Wildschweinepest im Kreis Borken verhindern

Arbeitsgruppe traf sich mit Fachleuten aus Nordrhein-Westfalen

Westmünsterland (pd). Oft sieht man nur die Spuren ihres Treibens auf den Wiesen und Äckern. Im heimischen Wohnzimmer, wie vor Jahren in Stadtlohn geschehen, tauchen sie eher nicht auf. Dennoch: Im Kreis Borken waren in den vergangenen Jahren die Hinweise auf eine extreme Zunahme der Wildschweinebestände unübersehbar. Die Gründe: Natürliche Feinde fehlen und das Futterangebot ist nahezu unbegrenzt.

Die Landwirte klagen über vermehrte Wildschäden. „Die mit Abstand größte Gefahr für den Kreis Borken ist allerdings, dass sich eine dichte Wildschweinepopulation leicht mit Schweinepest infizieren kann“, erklärt Dr. Albert Groeneveld vom Fachbereich Tiere und Lebensmittel der Kreisverwaltung. Um das zu verhindern, hat der Kreis eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der regelmäßig Vertreter von Landwirtschaft, Jagd, Forstbehörde und Kreis zusammenkommen.
Ziel ist es, dass es im Kreis Borken nicht so weit kommt wie Anfang 2009 im Oberbergischen Kreis. Dort wurde damals erstmalig rechtsrheinisch ein infiziertes Wildschwein gefunden. In kürzester Frist tauchten in drei weiteren Kreisen erkrankte Wildschweine auf. [spoiler] „Für die Halter von Mast- und Zuchtschweinen in der betroffenen Region hatte das die völlig unerwartete Folge, dass ihre Schweine vom Handel nicht mehr abgenommen wurden, weil insbesondere die grenzüberschreitende Vermarktung kaum möglich war“, berichtet der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken, Jörg Sümpelmann. „Und ohne den Verkauf über die nationalen Grenzen hinweg geht es heute im vereinten Europa nicht mehr.“
Die Einschränkung der Vermarktung von nachweislich gesunden Hausschweinen, nur weil die Wildschweinepopulation in derselben Region als infiziert gilt, ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar. „Die Regeln des Handels sind aber so“, betont Dr. Peter Epkenhans von der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW. „Denn Exporte werden in den allermeisten Fällen durch Handelsabkommen geregelt, in denen festgeschrieben ist, dass das Fleisch aus seuchenfreien Regionen stammen muss.“ Deshalb würde schon ein einziger Wildschweinepestfall den Export in wichtige Märkte wie China, Japan oder Südafrika zum Erliegen bringen. Experten gehen deshalb davon aus, dass der wirtschaftliche Schaden einer Wildschweinepest allein im Westmünsterland mehrere hundert Millionen Euro betragen könnte.
Ziel der Arbeitsgruppe, die zu ihrem letzten Treffen auch einige Experten von außerhalb eingeladen hatte, ist es deshalb, die Wildschweinebestände im Kreis Borken klein zu halten. Nach Feststellung von Dr. Michael Petrak, dem Leiter der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung in Bonn, bewegt sich die jährliche Zuwachsrate in Deutschland zurzeit zwischen 200 und 300 Prozent. Nur die harten Winter der vergangenen beiden Jahre hätten die Entwicklung leicht gebremst.
„Wir müssen mit den Jägern und Landwirten zu effektiven Lösungen kommen, um die Bestände auf niedrigstem Niveau zu halten“, fordert der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Heinrich Rülfing. „Eine geeignete Methode für den Kreis Borken sind zum Beispiel Drückjagden. Sie müssen konsequent durchgeführt werden.“
Wertvolle Hinweise zur Organisation solcher Drückjagden gab der Berufsjäger Peter Markett vom Davert Hochwildring, ein anerkannter Fachmann für die Bejagung von Wildschweinen. Zeitnah wollen die Mitglieder des Arbeitskreises nun gemeinsam mit weiteren Landwirten und Jägern konkrete Maßnahmen gegen die Zunahme der Wildschweinebestände im Kreis Borken vereinbaren und dann auch umzusetzen. [/spoiler]