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607 Fälle häusliche Gewalt im Kreis Borken

Veröffentlicht am

„Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ – Kreis Borken weist auf Hilfsangebote für Betroffene hin. Kreispolizeibehörde Borken registrierte 2022 mehr Anzeigen wegen häuslicher Gewalt

In den neun Monaten 2022 registrierte die Kreispolizeibehörde Borken 607 Fälle häuslicher Gewalt. Im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum 538 Fälle. Somit beträgt die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr zwölf Prozent.

Bei den Straftatbeständen rangierte an erster Stelle die „einfache Körperverletzung“ mit 361 (349) Fällen, gefolgt von der „gefährlichen Körperverletzung“ mit 86 (59) Fällen und der „Bedrohung“ mit 55 (46) Fällen. Auch bei diesen jeweiligen Straftatbeständen ließ sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021 ein deutlicher Anstieg erkennen. In 291 Fällen wurden im Zeitraum Januar bis September dieses Jahres Wohnungsverweisungen ausgesprochen.

Steigende Zahlen

„Die steigende Zahl der Strafanzeigen, die die Kreispolizeibehörde Borken von Januar bis September 2022 wegen häuslicher Gewalt aufgenommen hat, zeigt, dass nicht häufig genug auf die Problematik aufmerksam gemacht werden kann“, sagt Landrat Dr. Kai Zwicker.

Beleidigungen, Nötigung zu sexuellen Handlungen, Schläge und Vergewaltigungen gehören in keine Partnerschaft. Trotzdem erleben viele Frauen weltweit – auch im Kreis Borken – täglich Gewaltausbrüche ihrer Partner. Um diese Problematik in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, wird jährlich am 25. November der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ begangen.

Zeichen der Solidarität

Er soll jeglicher Form der Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen entgegenwirken. In diesem Zusammenhang weist der Kreis Borken auf Hilfsangebote für Betroffene im Westmünsterland hin. Zudem wird als Zeichen der Solidarität und Unterstützung an dem Tag die Fahne des gemeinnützigen Vereins „Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau“ vor dem Kreishaus in Borken gehisst.

Des Weiteren beteiligt sich die Verwaltung an der Mitmachaktion „Wir brechen das Schweigen – Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen #schweigenbrechen“ des bundesweiten Hilfetelefons für Frauen (08000/116-016).


Verstärkte Aufklärung, Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit

„So alarmierend die Daten sind, sie bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt tatsächlich gestiegen ist. Die Zahlen verdeutlichen aber eines: Die Bereitschaft, Fälle häuslicher Gewalt öffentlich zu machen und zur Anzeige zu bringen, wächst stetig. Wir gehen davon aus, dass durch intensive Bemühungen aller Beteiligten, durch verstärkte Aufklärung, Sensibilisierung, Öffentlichkeitsarbeit und Prävention es gelungen ist, die extrem hohe Dunkelziffer in diesem Bereich weiter zu lichten“, erklärt der Landrat. „Nach Schätzungen gehen wir als Polizeibehörde davon aus, dass die Dunkelziffer im Bereich der häuslichen Gewalt immer noch hoch ist. Viele Opfer verschweigen aus Angst, Scham oder weil Kinder im Spiel sind, die Vorfälle“, sagen die Opferschützer der Kreispolizeibehörde Borken.

Hohe Dunkelziffer

Die vermehrten Anzeigen und die hohe Dunkelziffer in dem Bereich zeigen für Imgard Paßerschroer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Borken, wie wichtig es ist, das kreisweite gemeinsame Engagement gegen häusliche Gewalt fortzusetzen und möglichst früh präventiv mit entsprechenden Beratungsangeboten zu helfen.

