Menschliche Götter in Schermbeck

Arianna Savall und „Il Desiderio“ gastieren am 10. Oktober in der St. Georgskirche Schermbeck

Die junge katalanische Sängerin und Harfenistin Arianna Savall gehört seit mehreren Jahren zu den europaweit gefragtesten Musikerpersönlichkeiten, wann immer es um die Klangwelt von Renaissance und Frühbarock geht.
Im Rahmen der „Muziekbiennale Niederrhein 2010“ wird sie am Sonntag, den 10. Oktober ab 17.00 Uhr gemeinsam mit dem Ensemble „Il Desiderio“ in der evangelischen St. Georgskirche von Schermbeck (Georgstr. 15) zu hören sein. Ihre Partner heißen dann Thomas Kügler (Block- und Traversflöten), Holger Faust-Peters (Viola da gamba) und Michael Freimuth (Laute).
Weil nicht nur der Ruf des Ensembles selbst mit seinen internationalen Auszeichnungen längst legendenverdächtig ist, sondern auch das Motto der diesjährigen Biennale „Mythen und Legenden“ lautet, erwartet das Publikum von Schermbeck eine Fülle von vertonten Geschichten und Erzählungen aus der Zeit der Reformation.
In ihnen geht es vor allem um den Familienzwist und die erstaunlich menschlichen Bedürfnisse trickreich agierender antiker Gottheiten, die dem Publikum des 16. und 17. Jahrhunderts eine freundliche Gegenwelt zu allen blutigen Auseinandersetzungen auf der politischen Bühne ihrer Zeit geboten haben. Die Figuren mythologischer Geschichten gerieten unter diesen Voraussetzungen rasch unter die „Top Ten“ der Unterhaltungsliteratur. Kaum ein Roman, nur kein Theaterstück und schon gar kein Singspiel, das damals ohne Beteiligung der Familien von Zeus oder Jupiter denkbar gewesen wäre. Hirten und Nymphen bildeten den größten Anteil unter den menschlichen Darstellern von Geschichten, in der phantastische, sprechende Pferde – wie Arion – keine Ausnahmeerscheinung waren, und jungfräuliche Jägerinnen wie Artemis, Diana oder Daphne verdrehten den Bewohnern des Götterhimmels reihenweise die Köpfe.
Das Programm mit Arianna Savall und dem Ensemble „Il Desiderio“ liefert die passende Musik zur „Fantasywelt“ der Epoche – und eine anrührende Übertragung von deren aufregenden Plots in die Geheimsprache barocker „Klangrede“.
Zu hören sein werden Kantaten, Szenen aus Opern und Instrumentalwerke des 17. und 18. Jahrhundert von André Campra aus Frankreich, Claudio Monteverdi aus Italien und Jakob v. Eyck aus der unmittelbaren Nachbarschaft von Schermbeck.
Das Konzertereignis bildet den Auftakt zu einer Partnerschaft zwischen der „Kulturstiftung Schermbeck“ und dem „Kulturraum Niederrhein“, der seit mehreren Jahren die „Muziekbiennale“ ausrichtet. Der Augenblick will gefeiert sein: Als Eröffnungsgeschenk an die Schermbecker Bürgerinnen und Bürger findet die Veranstaltung bei freiem Eintritt statt, und das dürfte – jedenfalls für ein Programm mit Arianna Savall in der Hauptrolle – bis auf den heutigen Tag europaweit einzigartig sein.