Kapelle – Tradition wird auf dem Hof Stegerhoff bewahrt / Wenzel Böckenhoff rettete Josefs-Figur. Sichtbare Zeugnisse des Glaubens finden sich in Erle nicht nur an kirchlichen Stätten.
Wir stellen zwei Beispiele vor: die Kapelle auf dem Hof Stegerhoff und die Steinfigur des Heiligen Josefs am Haus von Wenzel Böckenhoff.

„Es ist vollbracht“: So steht es auf dem Altar der Kapelle des Hofs Stegerhoff. „Früher war die Kapelle etwas Besonderes. Alle vorbeifahrenden Fahrradfahrer hielten hier an, nahmen ihren Hut ab und bekreuzigten sich“, erinnert sich Johannes Stegerhoff, der mit dieser Familienkapelle groß geworden ist.

Der Hof Stegerhoff wurde bereits 1535 urkundlich erwähnt. Von Krieg und Krankheiten blieb die Familie im Laufe der Zeit nicht verschont. Der Mann von Elisabeth Bluse ließ im Ersten Weltkrieg sein Leben. Elisabeth, gebürtige Jakobs aus Heiden, gebar kurz danach einen Sohn. Später heiratete sie erneut, doch auch ihr zweiter Mann starb mit 28 Jahren an einer Lungenentzündung. Aus dieser Ehe ging zwei Kinder hervor: Hermann, der 1942 in Russland fiel, und Johannes, der 1928 ebenfalls kurz nach dem frühen Tot seines Vaters, geboren wurde.

Namenswirrwarr
Elisabeths dritter Ehemann, August Honvehlmann, übernahm nicht nur Hof und Kinder, sondern setzte unter das Namenswirrwarr einen Schlussstrich, indem er und alle Kinder den alten Hofnamen „Stegerhoff“ annahmen. „Aus Dankbarkeit, dass alles so gut geklappt hat und dass sich alle Kinder gut verstanden haben, baute August Stegerhoff/Honvehlmann, mein späterer Schwiegervater, diese Kapelle“, sagt die heute 85-jährige Agnes Stegerhoff, die 1957 Johannes Stegerhoff heiratete, der 2008 starb.

August Stegerhoff lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1980 mit Sohn Johannes, Schwiegertochter Agnes und den Enkelkindern auf dem Hof. „Unseren Opa August habe ich heute noch in aller bester Erinnerung, denn er war zu allen Kinder gleich lieb“, erzählt Johannes Stegerhoff.
Damit die Ahnen nicht Vergessenheit geraten, wurden alte Familiengrabsteine von außen an die Kapelle gesetzt. „So bleibt die Erinnerung an die Verstorbenen lebendig und diese Tradition soll auch generationsübergreifend fortgesetzt werden“, sagt Agnes Stegerhoff.
Steinfigur
Vor dem Haus ihres Bruders Dr. Wenzel Böckenhoff an der Rhader Straße steht die große Steinfigur des Heilgen Josef. Entdeckt hat sie Böckenhoff in Bocholt am ehemaligen Altersheim „Zum guten Hirten“. „Ich betreute dort die Bewohner als Arzt. Als ich hörte, dass das Haus 1981 abgerissen werden sollte, fragte ich die Nonnen, was denn mit dem Heiligen Josef passiert“, erinnert sich Böckenhoff. „Der fällt mit dem Abriss in die Tiefe“, war die Antwort.

140 Jahre alte Statue
Böckenhoff wollte das nicht akzeptieren, transportierte die rund 140 Jahre alte Statue auf eigene Kosten zu seinem Haus nach Erle und stellte sie auf. Da dem Heiligen Josef die Lilie in der Hand fehlte, ließ Böckenhoff sie später von einem Erler Schmied erneut anfertigen.

Hintergrund der Lilie ist eine Legende, die erzählt, dass Stäbe an alle unverheirateten Männer aus dem Geschlecht Davids im Tempel verteilt wurden, um einen Mann für die Jungfrau Maria zu finden. Der Stab Josefs erblühte als Lilie, so die Legende. So wurde Josef als der von Gott vorherbestimmte Ehemann Marias auserkoren.



