Aus diesem Grund existiert seit 2001 im Kreis Borken der „Runde Tisch gegen häusliche Gewalt – GewAlternativen“, dessen Schirmherr Landrat Dr. Kai Zwicker ist. „Hierbei handelt es sich um einen interdisziplinären Zusammenschluss von Fachleuten, die direkt oder indirekt mit Fällen häuslicher Gewalt konfrontiert werden können“, erläutert Irmgard Paßerschroer als Geschäftsführerin des Runden Tisches und ergänzt: „Gemeinsam haben wir uns das Ziel gesetzt, gegen häusliche Gewalt im Kreis Borken vorzugehen, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und damit befasste Institutionen sowie Organisationen untereinander zu vernetzen.“

Runder Tisch – aktive Begleitung, Beratung und Unterstützung

Nicht durch Verleumdung und Verharmlosung könne der Gewalt und ihren Folgen begegnet werden, sondern nur durch aktive Begleitung, Beratung und Unterstützung der betroffenen Frauen, unterstreicht der Landrat die Relevanz des Gremiums. Vertreten sind dort unter anderem folgende Bereiche: Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen, Frauenberatung, Frauenhäuser, Gleichstellung, Jugendämter, Justiz, Medizin, Polizei, Schulen und Tageseinrichtungen für Kinder. „Inzwischen gehören rund 55 aktive Mitglieder zum Zusammenschluss“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.
Im Laufe der mehr als 20 Jahre des Bestehens des „Runden Tisch – GewAlternativen“ haben die Verantwortlichen verschiedene Aktionen, Ausstellungen, Seminare und Tagungen organisiert.

Veranstaltung des Bündnisses

Als Beispiel nennt Irmgard Paßerschroer die letzte Veranstaltung des Bündnisses „Wenn der Krieg im Kopf weitergeht – Traumafolgestörung im Kontext von Krieg, Flucht und Gewalt“. Bei dieser Fachtagung sei es um Frauen und Mädchen gegangen, die auf der Flucht unvorstellbares Leid erlebt haben und daher unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Eine große Bedeutung spielt in diesem Kontext die Erstbetreuung der Kriegsgeflüchteten.

Dabei stellen sich unter anderem folgende Fragen: Wie soll man sich dabei verhalten? Wie gehen Fachleute in Beratungsstellen, Fraueneinrichtungen und Flüchtlingsunterkünften damit um?
Ein weiteres Beispiel für die Aktivitäten des Runden Tisches sind die roten Bänke mit markanten Sprüchen zum Thema Gewalt, die 2021 und 2022 von den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in vielen Städten und Gemeinden im Kreisgebiet aufgestellt wurden. Die Bänke sollen Hoffnung auf einen Ausweg aus der gewalttätigen Situation symbolisieren. Daher sind sie mit Schildern ausgestattet, auf denen wichtige Rufnummern der bundes- und landesweiten Hilfetelefone und Beratungsstellen im Kreis Borken angegeben sind. Ein QR-Code führt zudem auf die Internetseite des Runden Tisches „GewAlternativen“, die weitere Informationen zum Bündnis und zu Hilfsangeboten bereithält.

Kontakt im Kreis Borken

Im Kreis Borken gibt es zahlreiche Hilfs- und Unterstützungsangebote, wie beispielsweise die Frauenberatungsstelle und den Frauennotruf in Ahaus, die unter der Telefonnummer 02561/3738 zu erreichen sind. Die Rufnummer der Kontakt- und Anlaufstelle bei häuslicher Gewalt in Ahaus lautet 02561/95230.

Frauenhaus Bocholt

Mit dem Frauenhaus Bocholt können Hilfesuchende unter der Telefonnummer 02871/40194 Kontakt aufnehmen und die Frauenschutzwohnung Gronau ist unter der Rufnummer 02562/817340 zu erreichen. Alle Beratungsangebote sind kostenlos und vertraulich.

Weitere Informationen zu Beratungsstellen, Schutzeinrichtungen und Hilfsangeboten für betroffene Frauen, aber auch für Kinder und Männer gibt es auf der Internetseite des Kreises Borken unter www.kreis-borken.de/gewalternativen.

Gewalt-gegen-Frauen-Kreis-Borken
Foto: Landrat Dr. Kai Zwicker (re.), Irmgard Paßerschroer (li), Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Borken und Geschäftsführerin des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt – GewAlternativen, Annette Demes (2. Reihe li.), Vorsitzende des Arbeitskreises für die Gleichstellung von Frau und Mann, Ulrike Nitsch (2. Reihe Mitte), stellv. Vorsitzende des Arbeitskreises für die Gleichstellung von Frau und Mann, und Elisabeth Terhorst (2. Reihe re.), Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle Frauen für Frauen e.V., präsentieren die Fahne des gemeinnützigen Vereins „Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau“ vor dem Kreishaus in Borken.

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