UWG – Brief an Landrat Dr. Kai Zwicker

Einbrüche in der Gemeinde Raesfeld

Die Zahl der Einbrüche mit Diebstahl und Sachbeschädigung ist in den vergangenen Wochen, wie der Tagespresse zu entnehmen ist und war, wieder stark angestiegen.

Bereits vor einigen Monaten hatten wir das Bedürfnis der Bürger nach größerer Aufmerksamkeit der Gesetzeshüter an die Gemeindeverwaltung gerichtet. Da sei man nicht der richtige Ansprechpartner. Für Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung sei natürlich die Polizei zuständig. Eine spärliche Polizeipräsenz in der Gemeinde wurde dabei aber auch festgestellt.

Der Staat hat die Aufgabe seine Bürger zu schützen. Diese Aufgabe wurde der Polizei übertragen. Die Polizei wird aber leider mangelhaft ausgerüstet und ist nachweislich zu stark unterbesetzt um den Schutz der Bürger angemessen zu gewährleisten. Es ist Aufgabe der Politik dies zu ändern. Dazu fordern wir alle politischen Gremien und Entscheidungsträger auf.

Wir verstehen uns als Vertreter vieler besorgter Bürger, bei denen die Kriminalitätszunahme insbesondere durch Einbrüche auch im ländlichen Raum beängstigende Zustände angenommen hat. Die Sorgen der Bürger sind berechtigt, sie müssen endlich Ernst genommen werden.

Haus- und Wohnungseinbrüche auch in öffentliche Gebäude, Diebstahl mit Sachbeschädigung, auch mutwillige Sachbeschädigungen, dreiste Erpressung am helligten Tag. Gehört das alles zu unserem normalen Alltag?
Kriminelle gehen ihrer „Arbeit“ scheinbar ohne Angst erwischt zu werden nach, ohne Angst vor Repressalien, ohne Angst vor den Gesetzeshütern.

Unserer Meinung nach wirkt die bekanntlich sehr geringe Aufklärungsquote von teilweise unter 10 % nicht eben abschreckend, das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Wann können wir in der Zeitung endlich von erfolgreicher Aufklärung lesen? Das schreckt Täter ab und beugt vor.

Die Meldungen der Polizei, einem kürzlich erschienenen Pressebericht zu entnehmen, dass die Zunahme an Einbruchsdelikten nicht nur in der Gemeinde Raesfeld, sondern generell ansteigt und nicht komplett verhindert werden könnte beunruhigt umso mehr. Da hilft es auch nichts, dass Raesfeld angeblich noch die geringste Einbruchsrate hat. Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und Schutzeinrichtungen an den Gebäuden sind hilfreich aber auch nur begrenzt möglich. An die Aufmerksamkeit aller zu Appellieren, Auffälligkeiten zu registrieren und ggf. auch der Polizei zu melden ist unbedingt hilfreich, bei verängstigten Bürgern jedoch eine Selbstverständlichkeit.

Die Polizeiwache in der Gemeinde Raesfeld ist an drei Stunden in der Woche besetzt und das für ca. 11.000 Einwohner. Erhöhte Polizeipräsenz ist nicht das Allerheilmittel aber mit Sicherheit einer der wichtigsten Faktoren zur Bekämpfung, Abschreckung und Aufklärung von Einbruchdiebstählen. Es bleibt der Eindruck, dass gerade die Kreisrandgebiete bei der Polizei zu kurz kommen. Streifenwagen der Polizei sind den meisten Bürgern nur noch aus dem Fernsehen bekannt. Die Überwachung des Straßenverkehrs ist unbedingt wichtig. Es könnte aber der Eindruck entstehen, dass lieber geblitzt wird, anstatt die Kriminalität einzudämmen.

Bitte setzen sie sich mit ihren Möglichkeiten für einen besseren Schutz der Bürger ein!

