Von den Stärken der Älteren profitieren

Gabriele Dües (Mitte) verstärkt das Team der Intensivstation im St.-Antonius-Hospital. Darüber freuen sich auch (v.l.) Kornelia Grötken, Susanne Woldering, Michael Wessendorf und Mia Senden.

Das Projekt „comeback 50″ hat mittlerweile fast 130 ältere Langzeitarbeitslose vermittelt / Ehemaliger Landrat Gerd Wiesmann engagiert sich als Botschafter

Kreis Borken/Ahaus/Gronau (pd). Menschen, die einen Angehörigen zum ersten Mal auf der Intensivstation besuchen, befinden sich oft in einer emotionalen Ausnahmesituation. Zur Sorge um Partner, Eltern oder Kinder kommt häufig die Unsicherheit im Umgang mit Apparaten und Hygienevorschriften. Auf der Intensivstation des St.-Antonius-Hospitals in Gronau steht Besucherinnen und Besuchern deshalb Gabriele Dües zur Seite. Als Stationsassistentin ist die 53-Jährige Ansprechpartnerin für Angehörige und entlastet das Pflegepersonal gleichzeitig von einigen Routinearbeiten, dazu gehören zum Beispiel die Übernahme hauswirtschaftlicher Tätigkeiten und die Menübestellung für die Patienten. „In diesem Job hilft Frau Dües ganz besonders ihre Lebenserfahrung“, sagt Pflegebereichsleitung Kornelia Grötken. „Sie hat einen besonders guten Draht zu Angehörigen“, ergänzt der stellvertretende Stationsleiter Michael Wessendorf.

Über das Projekt „comeback 50“, das bei der Vermittlung älterer Langzeitarbeitsloser hilft, hat Gabriele Dües den Teilzeit-Job im St.-Antonius-Hospital gefunden. Sie ist die 100. erfolgreiche Vermittlung des Projekts seit dem Start im Sommer 2009. Mittlerweile ist die Zahl noch weiter geklettert. 128 Langzeitarbeitslose, allesamt älter als 48 Jahre, haben über „comeback 50“ einen neuen, festen Arbeitsplatz gefunden. „Ein tolles Ergebnis“, findet Projektleiterin Susanne Woldering vom „Service-Punkt ARBEIT im Kreis Borken“. Insgesamt 670 Männer und Frauen haben inzwischen Kontakt zu den Expertinnen und Experten aufgenommen, die versuchen, sie mit passgenauen Angeboten fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Denn mit zunehmendem Alter wird die Luft auf dem Arbeitsmarkt häufig dünner.

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte Gabriele Dües ihren ersten Termin bei Mia Senden, ihrem Jobcoach. Die Mitarbeiterin der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) in Ahaus überlegte gemeinsam mit der gelernten Arzthelferin, wo ihre Stärken liegen und wo sich beruflich neue Türen öffnen könnten. „Als ich dann gehört habe, dass das St.-Antonius-Hospital eine Mitarbeiterin mit medizinischen Vorkenntnissen sucht, habe ich gleich an Frau Dües gedacht“, berichtet Mia Senden. Vorstellungsgespräch und das Probearbeiten liefen gut, dann konnte Gabriele Dües den lang ersehnten Arbeitsvertrag unterschreiben.

Jahrelang hatte Gabriele Dües, die Mutter von vier Kindern ist, Hartz IV bezogen und als Minijobberin in einer Augenarztpraxis gearbeitet. Die Hoffnungen auf eine sozialversicherungspflichtige Stelle hatte sie schon fast aufgegeben. „Nun keine Unterstützung mehr zu benötigen, das ist ein gutes Gefühl“, sagt sie.

Zahlreiche Fachleute engagieren sich dafür, dass noch mehr ältere Langzeitarbeitslose diesen Schritt schaffen. Kooperationspartner des „Service-Punkt ARBEIT“ sind die Akademie Klausenhof in Rhede für den Südkreis und die Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) in Ahaus für den Nordkreis. Sie haben „comeback 50-center“ eingerichtet, in denen Arbeitslosengeld-II-Beziehende über 50 Jahren individuell und passgenau beraten, aktiviert, qualifiziert und nach Möglichkeit in Arbeitsverhältnisse vermittelt werden.

„Einigen müssen wir zeigen, wie sie ihre Fähigkeiten wieder entdecken und neue Motivation gewinnen können“, erklärt Susanne Woldering. Dazu tragen zum Beispiel Fortbildungen in der BBS in Ahaus bei. So bringt Ausbilder Klaus Gausling in dieser Woche sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Werkstoff Metall näher. Fingerfertigkeit und technisches Verständnis werden an der Werkbank geschult. Ganz nebenbei tut der Ausflug in die Werkstatt auch dem Selbstbewusstsein gut. „Viele kommen mit hängenden Schultern und gehen aufgerichtet wieder raus“, berichtet eine Teilnehmerin aus Gronau.

Alt-Landrat Gerd Wiesmann unterstützt das Projekt „comeback 50“, das vom Bund finanziert wird, als Botschafter. Er ermuntert Unternehmen, die besonderen Qualifikationen älterer Arbeitnehmer für sich zu nutzen. „Das erfordert bei einigen Firmen ein Umdenken“, ist er überzeugt. Von Erfahrung und Besonnenheit der Älteren könnten häufig aber auch die jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren, sagte er beim Besuch in der BBS. Und insbesondere der Umgang mit Kunden fiele Älteren oft leichter.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der „comeback 50-center“ besuchen immer wieder Firmen, um sie von den Qualitäten älterer Bewerber zu überzeugen. Sie bieten passgenaue Fortbildungen für die Bewerber in den Kompetenzzentren oder aber in den Betrieben an, außerdem ist in der Einarbeitungsphase auch eine finanzielle Förderung möglich.

Weitere Informationen zum Projekt „Comeback 50“ gibt es im Internet unter www.comeback50-borken.de. Fragen zu Inhalt und Organisation beantwortet für die Kreisverwaltung Susanne Woldering, Tel.: 02861/82-1245.