit den Bäumen schwer, aber wir müssen auch weiterkommen“.
Andreas Erzkamp (SPD) wollte wissen, ob Anwohner an den Kosten beteiligt werden könnten. Markus Büsken, Erster Beigeordneter, erläuterte, dass die Kirche ihren Anteil übernehme. Für Anwohner gebe es keine Beteiligung; hier greife eine Ausnahmeregelung im Rahmen der Städtebauförderung.

Beschluss im Ausschuss
„Wir tun uns schwer mit den Bäumen“, fasste Ausschussvorsitzender Gerd Bannefeld (CDU) zusammen. Einen kompletten Neustart der Planung lehnte Büsken ab. Stattdessen sollten die Fraktionen beraten, wie mit den einzelnen Bäumen verfahren werden soll. Der Ausschuss votierte einstimmig dafür, die Entscheidung dem Rat in seiner nächsten Sitzung zu übergeben.



