Antwort des Landrates

Landrat Kai Zwicker
Landrat Dr. Kai Zwicker, Kreis Borken

Für Ihren offenen Brief und die darin artikulierten Fragestellungen danke ich Ihnen. Sie heben darin insbesondere auf die Zahl der Einbruchsdiebstähle und Sachbeschädigungen in den vergangenen Wochen ab. Es ist richtig, dass Straftaten im unmittelbaren nachbarschaftlichen Umfeld dazu geeignet sind, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu beeinträchtigen. Richtig ist ferner, dass die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle in der jüngeren Vergangenheit bundesweit gestiegen ist und dass diese Tendenz zunehmend auch den ländlichen Raum betrifft.

Dies gilt aber für 2014 ausdrücklich nicht für die Gemeinde Raesfeld: waren in den Jahren 2012 und 2013 im ersten Quartal noch 15 bzw. 12 Wohnungseinbrüche zu beklagen, so waren dies in 2014 nur zwei Taten. Auch die übrigen Delikte des Einbruchsdiebstahls bewegten sich in diesem Zeitraum mit insgesamt 12 Delikten gemessen an der Gemeindegröße im „Normalmaß“. Dies gilt auch für die von Januar bis April angezeigten acht Sachbeschädigungen. Selbstverständlich sind weder der Kreis Borken noch die Gemeinde Raesfeld kriminalitätsfreie Zonen. Gleichwohl vermag ich Ihre Einschätzung von der „mangelhaft ausgerüsteten“ und „stark unterbesetzten“ Polizei in meinem Verantwortungsbereich nicht zu teilen. So lag die Aufklärungsquote für den Wohnungseinbruchsdiebstahl im Kreis Borken im Jahr 2013 mit 20,4% deutlich über dem Landesdurchschnitt und auch deutlich über dem Wert anderer, vergleichbarer Landkreise. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für andere Kriminalitätsfelder. Ich bewerte dies als Ergebnis professioneller Arbeit der Beamtinnen und Beamten sowohl im Wachdienst, als auch im Rahmen der kriminalpolizeilichen Ermittlungen.

Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Raesfeld dürfen sich sicher fühlen. Die Beamtinnen und Beamte der Polizeiwache in Borken sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für sie da und gewährleisten ihr Erscheinen vor Ort innerhalb kurzer Reaktionszeiten als auch regelmäßige Streifenpräsenz. Darüber hinaus steht der Bezirksbeamte in Raesfeld den Bürgerinnen und Bürgern mit Rat und Tat zur Verfügung. Hier lege ich Wert darauf, dass die Bezirksbeamten in ihren Gemeinden überwiegend im Außendienst tätig sind und dort Präsenz zeigen.

Gerne teile ich Ihnen mit, wie Bürgerinnen und Bürger sich vor Kriminalität noch besser schützen können. Der Anteil gescheiterter Einbruchsversuche in Wohnungen oder Wohnhäuser ist mit 40% sehr hoch und ein aussagekräftiger Indikator dafür, dass Einbruchsschutz sich lohnt. Nach allen Erfahrungswerten lassen Einbrecher innerhalb sehr kurzer Zeit von einem Objekt ab, wenn Ihnen der Zugang zu den Wohnräumen nicht schnell gelingt. Häufig sind schon wenig aufwändige technische Maßnahmen geeignet, den Einbrechern das Leben schwer zu machen. Die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle der Kreispolizeibehörde Borken steht interessierten Bürgerinnen und Bürgern als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Borken, hier insbesondere in der Gemeinde Raesfeld, können und dürfen sich vergleichsweise sicher fühlen. Hier haben wir, ich als Verantwortlicher für die Polizei und Sie als politische Verantwortungsträger, selbstverständlich die Pflicht Ängste und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger Ernst zu nehmen. Wir haben aber auch die Pflicht sie objektiv über die tatsächliche Sicherheitslage vor Ort zu informieren.

Da Sie Ihren „offenen Brief zeitgleich an die lokalen Zeitungen über-sandt haben, erlaube ich mir, dies gleichfalls zu tun. Ebenso hat der Bürgermeister der Gemeinde Raesfeld eine Abschrift erhalten.

 

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