100 Interessierte diskutierten im Kreishaus über das Thema „Inklusion“
Kreis Borken (pd). Rund 100 Eltern, Pädagogen und Politiker haben am Dienstagabend (13.10.) im Kreishaus darüber diskutiert, wie der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern funktionieren kann. Dabei ging es nicht nur um pädagogische, sondern vor allem auch um organisatorische und finanzielle Fragen. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte das gerade gegründete Bildungsbüro des Kreises, das sich in den kommenden Jahren auch intensiv um das Thema Inklusion kümmern wird. Anlass ist die UN-Konvention zu den „Rechten der Menschen mit Behinderung“, die sicherstellen soll, dass alle Kinder gleichberechtigt einen Zugang zum Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben. Und zwar in der Gemeinschaft, in der sie leben, also vor Ort.
„Die Schaffung eines inklusiven Bildungssystems, in dem Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können, ist eine außerordentlich große Herausforderung für die Bildungspolitik in Deutschland, im Land NRW, aber auch im Kreis Borken“, sagte Landrat Gerd Wiesmann. Wie vor allem die Kommunen solche Herausforderungen bewältigen können, das erläuterte Dr. Reinald Eichholz, Mitglied der Koordinierungsgruppe der National Coalition
für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland. Er empfahl, das Gespräch mit Eltern zu suchen, die ihr behindertes Kind in die Regelschule schicken wollten. So ließe sich meist eine Regelung finden. „Begeben Sie sich nicht in die Situation, sich verklagen zu lassen“, so Eichholz. Gleichzeitig sei die Sorge unbegründet, dass das Ende der Förderschulen nahe. „Es wird auch weiterhin Förderstützpunkte geben müssen.“ Zudem wünschten sich viele Eltern die besondere Betreuung und Begleitung ihrer Kinder, wie sie in einer Förderschule möglich sei.
Zurzeit besuchen im Kreis Borken rund 2.700 Jungen und Mädchen eine Förderschule, das sind etwa vier Prozent aller Schülerinnen und Schüler. „Besonders im Bereich der Grundschulen steigt die Nachfrage nach gemeinsamem Unterricht deutlich an“, erklärte Schulamtsdirektorin Ulrike Schwarz. Sie stellte die Zahlen gemeinsam mit Jürgen Geuting, dem Leiter der Schulverwaltung beim Kreis, vor.
Wie der gemeinsame Unterricht funktionieren kann, erläuterte Corny Bennemann aus Südlohn-Oeding. Ihre Tochter besucht trotz einer Behinderung die normale Grundschule vor Ort. Um das zu ermöglichen, investierte die Gemeinde in den behindertengerechten Umbau der Von-Galen-Schule. „Den selbstverständlichen Umgang miteinander müssen die Kinder von klein auf lernen“, betonte Corny Bennemann. Das Modell in Oeding sei eine echte Erfolgsgeschichte. „Und bei Bedarf wird es zur Hauptschule in Südlohn fortgeführt“, ergänzte Herbert Schlottbom von der Gemeinde.
Unterstützung erhält die Grundschule in Oeding durch Sonderpädagogen von der St.-Felicitas-Schule in Vreden. Bernhard Südholt, der Leiter der Förderschule, stellte das Konzept seines Hauses vor. Aus dem integrativen Unterricht an der Montessori-Gesamtschule in Borken, der dort bereits seit 20 Jahren Alltag ist, berichteten Hans-Werner Bick und Hartmuth Schlüter-Müller.
Das Schulamt für den Kreis Borken schlägt den Kommunen und dem Kreis Borken eine Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung durch die Errichtung sonderpädagogischer Kompetenzzentren vor. „So schaffen wir zwar nicht eine Schule für alle, erreichen aber, dass mehr Kinder mit sonderpädagogischer Unterstützung wohnortnah in den Regelschulen gefördert werden können, und das ist ein wichtiger Schritt im Sinne der UN-Konvention“, erläuterte Schulamtsdirektorin Ulrike Schwarz
„Das Thema Inklusion werden wir in den kommenden Monaten und Jahren weiter intensiv begleiten“, betonte die Leiterin des Bildungsbüros, Elisabeth Büning, zum Abschluss der Veranstaltung. Wer Fragen zum Thema hat kann sich direkt an das Bildungsbüro, Tel.: 02861/82-1345, wenden.




























